Aus der aktuellen Ausgabe

Biomarker beim Glaukom

Individualisierte Therapieoptionen durch Immunmodulation
In verschiedenen Studien wurden bei Glaukompatienten im Vergleich zu Gesunden spezifische Veränderungen in den komplexen Mustern natürlicher Autoantikörper identifiziert. Zur Klärung der Frage, ob der Untergang von retinalen Ganglienzellen in vivo antigenspezifisch auf autoaggressivem Wege ausgelöst werden kann, wurde an der Universitäts-Augenklinik Mainz das Experimentelle Autoimmune Glaukom (EAG)-Tiermodell entwickelt. Ein neues Diagnoseverfahren basierend auf veränderten Autoantikörpermustern könnte die Krankheitserkennung bei Glaukom deutlich verbessern und zusätzlich Patienten, die von einer möglichen individualisierten Immunmodulation profitieren würden, direkt identifizieren. Dr. Katharina Bell, Dr. Nadine von Thun und Hohenstein-Blaul und Prof. Dr. Dr. Franz H. Grus (Mainz) stellen ihre Forschungsergebnisse vor.

Minimalinvasive Glaukomchirurgie mit dem CyPass Mikro-Stent

Die minimalinvasive Glaukomchirurgie (MIGS) gewinnt immer mehr an Bedeutung und in den letzten Jahren sind eine Reihe neuer Systeme hierfür entwickelt und optimiert worden. Solche Mikro-Stents können bei minimalem zeitlichem Mehraufwand auch im Rahmen einer Kataraktoperation implantiert werden. Priv.-Doz. Dr. Swaantje Grisanti, Susann Wegner, Joerdis Knoth (Lübeck) stellen Ergebnisse aus eigener Klinik dar.

Neuroregenerativ wirkende Strategien beim experimentellen Glaukom

Der Zelltod retinaler Ganglienzellen gilt als irreversibel. Wenn es geläng, die regenerationshemmenden Mechanismen zu überwinden und die Neurone zur Regeneration anzuregen, wäre ein eingetretener retinaler Ganglienzellen-Schaden reversibel und gegebenenfalls vielleicht sogar heilbar. Auch adulte Neurone können zur Regeneration unter bestimmten experimentellen Umständen in vivo und in vitro angeregt werden, was beweist, dass die molekulare Zellmaschinerie der Regenerationsfähigkeit lebenslang vorhanden, aber inaktiviert ist. Priv.-Doz. Dr. Verena Prokosch-Willing, Prof. Dr. Solon Thanos (Münster) erläutern potentiell neuroregenerativ wirkende Strategien, die im Tiermodel und experimentellen Glaukommodell untersucht worden sind.

Astigmatismuskorrektur mittels torischer IOL

Studie zu funktionellen Ergebnissen und zur Sehqualität
Eine Option zur Behandlung kornealer Astigmatismen ist die Implantation von torischen Intraokularlinsen (IOL). Ziel einer Studie an der Universitäts-Augenklinik Heidelberg war die klinische Evaluation der funktionellen Ergebnisse und der Sehqualität nach Implantation einer monofokal-torischen IOL. Dr. Ramin Khoramnia, Dipl.-Ing. (FH) Anna Fitting, Prof. Dr. Tanja M. Rabsilber, Prof. Dr. Gerd U. Auffarth und Prof. Dr. Mike P. Holzer (Heidelberg) stellen erste Ergebnisse der prospektiven Studie vor.

Einfluss von Wetter und Klima auf LASIK

Meteorologische Parameter und refraktives Ergebnis
Vor einer LASIK müssen zahlreiche Faktoren berücksichtigt werden, die potentiell limitierende Auswirkungen auf das refraktive Ergebnis haben könnten. Hierzu gehören auch Umweltfaktoren, die bereits als mögliche Auslöser von Krankheiten diskutiert wurden. Im Rahmen einer Studie an der Universitäts-Augenklinik Hamburg-Eppendorf wurde der Einfluss von Wetter und Klima auf die refraktiven Ergebnisse nach LASIK untersucht. Dr. Andreas Frings, Dr. Ines Neuhaus-Richard, Felix Ament, Isabel Caroline Görsch, Vasyl Druchkiv, Dr. Toam Katz, Priv.-Doz. Dr. Stephan J. Linke und Prof. Dr. Gisbert Richard (Hamburg) stellen die Ergebnisse vor.

