Aus der aktuellen Ausgabe

Auge und Maske

Serie zur Sammlung Roth
Wer eine Maske trägt, täuscht ein anderes Individuum vor. Einfache Kulturen verbergen hinter ihren Masken beim Tanzritual Geheimnisse, die uns meist fremd sind. Die abschreckende Teufelsmaske zieht sich durch nahezu alle Kulturen, die Schnabelmaske des Pestarztes aus Venedig flößte Respekt und Furcht vor der Seuche ein. Die Totenmaske soll eine Erinnerung an einen Lebenden sein. In der Bühnenkunst identifiziert sich der Schauspieler mit seiner Rolle, mit seiner Figur, er kopiert sie mit der Maske. Dabei spielt das Auge immer eine Schüsselrolle, es ist ein tragendes Element für Mimik und Charakter.

AAD 2016: Zur gemeinsamen Fortbildungstagung von BVA und DOG

Kompromisse gefordert
„Augenheilkunde im Spannungsfeld zwischen Studien und ‚real life‘“ prägte als Leitthema der diesjährigen Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD) die Hauptvorlesungen, in denen Referenten zu ausgewählten fachlichen Fragestellungen Studiendaten und klinische Erfahrungen in ihrer jeweiligen Relevanz für die Praxis diskutierten. Ein Spannungsfeld, das zudem aber auch eine gesundheitspolitische Dimension umfasste, wie zum Auftakt der Fortbildungstagung in der Kritik des BVA-Vorsitzenden Prof. Bernd Bertram an der G-BA-Methodenbewertung deutlich wurde. Und schließlich zeigte sich auch berufspolitisch die Konfrontation von Theorie und Alltagswirklichkeit: Dr. Bernhard Rochell, einer der Verhandlungsführer der Bundesärztekammer (BÄK) für die GOÄ-Reform und AAD-Gastreferent beim Berufspolitischen Symposium, warnte vor zu hohen Erwartung an die neue Gebührenordnung und warb für eine kompromissbereite, realpolitische Einstellung. Von Ulrike Lüdtke.

Idiopathische epiretinale Gliose

Postoperative morphologische Veränderungen zur Verlaufsbeurteilung
Die idiopathische epiretinale Gliose (IEG) zählt zu den häufigeren Krankheitsbildern, die zu einer Beeinträchtigung der zentralen Sehschärfe im höheren Lebensalter führen. Ursache der Sehverschlechterung und Metamorphopsien sind Faltenbildungen und Verdickungen der Netzhaut durch Ausbildung von Membranen zwischen Membrana limitans interna und hinterer Glasköpergrenzschicht. Die Indikation zur Pars-plana-Vitrektomie mit Membrane Peeling wird abhängig vom Ausprägungsgrad der Symptomatik getroffen, wobei der postoperative Zugewinn an Sehschärfe individuell sehr unterschiedlich ist. In der Augenklinik Berlin-Marzahn wurden anhand eines standardisierten Makulabogens postoperativ sowohl morphologische Kriterien als auch das Vorhandensein von persistierenden störenden Metamorphopsien untersucht. Christos Chamalis, Dr. Andreas Foerster und Priv.-Doz. Dr. Christopher Wirbelauer, MBA, (Berlin) fassen ihre Untersuchungsergebnisse zusammen.

Brille und Geld

Serie zur Sammlung Roth
Abbildungen von Augen oder Brillen finden sich auch auf Geldscheinen und Münzen. Selten aber ist es, dass eine Sehhilfe nur allein, also ohne das dazugehörige Gesicht oder den Kopf gezeigt wird. Das bekannteste Beispiel dafür ist der schwedische Brillenpfennig oder der Braunschweiger Brillentaler aus dem Jahr 1586. Auf beiden Münzen findet sich nur eine Nietbrille ohne den Benutzer. Sonst gehört nämlich die Brille immer zum Markenzeichen eines markanten Zeitgenossen, dessen mit der Sehhilfe gestylter Kopf auf einem Geldschein oder einer Münze bestenfalls seine Intelligenz vortäuschen, nicht aber seine Fehlsichtigkeit unterstreichen soll. Dass sich aber einmal gleich zwei Sehhilfen, eine mit und eine ohne den dazugehörigen Kopf, auf einem Geldschein finden, ist eine absolute Rarität.

30. DGII-Kongress tagte in Mannheim

„Perfektes Sehen durch Laser und Linse“
Unter dem Leitthema „Perfektes Sehen durch Laser und Linse“ tagte vom 11. bis 13. Februar der 30. Kongress der Deutschsprachigen Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation, Interventionelle und Refraktive Chirurgie (DGII). Tagungspräsident Prof. Michael C. Knorz hatte zur Jubiläumstagung in den Mannheimer Rosengarten eingeladen, der mit seinen modern renovierten Räumlichkeiten und zentraler Lage direkt am ikonischen Wasserturm einen angemessenen und schönen Rahmen bot. Die Schwerpunkte der Tagung lagen unter anderem im Bereich der intrastromalen Hornhautchirurgie (SMILE), der Laser-Linsenchirurgie (Femto-Katarakt-OP) sowie neuartiger Intraokularlinsen für die Presbyopiekorrektur. Weitere Fragestellungen galten der kornealen Presbyopiekorrektur, den verschiedenen Hornhaut-Inlays, aktuellen Verfahren zur minimal-invasiven Glaukomchirurgie sowie retinologischen Themen, die ausführlich und auch kontrovers diskutiert wurden. Bert Constantin Giers (Heidelberg) fasst die Inhalte der diesjährigen DGII-Tagung zusammen.

