Aus der aktuellen Ausgabe

9. Internationales Pro Retina-Forschungskolloquium in Potsdam

Degenerative Netzhauterkrankungen
Zum neunten internationalen Pro Retina-Forschungskolloquium trafen sich in Potsdam Anfang April rund 125 Wissenschaftler und Mediziner aus Europa und den USA. Vor der Kulisse des Templiner Sees stand auch in diesem Jahr wieder der interdisziplinäre Austausch zwischen Grundlagenwissenschaftlern und klinischen Forschern im Mittelpunkt. Berichte von aktuellen klinischen Studien und neuen Ergebnissen aus der experimentellen Forschung lieferten einen Überblick über neue Erkenntnisse zu den Ursachen von degenerativen Netzhauterkrankungen sowie gegenwärtige Behandlungsansätze. Besonders große Bedeutung hatte einmal mehr die Diskussion zwischen den teilnehmenden Nachwuchswissenschaftlern und erfahrenen Professoren. Dipl.-Biol. Johanna Meyer, Susannah Spieker (M. Sc.), Dr. Moritz Lindner, Priv.-Doz. Dr. Tim Krohne, Prof. Dr. Peter Charbel Issa und Priv.-Doz. Dr. Steffen Schmitz-Valckenberg (Bonn) berichten über das diesjährige Treffen.

Serie Auge und Sehen: Das Auge in alten Schriften

Serie zur Sammlung Roth
In vergangenen Zeiten betrachtete man das Auge als ein geheimnisvolles Organ, seine Funktion erschien rätselhaft. Das Auge war für die alten Griechen Sitz der Seele, in der christlichen Religion galt es als Auge Gottes, als Kontrollorgan, es war gütig, wachsam und mahnend zugleich. Blindheit war Schicksal oder Strafe. Im Frieden verhieß gutes Sehen Lebensqualität, bei kriegerischen Auseinandersetzungen erhöhte es die Überlebenschancen. Als magisches Symbol findet sich das Motiv „Auge“ in allen Bereichen der darstellenden Kunst, es wurde zum immer wiederkehrenden Objekt in der Plastik oder Malerei. Interessanterweise aber gibt es nahezu keine Abbildungen des Auges in alten Handschriften, selbst im frühen Buchdruck fehlen diese.

IVOM ab 1. Oktober im EBM

Nicht überraschend, aber doch ziemlich plötzlich erfolgte Ende Juni der Beschluss des Bewertungsausschusses zur Einführung einer EBM-Ziffer für die intravitreale Medikamenteneinbringung (IVOM). Wie zu erwarten war, wird die Honorierung der ärztlichen Leistung geringer ausfallen als bisher, die Verlaufsdiagnostik mit dem OCT ist nicht Bestandteil des neuen EBM und nur noch zugelassene Medikamente sind abrechnungsfähig. Am meisten überrascht, dass rund um den neuen EBM noch zahlreiche Detailfragen offen sind – so beispielsweise die Frage, an welche Auflagen und Bedingungen die Durchführung der IVOM gebunden ist. Neben offenen Aspekten zur Umsetzung der EBM-Ziffer lautet jedoch eine für viele Augenärzte ganz maßgebliche Frage: Bleiben die Selektivverträge mit den Krankenkassen zur Abrechnung der IVOM erhalten? DER AUGENSPIEGEL sprach mit Uta B. Webersin, Co-Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher OphthalmoChirurgen (BDOC).

27. Jahreskongress der DOC in Nürnberg

Besucherrekord, Ehrungen und Diskussionen
Mit rund 5.500 Teilnehmern konnte der 27. Internationale Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgen (DOC), der vom 15. bis 17. Mai in Nürnberg tagte, einen Besucherrekord verzeichnen. Schwerpunkt des wissenschaftlichen Programms waren die Hauptvorträge, in denen der derzeitige Kenntnisstand in den verschiedenen Fachbereichen vorgestellt wurde, sowie die gemeinsame Sitzung mit der International Society of Refractive Surgery (ISRS) of the American Academy of Ophthalmology (AAO). Neu ins Leben gerufen wurde auf der diesjährigen Jahrestagung die „Hall of Fame Ophthalmologie“, eine besondere Ehrung für herausragende Persönlichkeiten, die sich um die Augenheilkunde verdient gemacht haben. Von Katica Djakovic.

Besonderheiten asphärischer Kunstlinsen

Zahlreiche Studien zeigen, dass sich die laterale Positionierung oder Verkippung insbesondere aberrationskorrigierender asphärischer Optiken auf die erreichbare Abbildungsqualität beziehungsweise Sehleistung auswirkt. Dieser Effekt wird umso deutlicher, je stärker das Linsendesign die Aberrationen der Hornhaut zu korrigieren versucht, wohingegen die Abbildungsqualität mit sphärischen Linsen nahezu unempfindlich ist gegenüber Dezentrierung oder Verkippung der Intraokularlinse. Dr. Timo Eppig und Prof. Dr. Achim Langenbucher (Homburg/Saar) erläutern Besonderheiten asphärischer Kunstlinsen.

