Aus der aktuellen Ausgabe

XXVIII. Zusammenkunft der Julius-Hirschberg-Gesellschaft in Bonn (Teil 1)

Ophthalmogeschichte(n) in der ehemaligen Hauptstadt
Im Oktober tagte zum 28. Mal die ophthalmohistorische Julius-Hirschberg-Gesellschaft (JHG) und bot mit 26 angemeldeten Vorträgen und Postern im traditionsreichen Bonner Hotel Dreesen ein höchst vielseitiges und interessantes wissenschaftliches Programm. Besondere Höhepunkte waren die neu eingeführte Julius-Hirschberg-Vorlesung sowie der erstmalig verliehene JHG-Promotionspreis. Dr. Sibylle Scholtz (Ettlingen) fasst die Inhalte zusammen.

Kontaktlinsen in der Forensik

Kriminaltechnische Spurensuche im Rahmen der Obduktion
Die Frage, ob eine Kontaktlinse relevante Daten über einen ungeklärten Todesfall liefern könnte, galt lange als strittig. Doch inzwischen hat sie einen besonderen Stellenwert in der Forensik erhalten: Auch Ermittlungsbehörden haben mittlerweile erkannt, dass eine Untersuchung der Kontaktlinsen bei rechtsmedizinischen Fragestellungen weiterhelfen kann. Dabei erfordert die Beurteilung von Ablagerungen oder Defekten, vor allem bei Gewalttaten oder ungeklärten Todesfällen, den erfahrenen Kontaktologen. Dr. Hans-Walter Roth (Ulm) zeigt einige Fälle aus dem forensischen Erfahrungsgut des Instituts für wissenschaftliche Kontaktoptik in Ulm auf.

Gemeinsames Symposium von DGG und DOG in Halle und Leipzig

„Geriatrie in der Ophthalmologie“
Erstmalig widmete sich im Rahmen der DOG ein geriatrisches Symposium den Herausforderungen und Aufgaben der Augenheilkunde in einer älter werdenden Gesellschaft. Auf der DOG-Mitgliederversammlung 2013 angeregt, war es zu einer Kontaktaufnahme von Prof. Johann Roider (Kiel) mit dem Kongresspräsidenten der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) Priv.-Doz. Dr. Werner Hofmann (Neumünster/Bad Bramstedt) gekommen. Da der gemeinsame Jahreskongress der Fachgesellschaften für Geriatrie und Gerontologie vom 24. bis 27. September zeitgleich mit der DOG im nahen Halle stattfand, wurde die Chance für ein gemeinsames Symposium ergriffen. So konnten die Vorträge zu dem Thema „Geriatrie in der Ophthalmologie – Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft“ an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zunächst in Halle, dann in Leipzig, jeweils unter dem Vorsitz von Hofmann und Roider, präsentiert und diskutiert werden. Dr. Udo Hennighausen (Heide) stellt die Themenaspekte dar.

BVA-Delegiertenversammlung 2014 in Berlin

„Schulterschluss suchen“
Die vorherrschende berufspolitische Diskussion der BVA-Delegierten galt in diesem Jahr der kürzlich erfolgten Einführung der IVOM-Ziffer in den EBM und den damit verbundenen Aspekten wie beispielsweise der Frage nach der zukünftigen Rolle der Kliniken in der augenheilkundlichen Versorgung. Auch die geplante Einführung von Terminservicestellen zur Verkürzung von Wartezeiten sorgte für regen Meinungsaustausch auf der Delegiertenversammlung des Berufsverbandes Anfang November in Berlin. Von Katica Djakovic.

Nanolaser in der Kataraktchirurgie

Erfahrungen mit der Laser-Photofragmentation
Das Nanolasersystem ermöglicht erstmals die Durchführung der Kataraktoperation ohne den Einsatz von Ultraschall. Im Vergleich zur bisherigen Technik der Phakoemulsifikation wird nur ein Bruchteil der Energie in das Auge abgegeben, eine direkte Emission von Laserlicht im Auge findet nicht statt, thermische Schäden treten nicht mehr auf. Allerdings ist eine Anpassung des Operateurs an das Laserverfahren erforderlich und harte Kerne bedürfen weiterhin eher des Einsatzes eines Ultraschallsystems. Priv.-Doz. Dr. Bernd Kamppeter (Bayreuth) stellt die Technik des Nanolasersystems vor und vergleicht beide Systeme nach eigenen Anwendungserfahrungen. 

