Aus der aktuellen Ausgabe

71. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte

Zu ihrer 71. Tagung hatte die Vereinigung Norddeutscher Augenärzte (VNDA) am 10. und 11. Juni nach Bremen eingeladen. Ein Programmhighlight der Hybridveranstaltung war der Gastvortrag von Prof. Günter K. Krieglstein zum Thema „Quo vadis medicina?“. In weiteren Beiträgen wurden sowohl aktuelle Entwicklungen in der Augenheilkunde berücksichtigt als auch Kontroversen aufgegriffen und debattiert. Dr. Udo Hennighausen (Hamburg) fasst die Tagungsinhalte zusammen.

Distaler Abflusswiderstand als neuer Faktor beim Glaukom

Ansätze zum prä- und postoperativen Management
Kanalbasierte Glaukomchirurgie führt nicht immer zum vom MIGS-Chirurgen gewünschten Erfolg. Neue Ergebnisse weisen auf einen distalen Abflusswiderstand bei einigen Patienten hin, der ein bis vor kurzem unbekannter Faktor bei der Pathogenese des Glaukoms zu sein scheint. Translationale Forschung zeigt, dass dieser Abflusswiderstand präoperativ identifiziert und auch postoperativ modifiziert werden kann. Lukas Schulze Mönking und Prof. Nils A. Loewen (Frankfurt) erörtern die Studienerkenntnisse.

Mögliche Pathomechanismen beim Normaldruckglaukom

Die Pathophysiologie des Normaldruckglaukoms ist nach wie vor nicht geklärt. Als Ursache für den Papillenschaden werden verschiedene Mechanismen diskutiert: eine erhöhte Druckempfindlichkeit der Ganglienzellen und der rationalen Axone, vaskuläre Dysregulation, Einflüsse der Lamina cribrosa, der translaminäre Druckgradient oder ein neurodegenerativer Prozess im Rahmen einer Liquorzirkulationsstörung im Subarachnoidalraum des Sehnervs. Prof. Hanspeter E. Killer (Departement Biomedizin, Universität Basel, und Aargauisches Augenärztezentrum, Schweiz) diskutiert die Annahmen und Fragestellungen zu den möglichen pathophysiologischen Mechanismen.

Behandlungstrategien des Glaukoms im Westen Tansanias

Einsatz der transskleralen Zyklophotokoagulation in Mikropulstechnik (CPC-M)
Die Therapie von Glaukomerkrankungen in West-Tansania ist von vielfältigen Problemen beeinträchtigt: aufgrund eines eingeschränkten Zugangs, fehlender Expertise und auch mangelnder finanzieller Möglichkeiten ist eine konservative, dauerhafte Glaukomtherapie mit Augentropfen oder eine chirurgische Therapie oft nicht ausreichend gewährleistet. Häufig mündet die Erkrankung in einem fortgeschrittenen Glaukom oder vermeidbarer Erblindung. In einem Projekt wurde die Effektivität der transskleralen Zyklophotokoagulation in Mikropulstechnik (CPC-M), einer kostengünstigen und leicht zugänglichen Behandlungsmöglichkeit bei fortgeschrittenen Glaukomen untersucht. Dr. Martin Andreas Kotula, Dr. Karsten Paust, Dr. Arno Wirdemann, Sarah Berta Schmidt, Dr. Erick Msigomba und Dr. Liberator Burusu berichten über die Ergebnisse der Anwendungsbeobachtung.

Ophthalmologische Befunde bei Mukopolysaccharidosen

Okuläre Manifestationen treten bei Mukopolysaccharidosen (MPS), die zu den autosomal-rezessiv vererbten, lysosomalen Speichererkrankungen gehören, häufig auf, sind komplex und variabel und können zu einer hochgradigen Sehbehinderung bis Blindheit führen. Zu den typischen okulären Veränderungen gehören stromale Hornhauttrübungen unterschiedlichen Schweregrades (vorwiegend bei MPS I, IVA und VI), aber auch die degenerative Pigment-retinopathie, Optikusatrophie, okuläre Hypertension oder Glaukom. Priv.-Doz. Dr. Juliane Matlach (Mainz) gibt einen Überblick über die systemischen und vor allem okulären Manifestationen der verschiedenen MPS-Formen.

