Aus der aktuellen Ausgabe

Molekulargenetische Diagnostik ­erblicher Retinopathien

Neues Analyseverfahren zur DNA-Sequenzierung (NGS)
Bei Patienten mit einer erblich bedingten Netzhauterkrankung ist der jeweilige Gendefekt heute in den meisten Fällen feststellbar. Die genetische Diagnose erlaubt eine präzise Einschätzung des Erkrankungsrisikos von Verwandten. Zudem besteht die Hoffnung, dass diese Informationen in naher Zukunft auch therapeutische Optionen eröffnen. Modernste Analysetechniken wie das Next-Generation Sequencing (NGS) erfassen alle Gene, die mit der entsprechenden Symptomatik in Verbindung gebracht werden. Der Humangenetiker Prof. Hanno J. Bolz (Ingelheim) erläutert das NGS-Verfahren in der Diagnostik genetisch heterogener Augenerkrankungen.

Acoustic Vessel Shadow Intensity (AVSI)

Neue Methode zur Beurteilung retinaler Gefäße mittels OCT
Das Messen der Acoustic Vessel Shadow Intensity (AVSI) stellt eine neue Methode zur Strukturauswertung retinaler Gefäße dar. Hierbei werden im ersten Schritt in der cSLO-Fundusaufnahme die Gefäße erkannt und auf das SD-OCT übertragen. Ziel einer Studie war es zu prüfen, ob das Vorgehen zur Beurteilung der Gefäßmorphologie einsetzbar ist. Dafür wurden die AVSI mit dem Alter der Patienten und dem Schlaganfallrisiko verglichen. Dr. Robert Kromer (Hamburg) erläutert die neue Methode und die Ergebnisse der Studie.

Visusverlust nach Silikonölchirurgie

Bei komplexeren Netzhautablösungen und proliferativen Vitreoretinopathien muss häufig auf Silikonöl als Endotamponade zurückgegriffen werden, das zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfernt wird. Es häufen sich Fallberichte von Patienten mit ursprünglich guter Visusprognose und zu jedem Zeitpunkt anliegender Makula, bei denen es zu einem plötzlichen Visusverlust während der Silikonölendotamponade oder um den Zeitpunkt der Silikonölentfernung gekommen ist. Ole Jacobsen und Prof. Wolfgang Wiegand (Hamburg) stellen mögliche Pathomechanismen des Visusverlustes nach Silikonölchirurgie dar.

Schläfenarterienentzündung mit Erblindung

Symptombeschreibung der Arteriitis temporalis im 18. Jahrhundert
Die Krankheitszeichen und Symptome der Arteriitis temporalis waren bereits im 18. Jahrhundert aufgrund der Mitteilungen von Herman van Boerhaave und Lorenz Heister bekannt. Allerdings wurde damals noch kein Zusammenhang mit einer verdickten, schmerzhaften Schläfenarterie mitgeteilt. Prof. Dieter Schmidt (Freiburg) setzt sich im Folgenden mit den Arbeiten van Boerhaaves und Heisters auseinander.

Visusverbesserung bei Irvine-Gass-Syndrom

Subtenon-Applikation von Triamcinolon als Therapieoption
Das pseudophake zystoide Makulaödem oder Irvine-Gass-Syndrom ist eine nicht seltene Komplikation nach Kataraktchirurgie und führt zum Teil zu einer langanhaltenden Visusminderung. Nach wie vor gibt es für die Behandlung keinen Goldstandard, sondern verschiedene Therapieoptionen. Dr. Alicia Engin, Prof. Wolfgang Wiegand und Dr. Hita Dave (Hamburg) erörtern die Subtenon-Injektion von Triamcinolon als eine Option zur Reduktion des Makulaödems und zur Visusverbesserung bei Irvine-Gass-Syndrom.

Serie Auge und Sehen: Der Augenabguss

Serie zur Sammlung Roth
Die Kontaktlinsen der ersten Jahre dienten allein dazu, eine Erblindung durch den Keratokonus, einst als Staphylom bezeichnet, aufzuhalten. Durch eine vorsichtige Kompression des Hornhautzentrums mittels einer Sklerallinse oder -schale hoffte man, die Aufsteilung der Kegelspitze zu blockieren. Dazu war es notwendig, die vorderen Augenabschnitte als Vorlage für die Innenkontur der Linse möglichst exakt abzuformen. Der meist hochgradige irreguläre Astigmatismus war jedoch in diesen Jahren messtechnisch nicht zu erfassen, das Pröbeln mit vorgefertigten Linsen aus Glas verschiedener Innenkurven misslang zumeist. Die Folge war ein unbefriedigendes Sitzverhalten, war es doch nötig, die verkrümmte Hornhaut­vorderfläche möglichst in allen ihren Abschnitten gleichzeitig mit einem sanften Druck zurückzudrängen.

