Aus der aktuellen Ausgabe

Künstliche Hornhaut: Entwicklung alternativer Biomaterialien

Spenderhornhäute sind knapp, zudem ist die Gewinnung und Kultivierung von Spenderhornhäuten sehr aufwändig, sodass sie nur in Hornhautbanken vorrätig gehalten beziehungsweise von diesen kurz vor Transplantation bezogen werden können. Auch bergen sie das Risiko möglicher postoperativer immunologischer Transplantatreaktionen sowie einer eventuellen Krankheitsübertragung vom Spender auf den Empfänger. Seit langem gibt es Bestrebungen, alternative Biomaterialien zu entwickeln, die für den Einsatz in der Hornhaut geeignet sind. Prof. Dr. Björn Bachmann, FEBO, und Prof. Dr. Claus Cursiefen, FEBO, (Köln) zeigen aktuelle Ansätze und zukünftige Perspektiven als möglichen Ersatz für das Hornhautstroma auf.

Kokultur-Modell unter Integration von Epithel, Stroma und Endothel

Bedeutung der Zellinteraktion für die natürliche korneale Gewebshomöostase
Bislang werden meist Einzelzellkulturen, so genannte Monolayer des Hornhautepithels, verwendet, um Zelldifferenzierung, also Reifung, und Zellteilung, also Proliferation, zu untersuchen. Sollte es gelingen, die Kornea in vitro als gesamte Einheit zu reproduzieren, stellt dies möglicherweise auch eine zukünftige Alternative in der präklinischen Testung zu Tierversuchen dar. In einem Modell an der Universitäts-Augenklinik Freiburg wurden die Ausreifung und Schichtung des Epithels in der Kokultur mit anderen Hornhautzellen untersucht. Priv.-Doz. Dr. Philipp Eberwein (1), Prof. Dr. Pascal Tomakidi (2) und Prof. Dr. Thomas Reinhard (1) erläutern die Ergebnisse.

(1) Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Freiburg
(2) Abteilung für Orale Biotechnologie, Universitätsklinikum Freiburg

Akkommodierende Kontaktlinsen – Vision und Wirklichkeit

Aktuell gibt es verschiedene Ansätze für akkommodierende ophthalmische technische Systeme, die darauf abzielen, die nachlassende Akkommodationsfähigkeit im natürlichen Auge auszugleichen. In einer Kooperation entwickelt das Institut für Angewandte Informatik des Karlsruher Institutes für Technologie gemeinsam mit der Universitäts-Augenklinik Rostock neben einem künstlichen Akkommodationssystem, das als Implantat komplett wie eine Intraokularlinse in den Kapselsack implantiert wird (siehe DER AUGENSPIEGEL Ausgabe Mai), auch ein aktiv akkommodierendes System als integralen Bestandteil von Kontaktlinsen oder Brillen. Prof. Dr. Georg Bretthauer (1), Dr. Ulrich Gengenbach (1),  Dr. Jörg Nagel (1), Prof. Dr. Oliver Stachs (2) und Prof. Dr. Rudolf Guthoff (2) stellen das Konzept dar.

(1) Institut für Angewandte Informatik des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT)
(2) Universitäts-Augenklinik, Universitätsmedizin Rostock

Ergebnisse der Umfrage 2013 von BDOC, BVA, DGII und DOG

Aktuelle Trends in der ambulanten ­Intraokularchirurgie
Jedes Jahr werden von der DGII in Zusammenarbeit mit dem BVA und BDOC sowie der DOG Fragebögen zum Operationsverhalten an alle deutschsprachigen Ophthalmochirurgen versandt. Ausgewertet wurde der Rücklauf in diesem Jahr von Prof. Dr. Martin Wenzel (Trier), Prof. Dr. Gerd Auffarth (Heidelberg), Dr. Armin Scharrer (Fürth), Prof. Dr. Thomas Kohnen (Frankfurt), Dr. Kaweh Schayan-Araghi (Dillenburg) und Prof. Dr. Thomas Reinhard (Freiburg). Einige Ergebnisse werden hier zusammengefasst.

Biochemische Stressoren in der Makula

Die Retina und insbesondere die Makula befinden sich in einem sehr stark oxidativen Milieu. Als Schutz vor oxidativen Veränderungen verfügt das retinale Pigmentepithel über verschiedene Mechanismen, deren Effizienz mit dem Alter abnimmt und zu einem akkumulierenden Gewebsschaden im retinalem Pigmentepithel und einer verschlechterten Versorgungslage in den Photorezeptoren führen kann. Die Schädigung der Zellfunktion sowie eine Unterversorgung mit Sauerstoff sind wiederum wichtige Induktoren für eine verstärkte Ausschüttung des Wachstumsfaktors VEGF. Prof. Dr. Alexa Klettner (Kiel) erläutert im Folgenden die biochemischen Stressoren in der Makula.

