Aus der aktuellen Ausgabe

Jahrestagung der Vereinigung Bayerischer Augenärzte

Zur diesjährigen Jahrestagung der Vereinigung Bayerischer Augenärzte hatte Prof. Jost Hillenkamp nach Würzburg eingeladen. Das wissenschaftliche Programm wurde durch einen IVOM-Aufbaukurs und ein Programm für ophthalmologisches Assistenzpersonal ergänzt. Dr. Udo Hennighausen (Hamburg) fasst einige Aspekte der Tagung, bei der rund 330 Teilnehmer gezählt wurden, zusammen.

Existenzgründung in der Augenheilkunde

Der Schritt in die eigene freiberufliche Existenz als niedergelassener Arzt ist eine Entscheidung von großer Tragweite und scheint an Attraktivität zu verlieren: die wirtschaftliche Herausforderung, eine immer weiter zunehmende Bürokratisierung und Regulierung sowie die veränderten Ansprüche der jüngeren Ärztegeneration zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie lassen die Einzelpraxis als Form der Existenzgründung kaum noch erstrebenswert erscheinen. Welche Chancen und Perspektiven sich dennoch bieten und warum zur Niederlassungswilligkeit ermuntert werden kann, führt Dr. Peter Heinz (Schlüsselfeld) aus.

Zerebrale Glaukome – Sonderform von Normaldruckglaukomen?

Vielversprechendes Verfahren zur Differenzierung zwischen NDG und POWG
Zerebrovaskuläre Durchblutungsstörungen und mikroangiopathische Läsionen sind bei Glaukompatienten mit normalen Augendruckwerten auffallend häufiger zu finden. Unklar bleibt, inwieweit eine ischämische Schädigung der intrakraniellen Sehbahn die Ursache für eine sekundäre Degeneration des Nervus opticus mit gleichzeitiger Papillenexkavation sein kann und ob anhand der intrakraniellen Veränderungen der Sehbahn eine Differenzierung der Glaukomformen NDG (Normaldruckglaukom) und POWG (Primäres Offenwinkelglaukom) möglich ist. Mittels Diffusions-Tensor-Bildgebung könnte eine genaue Lokalisation des Ursprungs des Funktionsausfalls entlang der Sehbahn bei den verschiedenen Glaukomformen und somit eine zuverlässige Differenzierung zwischen NDG und POWG möglich werden. Prof. Georg Michelson, Simone Waerntges, Johannes Schoemann, Prof. Tobias Engelhorn, Dr. Manuel A. Schmidt, Prof. Dr.-Ing. Ahmed El-Rafei, Prof. Dr.-Ing. Joachim Hornegger und Prof. Arnd Doerfler (Erlangen) erläutern das Verfahren und stellen erste Ergebnisse vor.

VEGF-Antikörper in der Glaukomchirurgie

Die additive Anwendung von VEGF-Antikörpern in der filtrierenden Glaukomchirurgie stellt eine vielversprechende Möglichkeit zur Modulation der Wundheilung dar. Die Rolle der verschiedenen Isoformen des VEGF im Hinblick auf die Narbenbildung nach einer filtrierenden Glaukomchirurgie wurde in Studien untersucht. Andere Studien überprüften die topische Applikation von Bevacizumab in Augentropfenform auf die Entwicklung der Sickerkissenmorphologie. Priv.-Doz. Dr. Isabel Oberacher-Velten (Regensburg) erläutert anhand von klinischen Beispielen den Effekt von VEGF-Antikörpern auf die Fibroblastenaktivität beziehungsweise auf den Erfolg einer filtrierenden Operation.

Endothelmikroskopie und ­Hornhautendothel im klinischen Alltag

Die Beurteilung des Hornhautendothels ist nicht nur im Rahmen von Erkrankungen und Verletzungen der Hornhaut wesentlich, sie ist auch durch die Zunahme der verschiedenen refraktiv-chirurgischen Eingriffe von besonderer Bedeutung: Hierbei liefert die Endothelmikroskopie objektive Daten und erlaubt damit den vielfältigen Forderungen nach Dokumentation der Qualität von operativen Eingriffen näher zu kommen. In den 80er Jahren war die Endothelmikroskopie besonders hilfreich zur Darstellung einer Schutzfunktion der Hyaluronsäure während der Kataraktoperation. Aktuell sind die Endothelzellverluste ein Vergleichskriterium zur Beurteilung der Kataraktoperation mit Ultraschall oder mit dem Femtosekundenlaser. Prof. Ekkehard Fabian (Rosenheim) und Priv.-Doz. Dr. Matthias Maier (München) erläutern den Einsatz der Endothelmikroskopie als Basis für eine umfängliche präoperative Diagnostik und Qualitätsdokumentation.