Femtosekundenlaserassistierte Eingriffe bei kindlicher Katarakt

Eine kongenitale Katarakt stellt stets eine Herausforderung für den Chirurgen dar, da die Elastizität des kindlichen Kapselsackes erheblich größer ist als beim Erwachsenen und damit die Schwierigkeit einer in Bezug auf Größe und Form präzisen Kapsulorhexis zunimmt. An der Universitäts-Augenklinik Bochum, an der bereits mehr als 3.200 erwachsene Kataraktpatienten mit dem Femtosekundenlaser operiert wurden, kam diese Technologie inzwischen auch bei 37 kindlichen Augen zum Einsatz. Prof. Dr. H. Burkhard Dick und Tim Schultz (Bochum) erörtern ihre Erfahrungen mit femtosekundenlaserassistierten Eingriffen bei kindlicher Katarakt und die daraus abgeleitete „Bochumer Korrekturformel“.

Photokoagulation – Eine überholte Therapie?

Die Therapieempfehlungen zur Photokoagulation der Retina leiten sich noch immer aus den ETDRS-Studien ab, werden jedoch in der klinischen Praxis weitgehend modifiziert, so dass aktuell in der klinischen Praxis kein einheitliches Behandlungsschema angewendet wird. Allerdings haben Studien mit modifizierten zentralen Laserbehandlungsprotokollen gezeigt, dass allein eine gute Standardisierung des Verfahrens und eine Anpassung des Protokolls beispielsweise durch erhöhte Dichte sanfterer Läsionen das klinische Outcome des Lasers deutlich optimieren kann. An der Universitäts-Augenklinik Kiel wurden Photokoagulationsläsionen sowohl im unterschwelligen als auch im üblichen therapeutischen Bereich hinsichtlich ihrer Schadensintensität untersucht. Dr. Stefan Koinzer, Carola Hesse, Dipl. Phys. Alexander Baade, Dr. rer. nat. Ralf Brinkmann und Prof. Dr. Johann Roider (Kiel) erläutern die Forschungsergebnisse

Hydrophobe Acryl- versus Silikon-IOL

Studie zum Materialeffekt auf die Nachstarbildung
In einer Studie an der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie in Wien wurde der Materialeffekt von hydrophobem Acryl beziehungsweise Silikon bei dreistückigen Kunstlinsen auf die Nachstarbildung verglichen. Dr. Sabine Schriefl, Prof. Dr. Christina Leydolt, Prof. Dr. Eva Stifter und Prof. Dr. Rupert Menapace (Wien) stellen die Zweijahresergebnisse vor.

Mobilitätsverbesserung mit einem Blindenführhund

Es besteht ein großer Bedarf an Hilfsmitteln, die eine geeignete Mobilitätsversorgung blinder Menschen gewährleisten. Zu den Hilfsmitteln im Sinne des Sozialgesetzbuches gehören auch Blindenführhunde. Die Entwicklung des Blindenführhundewesens bis hin zu Aspekten aktueller Verordnungsmöglichkeit wurde im Rahmen des DOG-Kongresses 2014 mit einem wissenschaftlichen Poster vorgestellt und diskutiert. Dr. Sibylle Scholtz (Heidelberg) und Andreas Schmelt (Hamburg) stellen die Arbeit vor.

Serie Auge und Sehen: Chinesische Brillendose

Serie zur Sammlung Roth
Brillen waren einst wertvoll. Nur wenige Fehl- oder Alterssichtige konnten sich diese teure Importware aus Murano leisten. Wo auch immer sie als Lesehilfe Verwendung fanden, es galt, sie mit Sorgfalt zu behandeln und aufzubewahren. Dazu gab es sicherlich schon Etuis, Behälter oder Dosen. Es fällt auf, dass in frühen Abbildungen von Brillen immer nur die Sehhilfe, nicht aber ihr Aufbewahrungsbehälter dargestellt wird. So bleibt es für den Historiker offen, wo und wie im ausgehenden Mittelalter das unersetzliche Stück sicher verwahrt wurde. Dass man die wertvollen Gläser durchaus zu schützen wusste, zeigt dieser fernöstliche Brillenbehälter aus Holz. Er stammt aus China und kann ins späte 17. Jahrhundert datiert werden.