Aus der aktuellen Ausgabe

27. Jahreskongress der DOC in Nürnberg

Besucherrekord, Ehrungen und Diskussionen
Mit rund 5.500 Teilnehmern konnte der 27. Internationale Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgen (DOC), der vom 15. bis 17. Mai in Nürnberg tagte, einen Besucherrekord verzeichnen. Schwerpunkt des wissenschaftlichen Programms waren die Hauptvorträge, in denen der derzeitige Kenntnisstand in den verschiedenen Fachbereichen vorgestellt wurde, sowie die gemeinsame Sitzung mit der International Society of Refractive Surgery (ISRS) of the American Academy of Ophthalmology (AAO). Neu ins Leben gerufen wurde auf der diesjährigen Jahrestagung die „Hall of Fame Ophthalmologie“, eine besondere Ehrung für herausragende Persönlichkeiten, die sich um die Augenheilkunde verdient gemacht haben. Von Katica Djakovic.

Besonderheiten asphärischer Kunstlinsen

Zahlreiche Studien zeigen, dass sich die laterale Positionierung oder Verkippung insbesondere aberrationskorrigierender asphärischer Optiken auf die erreichbare Abbildungsqualität beziehungsweise Sehleistung auswirkt. Dieser Effekt wird umso deutlicher, je stärker das Linsendesign die Aberrationen der Hornhaut zu korrigieren versucht, wohingegen die Abbildungsqualität mit sphärischen Linsen nahezu unempfindlich ist gegenüber Dezentrierung oder Verkippung der Intraokularlinse. Dr. Timo Eppig und Prof. Dr. Achim Langenbucher (Homburg/Saar) erläutern Besonderheiten asphärischer Kunstlinsen.

Intraoperative wellenfrontaberrometriebasierte Biometrie

Die intraoperative Wellenfrontaberrometrie könnte ein unverzichtbares Hilfsmittel künftiger Kataraktchirurgie werden. Im Rahmen einer Studie sollten stichhaltige Daten zur Verlässlichkeit dieser intraoperativen Messungen und ihrer Qualität gewonnen werden. Dr. Jan Hülle, Vasyl Druchkiv, Prof. Dr. Gisbert Richard, Dr. Toam Katz und Priv.-Doz. Dr. Stephan Linke (Hamburg) erörtern die Ergebnisse.

IOL mit lichtadaptierter Transmission

Neues Konzept für potentiellen Netzhautschutz
Einen neuartigen Ansatz, mit dem die potentiellen Nebenwirkungen der bisher verfügbaren so genannten gelben Intraokularlinsen auf ein Minimum reduziert werden können, stellt das Konzept einer IOL dar, die ihre Transmission den Lichtbedingungen anpasst, ohne gleichzeitig die Schutzwirkung eines Blaulichtfilters unter starker Lichteinwirkung zu verlieren. Das Konzept der transmissionsadaptiven IOL (TA-IOL) wurde in einer engen Kooperation zwischen den Erfindern, der Augenklinik der LMU in München und Partnern aus der Industrie entwickelt, sodass nun ein erster Prototyp dieser neuartigen IOL zur Verfügung steht. Priv.-Doz. Dr. Marcus Kernt (München) erläutert den IOL-Typ und stellt erste experimentelle Untersuchungsergebnisse vor, die den potentiellen Netzhautschutz belegen.

Antiproliferative Effekte von Temsirolimus auf retinale Zellen

In der Onkologie hat Temsirolimus seine grundsätzliche Eignung als antiproliferativer beziehungsweise antiangiogenetischer Wirkstoff mit geringen Nebenwirkungen bereits unter Beweis gestellt. An der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München wurden Untersuchungen durchgeführt, die einen möglichen inhibitorischen Effekt auf Proliferation, Migration und Angiogenese retinaler Zellen überprüfen sollten und seine Eignung als additiven Wirkstoff zu einer intravitrealen Anti-VEGF-Therapie, insbesondere bei nicht ausreichendem Erfolg einer Anti-VEGF-Therapie, untersuchten. Raffael Liegl und Priv.-Doz. Dr. Marcus Kernt (München) stellen im Folgenden ihre Erkenntnisse vor, die erste Hinweise darauf geben, dass Temsirolimus in der Lage ist, typische zelluläre Eigenschaften, die mit verstärkter Vaskularisierung assoziiert sind, zu hemmen.