Therapieoptionen vasoproliferativer retinaler Tumore

Vasoproliferative retinale Tumore (VPRT) sind seltene gutartige Tumore der Netzhautperipherie und können sowohl primär als auch sekundär im Rahmen von ophthalmologischen Vorerkrankungen auftreten. Bei unklarem rezidivierendem oder therapieresistentem Makulaödem sollte differentialdiagnostisch immer auch an vasoproliferative retinale Tumore als Ursache in der Netzhautperipherie gedacht werden. Dr. Claudia Brockmann, Prof. Antonia M. Joussen und Priv.-Doz. Dr. Annette Hager (Berlin) erläutern Diagnose und Therapieoptionen primärer und sekundärer VPRT.

Fallbericht: Transiente einseitige ­Blickparese nach Kestenbaum-OP

Zur Reduzierung einer nystagmusinduzierten Kopfzwangshaltung stellt die Parallelverschiebung nach Kestenbaum eine effektive Operationsmethode dar. Dr. Andreas Menges, Ulrike Stubbe, Dipl. Phys. Rico Großjohann und Prof. Stefan Clemens (Greifswald) erörtern den Fall eines sechsjährigen Patienten, der mit manifestem Rucknystagmus und Kopfzwangshaltung vorstellig wurde. Allgemeinanamnestisch bestanden eine symptomatische fokale Epilepsie und eine leichtgradige spastische Hemiparese links.

Serie Auge und Sehen: Der Blinde in der Kunst

Serie zur Sammlung Roth
Der Verlust der Sehfähigkeit als Folge einer Krankheit oder eines Unfalls hatte zu allen Zeiten einen besonderen Stellenwert: Ohne Sehvermögen waren Mensch wie Tier verloren. Nahrungssuche und Orientierung waren ausgeschlossen, Gefahren nicht erkennbar. Nur ein intaktes Sozialverhalten der Gesellschaft ermöglichte einem Blinden das Überleben. Interessant sind daher auch die Darstellungen der Blindheit in der Kunst. Die Bildhauer des alten Griechenlands nehmen als Erste in ihren bekannten Plastiken zum Beispiel von Homer als blindem Dichter auf eine Sehbehinderung besondere Rücksicht. Doch es dauerte noch über zwei Jahrtausende, bevor auch die Malerei zur Zeit der Renaissance die Blindheit als künstlerisches Motiv entdeckte. Vor allem flämische Künstler wie Frans Hals oder Rembrandt van Rijn machten den blinden Menschen zum Mittelpunkt ihrer Gemälde und Zeichnungen.

10. Internationales Pro Retina-Forschungskolloquium in Potsdam

Degenerative Netzhauterkrankungen – ein interdisziplinärer Austausch
Bereits zum zehnten Mal tagte das internationale Pro Retina-Forschungskolloquium, zu dem sich Ende März vor der Kulisse des Templiner Sees rund 135 internationale Teilnehmer in Potsdam einfanden. Beim bislang größten Treffen stand für die anwesenden Wissenschaftler, Mediziner aus Europa und Amerika erneut der interdisziplinäre Austausch zwischen Grundlagen- und klinischer Forschung im Mittelpunkt. In einer Vielzahl von Vorträgen wurde über aktuelle klinische Studien und neue Erkenntnisse aus der experimentellen Forschung berichtet. Besonders große Bedeutung hatte einmal mehr die Diskussion zwischen den teilnehmenden Nachwuchswissenschaftlern und den anwesenden erfahrenen Arbeitsgruppenleitern und Professoren. Über das diesjährige Treffen berichten aus dem Kreis der Bonner Teilnehmer Dipl. Biol. Johanna Meyer, M.Sc. Niklas Domdei, Dr. Moritz Lindner, Dr. Philipp Müller, Dr. Martin Gliem, Dr. Wolf Harmening und Prof. Peter Charbel Issa.

Augentropfen aus ­Amniongewebehomogenat

Nicht heilende Hornhautepitheldefekte oder akute Verätzungen sind die Hauptindikationen für eine Amnionmembrantransplantation. Die Amnionmembran zeigt antiinflammatorische Effekte und begünstigt die Re-Epithelialisierung der Hornhaut. Für die Patienten ist diese Therapiemethode allerdings immer mit den Risiken und Nebenwirkungen eines operativen Eingriffs verbunden. Eine alternative Behandlungsmöglichkeit wäre die Applikation von Augentropfen, die aus Amniongewebehomogenat hergestellt werden. Tanja Stachon, Mona Bischoff, Manuela Huber, Prof. Achim Langenbucher, Prof. Berthold Seitz und Priv.-Doz. Dr. Nóra Szentmáry erläutern, was bei der Herstellung zu beachten ist.