Aus der aktuellen Ausgabe

Brillenabdruck in einer alten Handschrift

Serie zur Sammlung Roth
Sehhilfen mit optisch brechenden Gläsern zum Ausgleich einer altersbedingten Weitsichtigkeit sind seit Ende des 13. Jahrhunderts bekannt. Ihre ältesten Abbildungen in der Umgebung von Venedig lassen vermuten, dass dort auf der Insel Murano erstmals die Herstellung eines farblosen Glases gelungen ist und wohl durch Zufall seine optischen Eigenschaften an ein paar Tropfen des erkalteten Materials entdeckt wurden. Hieraus ent­wickelte sich der Lesestein. Nach Einfassen eines Gläserpaars in einem Gestell aus Holz, Metall oder Elfenbein wurde da­raus die Parilla oder Brille, wie sie letztlich in ihrer Grundform bis heute noch in Gebrauch ist. Der hier gezeigte Abdruck dürfte von einer Lederbrille aus der Zeit zwischen der Mitte des 15. und 16. Jahrhunderts stammen.

Die Julius-Hirschberg-Gesellschaft ­tagte in Heidelberg

Auf den historischen Spuren der Gründungsmitglieder der DOG (Teil 2)
Im zweiten Teil des Tagungsberichtes zur XXIX. Zusammenkunft der ophthalmohistorischen Julius-Hirschberg-Gesellschaft (JHG) in der Alten Aula der Universität Heidelberg stellt Dr. Sibylle Scholtz (Ettlingen) die Vortragsthemen der dritten und vierten wissenschaftlichen Sitzung sowie die Themen der Posterausstellung dar.

Die neue 360-Grad-Kanaloplastik

Methodenvergleich von Mikrokathetersystem zu Onalene-Fadentechnik
Bei der Kanaloplastik als nicht perforierender Glaukomoperation wird ein Mikrokatheter am Hornhautrand in den Schlemm‘schen Kanal eingeführt, der den Kanal mit einem Gel dehnt, um ihn zu erweitern. Nach Entfernen des Katheters wird im Kanal ein feiner Faden gespannt, der den Kanal offen hält. Seit kurzem steht für die Kanaloplastik ein neues, robustes und kostengünstiges Verfahren zur Verfügung, bei dem statt des Mikrokatheters ein doppelt gedrehter 6-0-Polypropylen-Faden, der Onalene-Faden, eingeführt wird. Dr. Erik Chankiewitz und Carolin Buchwald (Halle/Saale) erläutern die Technik und diskutieren Vor- und Nachteile beider Verfahren im Vergleich.

Monitoring in der ­Amblyopietherapie

Tragezeitenmessung durch Mikrosensor-System
Die Tragezeit von Brillen oder Okklusionspflastern ist für eine erfolgreiche Amblyopietherapie von besonderer Relevanz. Seit Einführung des Okklusions-Dosis-Monitors wird kontinuierlich an einer Weiterentwicklung gearbeitet, um möglichst objektive Daten zu Tragezeiten zu gewinnen. Eine Studie der Universitäts-Augenklinik Tübingen testete ein Mikrosensor-System in seiner Eignung für die Amblyopietherapie, das bereits zum Montoring der Zahnspangentragezeiten in der Kieferorthopädie Anwendung findet. Dr. Annegret Abaza, Dr. Charlotte Schramm und Priv.-Doz. Dr. Kai Januschowski (Tübingen) stellen die Ergebnisse dar und diskutieren Vor- und Nachteile im Vergleich zum Okklusions-Dosis-Monitor (ODM).

Fallbericht: Intravenöses pyogenes ­Granulom der Vena angularis

Das intravenöse pyogene Granulom ist ein gutartiger Tumor, der selten in der periokularen Region vorkommt. Das klinische Bild ist oft unspezifisch, was die Diagnose erschweren kann. Dr. Elena Torres Suárez (Köln) berichtet über einen 44-jährigen Patienten, der an die Augenklinik Köln-Merheim zur weiteren Behandlung und möglichen chirurgischen Versorgung eines Chalazios überwiesen wurde. Der Patient klagte über eine seit zwei Wochen bestehende Schwellung des medialen Oberlides.