Intraoperative wellenfrontaberrometriebasierte Biometrie

Die intraoperative Wellenfrontaberrometrie könnte ein unverzichtbares Hilfsmittel künftiger Kataraktchirurgie werden. Im Rahmen einer Studie sollten stichhaltige Daten zur Verlässlichkeit dieser intraoperativen Messungen und ihrer Qualität gewonnen werden. Dr. Jan Hülle, Vasyl Druchkiv, Prof. Dr. Gisbert Richard, Dr. Toam Katz und Priv.-Doz. Dr. Stephan Linke (Hamburg) erörtern die Ergebnisse.

IOL mit lichtadaptierter Transmission

Neues Konzept für potentiellen Netzhautschutz
Einen neuartigen Ansatz, mit dem die potentiellen Nebenwirkungen der bisher verfügbaren so genannten gelben Intraokularlinsen auf ein Minimum reduziert werden können, stellt das Konzept einer IOL dar, die ihre Transmission den Lichtbedingungen anpasst, ohne gleichzeitig die Schutzwirkung eines Blaulichtfilters unter starker Lichteinwirkung zu verlieren. Das Konzept der transmissionsadaptiven IOL (TA-IOL) wurde in einer engen Kooperation zwischen den Erfindern, der Augenklinik der LMU in München und Partnern aus der Industrie entwickelt, sodass nun ein erster Prototyp dieser neuartigen IOL zur Verfügung steht. Priv.-Doz. Dr. Marcus Kernt (München) erläutert den IOL-Typ und stellt erste experimentelle Untersuchungsergebnisse vor, die den potentiellen Netzhautschutz belegen.

Antiproliferative Effekte von Temsirolimus auf retinale Zellen

In der Onkologie hat Temsirolimus seine grundsätzliche Eignung als antiproliferativer beziehungsweise antiangiogenetischer Wirkstoff mit geringen Nebenwirkungen bereits unter Beweis gestellt. An der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München wurden Untersuchungen durchgeführt, die einen möglichen inhibitorischen Effekt auf Proliferation, Migration und Angiogenese retinaler Zellen überprüfen sollten und seine Eignung als additiven Wirkstoff zu einer intravitrealen Anti-VEGF-Therapie, insbesondere bei nicht ausreichendem Erfolg einer Anti-VEGF-Therapie, untersuchten. Raffael Liegl und Priv.-Doz. Dr. Marcus Kernt (München) stellen im Folgenden ihre Erkenntnisse vor, die erste Hinweise darauf geben, dass Temsirolimus in der Lage ist, typische zelluläre Eigenschaften, die mit verstärkter Vaskularisierung assoziiert sind, zu hemmen.

Bundesverdienstkreuz für blinde Ärztin aus Marburg

Cordula Freifrau von Brandis-Stiehl erblindete innerhalb weniger Tage während ihres Medizinstudiums, das sie dennoch erfolgreich beendete. Sie absolvierte zusätzlich noch eine Ausbildung zur Psychotherapeutin, um sich 1991 mit eigener Praxis niederzulassen. Die ärztliche Psychotherapeutin, die seit 20 Jahren in der Patientenselbsthilfegruppe Pro Retina Deutschland aktiv ist, hat eine Vielzahl von Arbeitskreisen initiiert, die sie neben einer Regionalgruppe von Pro Retina auch leitet. Zudem baute sie ein Netzwerk für die Aus- und Fortbildung blinder Menschen auf. Für ihr außerordentliches ehrenamtliches Engagement wurde sie in Berlin vom Bundespräsidenten Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Dr. Hannsjürgen Trojan (Marburg) besuchte Frau von Brandis-Stiehl.

Jahrestagung des DKVB in Bremen

Am 7. und 8. März fand in Bremen die Jahrestagung des Deutschen Komitees zur Verhütung von Blindheit (DKVB) in Verbindung mit der Tagung der Sektion Internationale Ophthalmologie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) statt. Die Organisation der diesjährigen Veranstaltung hatte Dr. Ulrike Hohmann aus Osterholz-Scharmbeck übernommen. Neben Beiträgen über augenärztliche Hilfe für Entwicklungsländer wurden auch Forschungsergebnisse zur Sehbehinderung und Blindheit in Deutschland vorgetragen und diskutiert. Dr. Udo Hennighausen (Heide) fasst die Tagungsinhalte zusammen.