Bundesverdienstkreuz für blinde Ärztin aus Marburg

Cordula Freifrau von Brandis-Stiehl erblindete innerhalb weniger Tage während ihres Medizinstudiums, das sie dennoch erfolgreich beendete. Sie absolvierte zusätzlich noch eine Ausbildung zur Psychotherapeutin, um sich 1991 mit eigener Praxis niederzulassen. Die ärztliche Psychotherapeutin, die seit 20 Jahren in der Patientenselbsthilfegruppe Pro Retina Deutschland aktiv ist, hat eine Vielzahl von Arbeitskreisen initiiert, die sie neben einer Regionalgruppe von Pro Retina auch leitet. Zudem baute sie ein Netzwerk für die Aus- und Fortbildung blinder Menschen auf. Für ihr außerordentliches ehrenamtliches Engagement wurde sie in Berlin vom Bundespräsidenten Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Dr. Hannsjürgen Trojan (Marburg) besuchte Frau von Brandis-Stiehl.

Serie Auge und Sehen: Das Auge in alten Schriften

Serie zur Sammlung Roth
In vergangenen Zeiten betrachtete man das Auge als ein geheimnisvolles Organ, seine Funktion erschien rätselhaft. Das Auge war für die alten Griechen Sitz der Seele, in der christlichen Religion galt es als Auge Gottes, als Kontrollorgan, es war gütig, wachsam und mahnend zugleich. Blindheit war Schicksal oder Strafe. Im Frieden verhieß gutes Sehen Lebensqualität, bei kriegerischen Auseinandersetzungen erhöhte es die Überlebenschancen. Als magisches Symbol findet sich das Motiv „Auge“ in allen Bereichen der darstellenden Kunst, es wurde zum immer wiederkehrenden Objekt in der Plastik oder Malerei. Interessanterweise aber gibt es nahezu keine Abbildungen des Auges in alten Handschriften, selbst im frühen Buchdruck fehlen diese.

NDG und HDG: Funktionelle und morphologische Unterschiede

Vergleichende Studie bei visuell gleicher glaukomatöser Papillenschädigung
Trotz mittlerweile modernster dreidimensionaler Untersuchungsmethoden des Sehnerven und der komplexen computergesteuerten Gesichtsfelduntersuchung ergeben sich im Vergleich der strukturellen und funktionellen Veränderungen zwischen dem Glaukom mit normalem (Normaldruckglaukom, NDG) und mit erhöhtem Augendruck (Hochdruckglaukom, HDG) noch kontroverse Ergebnisse. Zwei vergleichende Studien untersuchten die Unterschiede zwischen Normal- und Hochdruckglaukom bei visuell gleicher glaukomatöser Papillenschädigung. Dr. Janek Häntzschel (Pirna) stellt die Ergebnisse vor.

Drucksenkende Kataraktoperation – Fakt oder Mythos?

Die antiglaukomatöse Kataraktoperation bei Winkelblock bleibt neben der Irido-/Iridektomie eine therapeutische Option. Bei offenem Kammerwinkel hingegen kann der drucksenkende Effekt der Kataraktoperation überschätzt werden. Priv.-Doz. Dr. Arne Viestenz, Dr. Loay Daas, Dr. Anja Viestenz, Prof. Dr. Berthold Seitz (Homburg/Saar) und em. Prof. Dr. Wolfgang Behrens-Baumann (Magdeburg) erörtern anhand von Untersuchungsergebnissen die drucksenkende Phakoemulsifikation im Langzeitverlauf.

Neue Möglichkeiten der Astigmatismuskorrektur mit torischen IOL

In bisher nicht gekannter Vielfalt ist es heute möglich, intraokuläre Implantate zur Korrektur torischer regulärer Refraktionsfehler einzusetzen. Gerade bei der chirurgischen Korrektur höherer Zylinder kommt der Präzision der Chirurgie ein besonderer Stellenwert zu. Ein Wiederauftreten des Astigmatismus kann auf einer Nachrotation des Implantates beruhen, die chirurgisch korrigiert werden sollte. Die Bestimmung der Implantat-Achse kann an der Spaltlampe erfolgen und sollte bei der Nachbetreuung torisch korrigierter Patienten beachtet werden. Hornhauttopographische Aufnahmen helfen, die Indikation für torische Implantate korrekt zu stellen. Prof. Dr. Gernot I. W. Duncker (Halle/Saale) erläutert die neuen Möglichkeiten der Astigmatismuskorrektur mit unterschiedlichen torischen IOL.