Einfluss von PLUNC auf Tränenfilm

Neues Surfactant-Protein am Auge nachgewiesen
Mit Hilfe umfassender molekularbiologischer und immunhistologischer Methoden konnte kürzlich das multifunktionale Surfactant-Protein PLUNC (palate lung nasal epithelial clone) auch am Auge nachgewiesen werden. Aufgrund seiner bereits bekannten Eigenschaften wird angenommen, dass es eine bedeutende Rolle bei der Regulation des Tränenfilms und damit beim Trockenen Auge spielen könnte. Henrik Schröder und Dr. rer. nat. Martin Schicht (Erlangen) erörtern die Bedeutung von PLUNC auf das okuläre System beim Trockenen Auge.

Sklerallinsenversorgung bei schwerem Trockenem Auge

In der Behandlung von Trockenen Augen kommen in therapierefraktären Fällen auch spezielle therapeutische Verfahren wie autologe Serumaugentropfen und Sklerallinsen zum Einsatz. Bei der Sklerallinse handelt es sich um eine formstabile, besonders große Kontaktlinse, die aufgrund ihrer Größe und einer hohen Scheiteltiefe die Kornea überbrückt, wodurch es zu einer Auflage auf der Sklera kommt. Der zwischen der Sklerallinse und Hornhaut bestehende Abstand wird mit Flüssigkeit gefüllt (meist NaCl). Laura Sauerbier und Priv.-Doz. Dr. Philipp Steven (Köln) erörtern unterschiedliche Aspekte, die es bei der Anpassung von Sklerallinsen als Therapieoption bei einem schweren Trockenen Auge wie bei okulärer GvHD oder Sjögren-Syndrom zu beachten gilt.

Ethanolabrasio des Hornhautepithels bei rezidivierender Erosio corneae

Bei der rezidivierenden Erosio, einer schmerzhaften Erkrankung der Hornhautoberfläche, kommt es zu einem rezidivierenden Aufbrechen des Hornhautepithels. Neben der konservativen Therapie mit der Gabe von Tränenersatzmitteln hat sich die phototherapeutische Keratektomie (PTK) mit dem Excimerlaser als Standardbehandlung bewährt. Die Ethanolabrasio findet bei der LASEK Anwendung, kann aber auch bei der rezidivierenden Erosio corneae eingesetzt werden. An der Augenklinik Berlin-Marzahn wurde eine retrospektive, klinische Untersuchung durchgeführt, um zu überprüfen, ob die Ethanolabrasio eine Therapiealternative zur PTK mit dem Excimerlaser ist. Nhu Oanh Huynh, Dr. Sabine Schmidt und Priv.-Doz. Dr. Christopher Wirbelauer (Berlin) stellen die Ergebnisse vor.

Praktische Tränenfilmdiagnostik

MMP-9 und Osmolarität im Vergleich zu klassischen Tests
Für die Diagnostik des Trockenen Auges gibt es neben den klassischen Testverfahren mittlerweile neue Untersuchungsoptionen, die den Weg vom Labor in den klinischen Alltag gefunden haben. Hierzu zählt die Bestimmung der Tränenfilmosmolaritat (TFO) wie auch der Matrix-Metalloproteasen (MMP-9) in der Tränenflüssigkeit. In einem Forschungsprojekt sollte überprüft werden, wie sich die beiden neuen Untersuchungsmethoden im Vergleich zu den klassischen Untersuchungsparametern bei älteren Patienten verhalten, die potentiell ein mildes bis mittelgradiges Trockenes Auge aufweisen könnten, aber nicht an einer fortgeschrittenen Form des Trockenen Auges leiden. Dr. Marc Schargus, MHBA, erörtert Verfahren und Ergebnisse.

Kochsalzaufnahme und mögliche Implikationen für die AMD-Pathogenese

In einer Untersuchung an der Universitäts-Augenklinik Leipzig wurde getestet, ob eine hohe Kochsalzkonzentration auch direkte Wirkungen auf das retinale Pigmentepithel (RPE) besitzt und zur Entwicklung einer feuchten AMD beitragen könnte. Die Ergebnisse zeigten, dass eine Kochsalzgabe genauso stark wie eine Hypoxie die Expression von VEGF stimulierte. Dr. Margrit Hollborn, Prof. Peter Wiedemann, Prof. Leon Kohen und Prof. Andreas Bringmann (Leipzig) stellen ihre Untersuchung zur Kochsalzaufnahme sowie die möglichen Implikationen für eine Pathogenese der AMD dar.