Projektinititative: Aufbau einer ­Hornhautbank in Kenia

Aus einer privaten Initiative entstand die Idee zum Aufbau eines nachhaltigen Programmes zur Hornhautspende in Kenia. In dem gemeinsamen Projekt unter Beteiligung des in Neu-Ulm und Nairobi tätigen Augenchirurgen ­­Dr. Harald Gäckle sowie der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) ist auch die Konzeptionierung einer Hornhautbank denkbar, die an die Universitäts-Augenklinik in Nairobi angebunden werden soll. RA Michael Zach (Mönchengladbach), Mit­initiator des Projektes, berichtet über die bereits erfolgten Aktivitäten.

Interview mit DOG-Präsident Prof. Gerd Geerling anlässlich der DOG 2022

„Eine Investition in unseren Nachwuchs“
Zu ihrer 120. Jahrestagung lädt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) vom 29. September bis 2. Oktober als Präsenzveranstaltung nach Berlin ein. In diesem Jahr gilt das Leitthema den Zukunftsaufgaben in Medizin und Gesellschaft und wird konkrete Aspekte der Themenfelder „Regenerative Medizin“ und „Ökologische Nachhaltigkeit“ in der Augenheilkunde wissenschaftlich beleuchten. DER AUGENSPIEGEL sprach mit DOG-Präsident Prof. Gerd Geerling (Düsseldorf) über den Kongress und die globalen Klimaherausforderungen, die auch für die Ophthalmologie diskutiert werden müssen.

Berliner Immunologie-Seminar als Hybrid-Veranstaltung

Akute Entzündungen des Auges: Notfall-„Management“
Seit rund zweieinhalb Jahren ist die Planung von augenärztlichen Veranstaltungen durch das Coronavirus Sars-CoV-2 deutlich erschwert und oftmals bis zum letzten Tag der exakte Ablauf nicht sicher vorauszusagen. Umso erfreulicher war es, dass am 11. Juni das Berliner Immunologie-Seminar wieder (unter den entsprechenden Hygiene­maßnahmen) in bewährter Weise im Kaiserin-Friedrich-Haus (Berlin) in Präsenz und parallel als Onlineveranstaltung stattfinden konnte. Prof. Uwe Pleyer, Augenklinik der Charité Berlin, eröffnete die Hybridveranstaltung zum Thema „Akute Entzündungen des Auges: Notfall-„Management“. Ein Bericht von Dr. Simon Held (Ulm).

Recycling von Medizinprodukten – warum es sich noch mehr lohnt

Für alle Bereiche der Gesundheitswirtschaft praxistaugliche Lösungen für mehr Nachhaltigkeit zu entwickeln, ist Ziel einer inzwischen mehrjährigen Kooperation der Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie (IWKS) und des Instituts für Recycling, Ökologie, Design (IRED). Inwieweit Produkthersteller als auch medizinische Einrichtungen und deren Versorgungsbetriebe durch eine Reduktion der entstehenden Abfälle zu mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen beitragen können, diskutieren Dr.-Ing. Sven Grieger (IWKS) und Prof. Dipl.Phys. Werner Lorke (IRED) und beschreiben ein Pilotprojekt als Best-Practice-Beispiel für künftige Recyclinglösungen.

Neue Entwicklungen in der lamellären Hornhauttransplantation

Einsatz fertig vorpräparierter Precut-Lamellen aus spezialisierten Gewebebanken
Zunehmend präparieren Transplantationszentren nicht mehr selbst im OP, sondern beziehen fertig vorpräparierte Lamellen (LaMEK) aus spezialisierten Gewebebanken, um die Qualität und Sicherheit für Ihre Patienten zu erhöhen. Mit der europaweiten Zulassung der Sulzbacher Entwicklung „DMEK RAPID“ (Handelsname) erhalten externe Operateure erstmals im Reinraum hergestellte, bereits vorpräparierte und gebrauchsfertig in einem Injektor vorgeladene DMEK-Lamellen zur direkten Implantation – ähnlich einem vorgeladenen IOL-Shooter. Die DMEK-Transplantate können ohne weitere Manipulation implantiert werden. Die Knappschafts-Gewebebank Sulzbach ist derzeit die einzige Hornhautbank, die diese qualitätsgesicherten Lamellen mit Genehmigung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) herstellt und deutschlandweit versendet. Prof. Peter Szurman, Dr. rer. nat. Silke Wahl und Dr. Annekatrin Rickmann, FEBO stellen die neuen Entwicklungen dar.