Die operative Versorgung mit dem epiretinalen Netzhautimplantat

Zur Implantation des Netzhautprothesensystem Argus II
In den letzten Jahren wurden mit dem subretinalen sowie dem epiretinalen Implantat zur Wiederherstellung eines Teils der funktionellen Sehfähigkeit zwei erfolgversprechende retinale Implantatsysteme entwickelt, die vor allem Patienten mit fortgeschrittener Retinitis pigmentosa (RP) wieder eine räumliche Orientierung ermöglichen sollen. Das epiretinal eingesetzte Argus II-Retinaprothesensystem erhielt 2011 die Zulassung in Europa und 2013 die FDA-Zulassung und wurde nach Angaben des herstellenden Unternehmens Second Sight inzwischen bei rund 90 Patienten weltweit eingesetzt. Das subretinale System Alpha IMS der Retina Implant AG erhielt Mitte 2013 die Zulassung. Prof. Dr. Peter Szurman (Sulzbach), als einer der ersten Operateure des epiretinalen Systems in Deutschland, kennt beide Systeme. Hier erläutert er das Netzhautprothesensystem Argus II und berichtet über seine klinischen Erfahrungen.

Retropupillar fixierte Irisklauenlinsen

Studie zu morphologischen Veränderungen nach traumatischer Deenklavation
Die Implantation von Intraokularlinsen bei Patienten mit Aphakie oder fehlender Kapselapparataufhängung stellt noch immer eine besondere Herausforderung dar. Eine der vielversprechendsten Implantationsverfahren ist die retropupillare (posteriore) Fixierung von Irisklauenlinsen. Ziel einer Studie war es, morphologische Veränderungen an retropupillar fixierten Irisklauenlinsen nach Dislokation aufgrund traumatischer Deenklavation zu analysieren. Dr. Tobias Brockmann, Dr. Johannes Gonnermann und Priv.-Doz. Dr. Eckart Bertelmann (Berlin) stellen die Ergebnisse vor.

Serie Auge und Sehen: Der Bildbetrachter

Serie zur Sammlung Roth
Hübsche Dinge anzuschauen, schöne Bilder zu betrachten, das war schon immer ein Teil der Lebensqualität: Es diente der Unterhaltung und Bildung zugleich. Mit dem Beginn der Fotografie wurde statt des mühsamen Malens das Ablichten von Motiven zum Hobby vieler. Die Entwicklung der Kleinbildkamera revolutionierte die Aufnahmetechnik. Farbige Papierabzüge oder gar Poster waren in den Vorkriegsjahren allerdings noch unerschwinglich. Also griff man auf das preisgünstige Farbdiapositiv, wie man früher das Dia nannte, zurück und suchte nach einfachen Wegen die Bilder möglichst wirklichkeitsgetreu anschauen zu können. Hierzu bedurfte es entweder eines Projektors oder noch einfacher eines Bildbetrachters. Beides gehörte früher neben der Kamera zur Standardausrüstung des Fotografen.

Kokultur-Modell unter Integration von Epithel, Stroma und Endothel

Bedeutung der Zellinteraktion für die natürliche korneale Gewebshomöostase
Bislang werden meist Einzelzellkulturen, so genannte Monolayer des Hornhautepithels, verwendet, um Zelldifferenzierung, also Reifung, und Zellteilung, also Proliferation, zu untersuchen. Sollte es gelingen, die Kornea in vitro als gesamte Einheit zu reproduzieren, stellt dies möglicherweise auch eine zukünftige Alternative in der präklinischen Testung zu Tierversuchen dar. In einem Modell an der Universitäts-Augenklinik Freiburg wurden die Ausreifung und Schichtung des Epithels in der Kokultur mit anderen Hornhautzellen untersucht. Priv.-Doz. Dr. Philipp Eberwein (1), Prof. Dr. Pascal Tomakidi (2) und Prof. Dr. Thomas Reinhard (1) erläutern die Ergebnisse.

(1) Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Freiburg
(2) Abteilung für Orale Biotechnologie, Universitätsklinikum Freiburg

Akkommodierende Kontaktlinsen – Vision und Wirklichkeit

Aktuell gibt es verschiedene Ansätze für akkommodierende ophthalmische technische Systeme, die darauf abzielen, die nachlassende Akkommodationsfähigkeit im natürlichen Auge auszugleichen. In einer Kooperation entwickelt das Institut für Angewandte Informatik des Karlsruher Institutes für Technologie gemeinsam mit der Universitäts-Augenklinik Rostock neben einem künstlichen Akkommodationssystem, das als Implantat komplett wie eine Intraokularlinse in den Kapselsack implantiert wird (siehe DER AUGENSPIEGEL Ausgabe Mai), auch ein aktiv akkommodierendes System als integralen Bestandteil von Kontaktlinsen oder Brillen. Prof. Dr. Georg Bretthauer (1), Dr. Ulrich Gengenbach (1),  Dr. Jörg Nagel (1), Prof. Dr. Oliver Stachs (2) und Prof. Dr. Rudolf Guthoff (2) stellen das Konzept dar.

(1) Institut für Angewandte Informatik des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT)
(2) Universitäts-Augenklinik, Universitätsmedizin Rostock