Aus der aktuellen Ausgabe

Drucksenkende Kataraktoperation – Fakt oder Mythos?

Die antiglaukomatöse Kataraktoperation bei Winkelblock bleibt neben der Irido-/Iridektomie eine therapeutische Option. Bei offenem Kammerwinkel hingegen kann der drucksenkende Effekt der Kataraktoperation überschätzt werden. Priv.-Doz. Dr. Arne Viestenz, Dr. Loay Daas, Dr. Anja Viestenz, Prof. Dr. Berthold Seitz (Homburg/Saar) und em. Prof. Dr. Wolfgang Behrens-Baumann (Magdeburg) erörtern anhand von Untersuchungsergebnissen die drucksenkende Phakoemulsifikation im Langzeitverlauf.

Neue Möglichkeiten der Astigmatismuskorrektur mit torischen IOL

In bisher nicht gekannter Vielfalt ist es heute möglich, intraokuläre Implantate zur Korrektur torischer regulärer Refraktionsfehler einzusetzen. Gerade bei der chirurgischen Korrektur höherer Zylinder kommt der Präzision der Chirurgie ein besonderer Stellenwert zu. Ein Wiederauftreten des Astigmatismus kann auf einer Nachrotation des Implantates beruhen, die chirurgisch korrigiert werden sollte. Die Bestimmung der Implantat-Achse kann an der Spaltlampe erfolgen und sollte bei der Nachbetreuung torisch korrigierter Patienten beachtet werden. Hornhauttopographische Aufnahmen helfen, die Indikation für torische Implantate korrekt zu stellen. Prof. Dr. Gernot I. W. Duncker (Halle/Saale) erläutert die neuen Möglichkeiten der Astigmatismuskorrektur mit unterschiedlichen torischen IOL.

Betablocker zur Therapie des kindlichen Hämangioms

Therapie mit Propranolol beim proliferierenden infantilen Hämangiom
Seit 2008 werden Betablocker zur Therapie beim kindlichen Problemhämangiom eingesetzt – eine Behandlungs-möglichkeit, mit der die bislang durchgeführten chirurgischen Hochrisiko-Tumorresektionen bei Säuglingen und Kleinkindern mit Hämangiomen im Lid- und Orbitabereich obsolet werden. Die Therapie war bislang ein Off-Label-Use, allerdings erhielt im März 2014 ein französischer Hersteller die FDA-Zulassung für sein Präparat und auch die EMA hat bereits eine Zulassungsempfehlung ausgesprochen – eine Verfügbarkeit ist in Kürze zu erwarten. Dr. Frank Lang und Dr. Uwe Peter Press (Trier) berichten über die neue Therapiemöglichkeit und eigene klinische Erfahrungen mit dem Betablocker Propranolol bei der Behandlung des kindlichen Hämangioms.

Fallbericht: Skleromalacia perforans bei granulomatöser Polyangiitis

Bei der Skleromalacia perforans handelt es sich um eine spezifische Form der nekrotisierenden anterioren Skleritis ohne Entzündungszeichen mit progressiv verlaufender Skleraausdünnung. Die Erkrankung tritt häufiger bei Frauen mit lang bestehender rheumatoider Arthritis auf. Sabine Seddig und Prof. Dr. Markus Kohlhaas (Dortmund) berichten über den Fall einer 70-jährigen Patientin, die sich in einem massiv reduzierten Allgemeinzustand mit einer schmerzlosen Rötung begleitet von Fremdkörpergefühl, Blendungsempfindlichkeit und zunehmender Sehminderung des linken Auges notfallmäßig in der Ambulanz vorstellte.

Serie Auge und Sehen: Das Fernrohr des Galilei

Serie zur Sammlung Roth
Irgendwann kam ein Tüftler des ausgehenden Mittelalters auf die Idee, zwei verschieden starke Brillengläser hintereinander zu halten und entdeckte, den richtigen Abstand voneinander vorausgesetzt, dass weit entfernte Dinge in die Nähe rückten. Ein Glas befand sich dabei direkt vor dem Auge, das zweite eine Armlänge entfernt. Bedingung für das Phänomen war, dass die Brennpunkte beider Gläser in einer Ebene lagen. Dem Holländer Lipperhey wird diese Entdeckung Anfang des 17. Jahrhunderts zugeschrieben, dies mag bezweifelt werden. Fest steht aber, dass Galilei als einer der Ersten den Wert dieses Gerätes für die Astronomie erkannte. Er entdeckte mit einem solchen, als Fernrohr bezeichneten Instrument die nach ihm benannten Jupitermonde und den Ring des Saturns. Pater Scheiner sah als Erster damit die Sonnenflecken.

