Aus der aktuellen Ausgabe

Smart Eye Data – Ophthalmologie 4.0?

Neue Erkenntnisse durch Verknüpfung von klinisch verfügbaren Daten
Das Projekt Smart Eye Data im Arbeitsbereich „IT in der Augenheilkunde“ an der Augenklinik der LMU München baut aktuell eine Forschungsdatenbank auf, die zum einen die klinischen Daten der Patienten wie Visus, Augeninnendruck etc. aus dem klinikeigenen Augenärztlichen Klinikinformationssystem (AUKIS) enthält und zum anderen Messdaten aus bildgebenden diagnostischen Geräten wie dem OCT umfasst. Durch eine ausgewählte Verknüpfung der Daten sollen Analysen zur Qualitätskontrolle stattfinden und das enthaltene Wissen zur Unterstützung im klinischen Alltag genutzt werden. Dr. Karsten Kortüm vom Smart Eye Data-Team der Augenklinik der Universität München stellt das Projekt vor und problematisiert die Verfügbarkeit von Daten sowie datenschutzrechtliche Aspekte.

Fallbericht: Photorezeptorschaden durch LED-Licht

Durch LED-Licht verursachte Photorezeptorschäden können sich mit Symptomen ähnlich denen von Patienten mit Retrobulbärneuritis (Visusabfall und Rotentsättigung) präsentieren. Dr. Kai Fender, Elisabeth Hartwig, Dr. Ulrich Hupfer und Dr. Thomas Knut Köhler berichten über eine 34-jährige Patientin, die am Heinrich-Braun-Klinikum Zwickau mit Verschwommensehen sowie einem Visusabfall am linken Auge vorstellig wurde.

Die Laterna magica

Serie zur Sammlung Roth
Die Welt zu sehen und das Geschehen für spätere Generationen im Bild festzuhalten war bereits in der Urgeschichte der Menschheit ein eigenes Thema. Schon in den steinzeitlichen Höhlen finden die Archäologen Abbildungen der damaligen Welt. Eine Weitergabe der Darstellungen, ihre Speicherung auf einem Medium oder gar die Wiedergabe an anderer Stelle waren unmöglich. Dies änderte sich erst mit der Erfindung der Camera obscura, deren optische Eigenschaften im Rahmen früher Experimente zur Ausbreitung und Brechung von Licht in arabischen Kreisen entdeckt wurde. Sie bestand aus einem geschlossenen Kasten, an dessen Frontseite sich im Zentrum ein kleines Loch befand. An der rückseitigen Innenwand erschien dann die Außenwelt, wie sie vor dem Kasten existierte, nur seitenverkehrt und auf dem Kopf stehend. Das Bild tauchte zwar nun als Kopie an einer anderen Stelle auf. Aber es war weder transportfähig, noch gelang es, dies zu vervielfältigen.
Von Dr. Hans-Walter Roth (Ulm).

113. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG)

Vom Labor in die Klinik
„Augenheilkunde – grundlagenbasiert und interdisziplinär“, so hatte der DOG-Kongresspräsident Prof. Karl Ulrich Bartz-Schmidt das Motto zum diesjährigen Jahreskongress der Gesellschaft gewählt und einen entsprechenden Schwerpunkt in der Ausrichtung des wissenschaftlichen Programms gesetzt: In internationalen und interdisziplinären Symposien wurden die aktuellen Möglichkeiten der Gen- und Stammzelltherapie in der Augenheilkunde, gegenwärtige Ansätze aus der präklinischen Forschung zur Genom-Editierung sowie die jüngst erfolgte Zulassung für erste Gentherapiestudien in Deutschland dargestellt und diskutiert. Wenngleich diese zukunftsweisenden Ansätze auch nur einen kleinen Umfang am Gesamtanteil von gut 1.000 wissenschaftlichen Beiträgen sowie Keynote Lectures und rund 150 Symposien, Updates und Kursen zum breiten Themenspektrum einnahmen, so bildeten sie dennoch einen roter Faden im Programm und gaben einen beeindruckenden Ausblick auf berechtigte Therapieoptionen für bislang unheilbare Netzhauterkrankungen. Über den Kongress berichtet Ulrike Lüdtke.

