Aus der aktuellen Ausgabe

Komplexe Augenmuskelchirurgie

Die Augenmuskelchirurgie hat in den letzten Jahren einige innovative Entwicklungen erfahren, dabei standen vor allem komplexe Situationen im Fokus. Priv.-Doz. Dr. Veit Sturm, Priv.-Doz. Dr. Christina Gerth-Kahlert und Prof. Hermann Dieter Schworm stellen exemplarisch Augenmuskelchirurgie der Eso(hypo)tropie bei hoher Myopie, Augenmuskeloperationen bei Nystagmus und das Vorgehen bei Revisionseingriffen dar.

Fallbericht: Sarkoidose als PION

Arteriitische Erkrankungen des Sehnervenkopfes können sich als anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION) und posteriore ischämische Optikusneuropathie (PION) präsentieren. Die arteriitische AION lässt sich nach Erhebung von Visus und Gesichtsfeld relativ leicht diagnostizieren, die arteriitische PION ist schwieriger zu definieren, da der charakteristische Aspekt der Sehnervenkopfschwellung fehlt. Dr. Thomas M. Dette, Dr. Mau-Thek Eddy, Dr. Detlef Rose und Prof. Ina Kötter (Hamburg) berichten über den Fall einer 79-jährigen Patientin, bei der sich eine Sarkoidose lediglich am N. opticus als PION mit charakteristischen Gesichtsfeldausfällen zeigte.

Der Augenarzt in den Medien

Serie zur Sammlung Roth
Der Arzt genießt in der Öffentlichkeit hohes Ansehen, seinem Beruf zollt man besonderen Respekt – das belegen die Darstellungen in den Medien: Berühmte Mediziner finden dort ihr Curriculum, die Regenbogen-presse übernimmt unkritisch ihr Privatleben. Ärzte wie Albert Schweitzer werden zum Symbol der Menschlichkeit, Herzchirurgen wachen über Leben und Tod. In der Schwarzwaldklinik brilliert der Chefarzt mit fachlicher Sympathie und menschlicher Schwäche. So galt schon immer das öffentliche Interesse dem Arzt und dabei ganz besonders dem Augenarzt. Allein er operiert mit geschickter Hand den grauen Star, er ist der Einzige, der einen Blinden heilen kann.

MIOL-Implantation nach dem „Düsseldorfer Schema“

Individualisierte Patientenversorgung für Brillenunabhängigkeit
Multifokallinsen bieten die Möglichkeit, nach einer Implantation Brillenunabhängigkeit zu erzielen, weisen aber zugleich häufig unerwünschte Nebeneffekte wie störende Lichtphänomene und eingeschränktes Kontrastsehen auf. Eine Alternative bietet das Konzept des Überblendvisus nach dem Düsseldorfer Schema, der ähnliche Vorteile bei weniger Halo und Glare verspricht. Bisher wurde der Überblendbereich mit einheitlichen Sehbereichen von 0,0 und –1,5 dpt und durch Einsatz eines Lasers erreicht. Dr. Detlev R. H. Breyer (Düsseldorf) erläutert den Überblendvisus nach einer von ihm entwickelten Methode: Bei presbyopen Patienten werden segmentale Multifokallinsen beziehungsweise Mehrstärkenlinsen, die scharfes Sehen in unterschiedlichen Distanzen ermöglichen, nach diesem Prinzip und unter Berücksichtigung der individuellen Sehanforderungen der Patienten miteinander kombiniert.

Interdisziplinäre Tagung zu Erblindung und Blindheit

Zu einer von der Dr. Gabriele Lederle-Stiftung geförderten Tagung mit dem Thema „Geschichte, Gegenwart und Zukunft von blinden und erblindeten Menschen aus interdisziplinärer Perspektive“ hatten Prof. Alexa Klettner, Universitäts-Augenklinik Kiel, und Prof. Gabriele Lingelbach, Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität Kiel, gemeinsam eingeladen. So kamen vom 17. bis 19. März dieses Jahres Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis in der Universitätsstadt an der Förde zusammen, um das Thema Blindheit nicht nur aus der Sicht der Medizin und der Naturwissenschaften, sondern auch unter Aspekten der Geschichts-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften im gemeinschaftlichen Dialog zu behandeln. Von Dr. Udo Hennighausen (Hamburg).