Begehungen augenärztlicher Praxen

Optimale Vorbereitung auf eine mögliche Inspektion durch Behörden
Die Anforderungen an die Qualität in der ambulanten Medizin haben sich in den letzten Jahren zunehmend gewandelt: War früher die Qualität medizinischer Leistungen nur bei Schadens- und Komplikationsfällen rechtlich relevant, bestehen heute Qualitätsanforderungen, die normativ geregelt und nachzuweisen sind. Arztpraxen werden in diesem Zusammenhang immer häufiger mit Überwachungen und Inspektionen durch staatliche Behörden konfrontiert, deren Rechte und Pflichten auf unterschiedlichen Gesetzen und Verordnungen beruhen, beispielsweise dem Infektionsschutzgesetz, dem Medizinproduktegesetz und dem Arbeitsschutzgesetz. Hinzu kommen länderspezifische Gesetze, berufsgenossenschaftliche Vorschriften und auch Bestimmungen zur Qualitätssicherung entsprechend SGB V-Verträgen. Inspektionen von Arztpraxen werden mit oder auch ohne Ankündigung durchgeführt und können sowohl wirtschaftliche Konsequenzen haben als auch haftungsrechtliche Risiken bergen. Dr. Peter Heinz (Schlüsselfeld) erläutert das erforderliche Praxismanagement als optimale Vorbereitung für eine mögliche Inspektion.

IOL-Berechnung bei extremer Achsenmyopie

Berechnungsmethoden und mögliche Fehlerquellen
Die präoperative Auswahl einer geeigneten Intraokularlinse (IOL) ist für die Ergebnisse der Refraktiven und Kataraktchirurgie von großer Bedeutung. In der Regel sind die meisten Patientenaugen in optischer Biometrie und IOL-Berechnung mit den gegenwärtig verfügbaren Messtechniken und Rechenverfahren gut zu behandeln und gewährleisten überzeugende postoperative Ergebnisse. Manche Augen weichen jedoch erheblich in Form oder Dimension vom Standard ab und stellen damit eine besondere Herausforderung dar. Hierzu gehören auch Augen mit extremen Achsenlängen. Alexandra Kotouza, Dr. Peter Hoffmann und Dipl. Ing. Melanie Abraham (Castrop-Rauxel) erläutern anhand eigener Daten Fehlerquellen bei der IOL-Berechnung hochmyoper Augen.

Neues künstliches Akkommodationssystem entwickelt

Mechatronisches System zur Wiederherstellung der Akkommodationsfähigkeit
Die nachlassende Akkommodationsfähigkeit des menschlichen Auges stellt nach wie vor eine der großen Herausforderungen in der Augenheilkunde dar. Es gibt einige Ansätze, die Kompromisslösungen darstellen, aber bislang gibt es noch keine befriedigende akkommodationsfähige Kunstlinse. Seit 2004 wird am Institut für Angewandte Informatik des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in enger Zusammenarbeit mit der Augenklinik der Universität Rostock und mit Unterstützung des BMBF ein neues System entwickelt. Erste Dummy-Implantate wurden von der Universitäts-Augenklinik Rostock im Tierversuch erfolgreich getestet und ihre Lage im Kapselsack postoperativ mit Erfolg verifiziert.- Ein faltbares künstliches Akkommodationssystem soll in den nächsten fünf Jahren entwickelt werden. Prof. Dr. Georg Bretthauer, Dr. Ulrich Gengenbach, Dr. Jörg Nagel, Prof. Dr. Oliver Stachs und Prof. Dr. Rudolf F. Guthoff erläutern das Funktionsprinzip. 

Der operationsunwillige Glaukompatient

Mit einer konsequenten Therapie und regelmäßigen Kontrollen lässt sich der Krankheitsverlauf beim Glaukom verzögern oder sogar zum Stillstand bringen. Je nach Form und Stadium der Erkrankung wird das Glaukom zunächst mit Augentropfen behandelt, in bestimmten Fällen kann eine Laserbehandlung oder ein operativer Eingriff notwendig werden. Wichtig für den Therapieerfolg ist die Compliance des Patienten, für die eine sorgfältige und umfassende Patientenaufklärung wesentlich ist. Prof. Dr. Christoph Faschinger (Graz) erläutert mögliche Gründe für eine zurückhaltende oder ablehnende Haltung von Glaukompatienten hinsichtlich eines operativen Eingriffs.

Freie Spalthauttransplantate in der periokulären Chirurgie

Der Arbeitsbereich okuloplastische Chirurgie an der Augenklinik der Universitätsmedizin Greifswald versorgt als interner Partner des Onkologischen Zentrums Vorpommern auch Tumorpatienten. Patienten mit verschiedenen Tumoren der periokulären Region (vorwiegend Basalzell-, Plattenepithelkarzinome, Keratoakanthome) werden in zweizeitiger Vorgehensweise operativ behandelt. Erst nach histologisch gesicherter R0-Resektion erfolgt die Defektdeckung mittels verschiedener plastisch-rekonstruktiver Operationsverfahren. Hierbei kann der Einsatz freier Spalthauttransplantate zur Defektdeckung sehr zweckmäßig sein, um ein sowohl funktionell als auch ästhetisch optimales Resultat zu erreichen. Prof. Dr. Frank Tost (Greifswald) erläutert die Anwendung und Nachsorge von freien Spalthauttransplantaten in der periokulären Chirurgie.