Molekulargenetische Diagnostik ­erblicher Retinopathien

Neues Analyseverfahren zur DNA-Sequenzierung (NGS)
Bei Patienten mit einer erblich bedingten Netzhauterkrankung ist der jeweilige Gendefekt heute in den meisten Fällen feststellbar. Die genetische Diagnose erlaubt eine präzise Einschätzung des Erkrankungsrisikos von Verwandten. Zudem besteht die Hoffnung, dass diese Informationen in naher Zukunft auch therapeutische Optionen eröffnen. Modernste Analysetechniken wie das Next-Generation Sequencing (NGS) erfassen alle Gene, die mit der entsprechenden Symptomatik in Verbindung gebracht werden. Der Humangenetiker Prof. Hanno J. Bolz (Ingelheim) erläutert das NGS-Verfahren in der Diagnostik genetisch heterogener Augenerkrankungen.

Acoustic Vessel Shadow Intensity (AVSI)

Neue Methode zur Beurteilung retinaler Gefäße mittels OCT
Das Messen der Acoustic Vessel Shadow Intensity (AVSI) stellt eine neue Methode zur Strukturauswertung retinaler Gefäße dar. Hierbei werden im ersten Schritt in der cSLO-Fundusaufnahme die Gefäße erkannt und auf das SD-OCT übertragen. Ziel einer Studie war es zu prüfen, ob das Vorgehen zur Beurteilung der Gefäßmorphologie einsetzbar ist. Dafür wurden die AVSI mit dem Alter der Patienten und dem Schlaganfallrisiko verglichen. Dr. Robert Kromer (Hamburg) erläutert die neue Methode und die Ergebnisse der Studie.

Visusverlust nach Silikonölchirurgie

Bei komplexeren Netzhautablösungen und proliferativen Vitreoretinopathien muss häufig auf Silikonöl als Endotamponade zurückgegriffen werden, das zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfernt wird. Es häufen sich Fallberichte von Patienten mit ursprünglich guter Visusprognose und zu jedem Zeitpunkt anliegender Makula, bei denen es zu einem plötzlichen Visusverlust während der Silikonölendotamponade oder um den Zeitpunkt der Silikonölentfernung gekommen ist. Ole Jacobsen und Prof. Wolfgang Wiegand (Hamburg) stellen mögliche Pathomechanismen des Visusverlustes nach Silikonölchirurgie dar.

Schläfenarterienentzündung mit Erblindung

Symptombeschreibung der Arteriitis temporalis im 18. Jahrhundert
Die Krankheitszeichen und Symptome der Arteriitis temporalis waren bereits im 18. Jahrhundert aufgrund der Mitteilungen von Herman van Boerhaave und Lorenz Heister bekannt. Allerdings wurde damals noch kein Zusammenhang mit einer verdickten, schmerzhaften Schläfenarterie mitgeteilt. Prof. Dieter Schmidt (Freiburg) setzt sich im Folgenden mit den Arbeiten van Boerhaaves und Heisters auseinander.

Visusverbesserung bei Irvine-Gass-Syndrom

Subtenon-Applikation von Triamcinolon als Therapieoption
Das pseudophake zystoide Makulaödem oder Irvine-Gass-Syndrom ist eine nicht seltene Komplikation nach Kataraktchirurgie und führt zum Teil zu einer langanhaltenden Visusminderung. Nach wie vor gibt es für die Behandlung keinen Goldstandard, sondern verschiedene Therapieoptionen. Dr. Alicia Engin, Prof. Wolfgang Wiegand und Dr. Hita Dave (Hamburg) erörtern die Subtenon-Injektion von Triamcinolon als eine Option zur Reduktion des Makulaödems und zur Visusverbesserung bei Irvine-Gass-Syndrom.

Serie Auge und Sehen: Der Augenabguss

Serie zur Sammlung Roth
Die Kontaktlinsen der ersten Jahre dienten allein dazu, eine Erblindung durch den Keratokonus, einst als Staphylom bezeichnet, aufzuhalten. Durch eine vorsichtige Kompression des Hornhautzentrums mittels einer Sklerallinse oder -schale hoffte man, die Aufsteilung der Kegelspitze zu blockieren. Dazu war es notwendig, die vorderen Augenabschnitte als Vorlage für die Innenkontur der Linse möglichst exakt abzuformen. Der meist hochgradige irreguläre Astigmatismus war jedoch in diesen Jahren messtechnisch nicht zu erfassen, das Pröbeln mit vorgefertigten Linsen aus Glas verschiedener Innenkurven misslang zumeist. Die Folge war ein unbefriedigendes Sitzverhalten, war es doch nötig, die verkrümmte Hornhaut­vorderfläche möglichst in allen ihren Abschnitten gleichzeitig mit einem sanften Druck zurückzudrängen.