Fallbericht: Low-Grade-Endophthalmitis

Die Low-Grade-Endophthalmitis tritt zwischen zwei Wochen und zwei Jahren nach einem intraokularen Eingriff auf. Sie hat einen subakuten Verlauf und kann häufig als autoimmune Uveitis missdiagnostiziert werden, was die richtige Diagnosestellung verzögert. Dr. Sofia Fili, Simeon Hayvazov, Kalliopi Kontopoulou und Prof. Markus Kohlhaas (Dortmund) stellen den Fall einer 89-jährigen Patientin vor, die sich mit seit drei Wochen schleichendem Visusabfall und milden Schmerzen am rechten Auge in der Ambulanz vorstellte.

Das Auge auf der Grußpostkarte

Serie zur Sammlung Roth
Das Geheimnis des Sehens hat die Menschen schon immer fasziniert. Als Sehorgan ist das Auge aber nicht nur aktiv, sondern es hat, passiv gesehen, auch eine Ausstrahlung, die auf den Betrachter einwirkt und ihn anspricht. Bereits in den Felszeichnungen der Jungsteinsteinzeit gibt es dafür Beweise. Nur fällt dabei auf, dass sich Augenabbildungen von Tieren schon in den frühen Höhlenmalereien finden, während der Kopf, das Gesicht und das Auge des Menschen erst dann in diesen Bildern auftaucht, als bereits die ersten Zahlen- und Schriftzeichen entstanden waren. Die Forscher rätseln über die Gründe. Der Blick aber auf das Gesicht vermittelt dem Betrachter die Stimmung. Zorn, Freude, Ärger oder Glück spiegeln sich im Auge und in der Mundpartie als Zentrum der Mimik. Künstler verwenden daher das Auge ganz bewusst in ihren Bildern als Stimmungsmacher.

29. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgen (DOC)

Versorgung, Vergütung und Kooperationen
Unter dem Motto „Welcome back“ tagte der 29. Internationale Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgen (DOC) vom 9. bis 11. Juni in diesem Jahr wieder in Nürnberg. Neben dem gewohnt umfassenden wissenschaftlichen Programm standen diesmal aus aktuellem Anlass auch einige berufspolitische Themen zur Diskussion: Zum einen sorgte das jüngst vom Bundestag verabschiedete „Gesetz zur Bekämpfung der Bestechung und Bestechlichkeit im Gesundheitswesen“ für ein überfülltes Symposium und viele offene Fragen, zum anderen interessierten angesichts der geplanten neuen Gebührenordnung Aspekte der Honorierung sowie die Frage, wie ambulantes Operieren konkurrenzfähig gemacht werden kann. Von Katica Djakovic.

Anästhesie bei ambulanten Kataraktoperationen

Die Entscheidung bei einer ambulanten Kataraktoperation für die individuelle Verfahrenswahl, Sedierung oder Allgemeinanästhesie, ist patientenseitig unter anderem abhängig von Alter, ASA-Status und Compliance. Der zu erwartende ophthalmochirurgische Schwierigkeitsgrad des Eingriffs und die Versiertheit des Operateurs sind weitere maßgebliche Entscheidungskriterien. Dr. Roberto Castello (Anästhesie-Netz Deutschland, Berlin) erläutert die Notwendigkeit einer individuellen, anästhesiologischen Behandlung, insbesondere bei älteren Patienten mit kardial relevanter Komorbidität.

Rotierte und dezentrierte trifokale torische IOL bei zu großem Kapselsack

Die zentrierte und rotationsstabile Fixation multifokaler torischer Intraokularlinsen (IOL) im Kapselsack ist entscheidend für ein optimales postoperatives Ergebnis. Dabei kommt dem Zusammenspiel aus IOL-Gesamtdurchmesser und Kapselsackgröße eine herausragende Bedeutung zu. Die Größe des Kapselsacks ist präoperativ schwierig abzuschätzen, sie korreliert aber mit der Achsenlänge. Hochmyope Augen mit großer Achsenlänge haben aufgrund der größeren okulären Dimensionen ein erhöhtes Risiko für postoperative IOL-Dezentrierung und -Rotation. 
Dr. Bert C. Giers (Heidelberg) erörtert anhand eines Fallbeispiels, dass auch in Augen mit nur moderater Myopie mit vergrößerten Kapselsäcken zu rechnen ist und dass der Auswahl der zu implantierenden IOL bei diesem Patientengut eine besondere Bedeutung zukommt.