Das Brillenetui

Serie zur Sammlung Roth
Brillen sind in unserer heutigen Zeit meist nur noch Wegwerfartikel. Für ein paar Euros erhält man beim Discounter bereits eine einfache Lesebrille, die dem Geldbeutel angemessen, für das Auge allerdings nicht immer die passende ist. Zu früheren Zeiten, als für den Erwerb einer Sehhilfe noch eine Summe von bis zu einem Jahreslohn fällig war, sorgte man sich um ihre sichere Aufbewahrung. Die ersten Brillen trug man am Gürtel befestigt in einem Beutel aus Stoff oder Leder, es folgten Dosen oder Schatullen aus Holz. Neuzeitliche Modelle waren aus Eisenblech oder dem leichteren, aber teureren Aluminium. Heute sind sie meist nur noch aus billigem Kunststoff. Immer hatten sie die Aufgabe, die Gläser vor Bruch zu bewahren oder vor Kratzern zu schützen. In besseren Kreisen waren die Etuis wertvolle Kunstwerke, oft liebevoll bemalt oder vom Juwelier kunstvoll verziert.

Kongress DGII 2016

Interview mit Tagungspräsident Prof. Michael C. Knorz
Zu ihrer Jubiläumstagung lädt die Deutschsprachige Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation, interventionelle und refraktive Chirurgie (DGII) vom 11. bis 13. Februar nach Mannheim in das Kultur- und Konferenzzentrum Rosengarten ein. DER AUGENSPIEGEL sprach mit Prof. Michael C. Knorz, der als diesjähriger Tagungspräsident unter dem Motto „Perfektes Sehen durch Laser und Linse“ durch den 30. DGII-Kongress führt.

Augenverletzungen durch Pfefferspray

Der Absatz von Pfefferspray und Reizgas habe bereits im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2014 deutlich zugenommen und sich zu Beginn des Jahres nochmals erhöht. Das berichten zahlreiche Medien mit Verweis auf Angaben des Branchenverbandes Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB). Obwohl Pfefferspray in Deutschland nur als „Tierabwehrspray“ zugelassen ist, findet er immer häufiger Anwendung am Menschen. Der Einsatz ist riskant – für alle Beteiligten. Schwere Entzündungen mit Sehverlust sind möglich. Dr. Hans-Walter Roth und David Gulkin (Ulm) problematisieren den Einsatz und stellen das therapeutische Vorgehen dar.

Nanolaser-Photofragmentation versus Phakoemulsifikation

In einer Vergleichsstudie der Charlottenklinik für Augenheilkunde Stuttgart werden derzeit die Ultraschall-Phakoemulsifikation und die Photofragmentation durch Nanolaser untersucht. Kriterien sind Endothelzellverlust, visuelle Rehabilitation, Pachymetrie sowie intraoperativer Energieaufwand, Operationsdauer und intraoperativer Flüssigkeitsverbrauch. Dr. Sarah Mödl, Anna Katharina Paul, Eleonora Ruf und Prof. Gangolf Sauder (Stuttgart) stellen erste Ergebnisse und Daten der laufenden Vergleichsstudie dar.

Visualisierung der spektralen ­Transmissionseigenschaften von IOL

Die Verwendung unterschiedlicher Intraokularlinsenmaterialien, insbesondere die Nutzung von Blaulicht­filtermaterialien, impliziert unterschiedliche spektrale Transmissionseigenschaften. Diese beeinflussen objektiv den der Netzhaut dargebotenen Farbreiz und haben somit Auswirkungen auf die Farbempfindung. Ziel einer Untersuchung an der Universität Rostock war die quantitative Bestimmung der spektralen Transmissionseigenschaften verschiedener Intraokularlinsen und eine Visualisierung der dadurch induzierten Farbreizänderungen. Untersucht wurden Linsen aus hydrophobem Acrylat ohne und mit Blaulichtfilter. Zur Bestimmung der wellenlängenabhängigen Transmissionseigenschaften von Intraokularlinsen wurde ein experimenteller Aufbau realisiert, der es ermöglicht, in einem Wellenlängenbereich von 390 nm bis 780 nm quantifizierbare Aussagen zu treffen. Zur Visualisierung des Einflusses der unterschiedlichen spektralen Transmissionscharakteristika wurde eine dedizierte Software entwickelt, die pixelgenau den Einfluss des IOL-spezifischen Transmissionsverlaufes auf ein Ausgangsbild darstellt. Dr. rer. nat. Stephan Reiß, Dipl.-Phys. Karsten Sperlich, Martin Kunert, Prof. Rudolf F. Guthoff, Prof. Heinrich Stolz, Prof. Anselm Jünemann und Prof. Oliver Stachs stellen das Projekt und die Ergebnisse dar.