Serie Auge und Sehen: Der Zwicker

Serie zur Sammlung Roth
Die Entdeckung, dass sphärisch geschliffene Gläser die Altersweitsichtigkeit ausgleichen konnten, war das Schlüsselereignis zur Erfindung der Brille im späten 13. Jahrhundert. Ungelöst blieb jedoch die Frage, wie diese Gläser nun am besten am Kopf zu befestigen waren. Die Hände sollten frei bleiben, die Entfernung zwischen Glas und Auge sollte konstant sein. Der Abstand der Gläsermitte zueinander musste entsprechend der Pupillendistanz veränderlich sein. Das Ganze sollte bequem zu tragen sein, bei heftigen Kopfbewegungen durfte die Konstruktion ihre Lage am Kopf nicht verändern. Es ist erstaunlich, dass es nahezu fünf Jahrhunderte dauerte, um das Problem befriedigend zu lösen. Die Revolution war der Zwicker, seine Erfindung fällt in die Zeit des kulturellen und politischen Umbruchs.

Intraoperative wellenfrontaberrometriebasierte Biometrie

Die intraoperative Wellenfrontaberrometrie könnte ein unverzichtbares Hilfsmittel künftiger Kataraktchirurgie werden. Im Rahmen einer Studie sollten stichhaltige Daten zur Verlässlichkeit dieser intraoperativen Messungen und ihrer Qualität gewonnen werden. Dr. Jan Hülle, Vasyl Druchkiv, Prof. Dr. Gisbert Richard, Dr. Toam Katz und Priv.-Doz. Dr. Stephan Linke (Hamburg) erörtern die Ergebnisse.

IOL mit lichtadaptierter Transmission

Neues Konzept für potentiellen Netzhautschutz
Einen neuartigen Ansatz, mit dem die potentiellen Nebenwirkungen der bisher verfügbaren so genannten gelben Intraokularlinsen auf ein Minimum reduziert werden können, stellt das Konzept einer IOL dar, die ihre Transmission den Lichtbedingungen anpasst, ohne gleichzeitig die Schutzwirkung eines Blaulichtfilters unter starker Lichteinwirkung zu verlieren. Das Konzept der transmissionsadaptiven IOL (TA-IOL) wurde in einer engen Kooperation zwischen den Erfindern, der Augenklinik der LMU in München und Partnern aus der Industrie entwickelt, sodass nun ein erster Prototyp dieser neuartigen IOL zur Verfügung steht. Priv.-Doz. Dr. Marcus Kernt (München) erläutert den IOL-Typ und stellt erste experimentelle Untersuchungsergebnisse vor, die den potentiellen Netzhautschutz belegen.

Antiproliferative Effekte von Temsirolimus auf retinale Zellen

In der Onkologie hat Temsirolimus seine grundsätzliche Eignung als antiproliferativer beziehungsweise antiangiogenetischer Wirkstoff mit geringen Nebenwirkungen bereits unter Beweis gestellt. An der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München wurden Untersuchungen durchgeführt, die einen möglichen inhibitorischen Effekt auf Proliferation, Migration und Angiogenese retinaler Zellen überprüfen sollten und seine Eignung als additiven Wirkstoff zu einer intravitrealen Anti-VEGF-Therapie, insbesondere bei nicht ausreichendem Erfolg einer Anti-VEGF-Therapie, untersuchten. Raffael Liegl und Priv.-Doz. Dr. Marcus Kernt (München) stellen im Folgenden ihre Erkenntnisse vor, die erste Hinweise darauf geben, dass Temsirolimus in der Lage ist, typische zelluläre Eigenschaften, die mit verstärkter Vaskularisierung assoziiert sind, zu hemmen.

Bundesverdienstkreuz für blinde Ärztin aus Marburg

Cordula Freifrau von Brandis-Stiehl erblindete innerhalb weniger Tage während ihres Medizinstudiums, das sie dennoch erfolgreich beendete. Sie absolvierte zusätzlich noch eine Ausbildung zur Psychotherapeutin, um sich 1991 mit eigener Praxis niederzulassen. Die ärztliche Psychotherapeutin, die seit 20 Jahren in der Patientenselbsthilfegruppe Pro Retina Deutschland aktiv ist, hat eine Vielzahl von Arbeitskreisen initiiert, die sie neben einer Regionalgruppe von Pro Retina auch leitet. Zudem baute sie ein Netzwerk für die Aus- und Fortbildung blinder Menschen auf. Für ihr außerordentliches ehrenamtliches Engagement wurde sie in Berlin vom Bundespräsidenten Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Dr. Hannsjürgen Trojan (Marburg) besuchte Frau von Brandis-Stiehl.