Existenzgründung in der Augenheilkunde

Der Schritt in die eigene freiberufliche Existenz als niedergelassener Arzt ist eine Entscheidung von großer Tragweite und scheint an Attraktivität zu verlieren: die wirtschaftliche Herausforderung, eine immer weiter zunehmende Bürokratisierung und Regulierung sowie die veränderten Ansprüche der jüngeren Ärztegeneration zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie lassen die Einzelpraxis als Form der Existenzgründung kaum noch erstrebenswert erscheinen. Welche Chancen und Perspektiven sich dennoch bieten und warum zur Niederlassungswilligkeit ermuntert werden kann, führt Dr. Peter Heinz (Schlüsselfeld) aus.

Zerebrale Glaukome – Sonderform von Normaldruckglaukomen?

Vielversprechendes Verfahren zur Differenzierung zwischen NDG und POWG
Zerebrovaskuläre Durchblutungsstörungen und mikroangiopathische Läsionen sind bei Glaukompatienten mit normalen Augendruckwerten auffallend häufiger zu finden. Unklar bleibt, inwieweit eine ischämische Schädigung der intrakraniellen Sehbahn die Ursache für eine sekundäre Degeneration des Nervus opticus mit gleichzeitiger Papillenexkavation sein kann und ob anhand der intrakraniellen Veränderungen der Sehbahn eine Differenzierung der Glaukomformen NDG (Normaldruckglaukom) und POWG (Primäres Offenwinkelglaukom) möglich ist. Mittels Diffusions-Tensor-Bildgebung könnte eine genaue Lokalisation des Ursprungs des Funktionsausfalls entlang der Sehbahn bei den verschiedenen Glaukomformen und somit eine zuverlässige Differenzierung zwischen NDG und POWG möglich werden. Prof. Georg Michelson, Simone Waerntges, Johannes Schoemann, Prof. Tobias Engelhorn, Dr. Manuel A. Schmidt, Prof. Dr.-Ing. Ahmed El-Rafei, Prof. Dr.-Ing. Joachim Hornegger und Prof. Arnd Doerfler (Erlangen) erläutern das Verfahren und stellen erste Ergebnisse vor.

VEGF-Antikörper in der Glaukomchirurgie

Die additive Anwendung von VEGF-Antikörpern in der filtrierenden Glaukomchirurgie stellt eine vielversprechende Möglichkeit zur Modulation der Wundheilung dar. Die Rolle der verschiedenen Isoformen des VEGF im Hinblick auf die Narbenbildung nach einer filtrierenden Glaukomchirurgie wurde in Studien untersucht. Andere Studien überprüften die topische Applikation von Bevacizumab in Augentropfenform auf die Entwicklung der Sickerkissenmorphologie. Priv.-Doz. Dr. Isabel Oberacher-Velten (Regensburg) erläutert anhand von klinischen Beispielen den Effekt von VEGF-Antikörpern auf die Fibroblastenaktivität beziehungsweise auf den Erfolg einer filtrierenden Operation.

Endothelmikroskopie und ­Hornhautendothel im klinischen Alltag

Die Beurteilung des Hornhautendothels ist nicht nur im Rahmen von Erkrankungen und Verletzungen der Hornhaut wesentlich, sie ist auch durch die Zunahme der verschiedenen refraktiv-chirurgischen Eingriffe von besonderer Bedeutung: Hierbei liefert die Endothelmikroskopie objektive Daten und erlaubt damit den vielfältigen Forderungen nach Dokumentation der Qualität von operativen Eingriffen näher zu kommen. In den 80er Jahren war die Endothelmikroskopie besonders hilfreich zur Darstellung einer Schutzfunktion der Hyaluronsäure während der Kataraktoperation. Aktuell sind die Endothelzellverluste ein Vergleichskriterium zur Beurteilung der Kataraktoperation mit Ultraschall oder mit dem Femtosekundenlaser. Prof. Ekkehard Fabian (Rosenheim) und Priv.-Doz. Dr. Matthias Maier (München) erläutern den Einsatz der Endothelmikroskopie als Basis für eine umfängliche präoperative Diagnostik und Qualitätsdokumentation.