Aus der aktuellen Ausgabe

Beeinflussung von Harnstofftransporten zur Therapie des Trockenen Auges

In der Vergangenheit konnte nachgewiesen werden, dass Enzyme der Harnstoffsynthese in den Geweben der Augenoberfläche und der Tränendrüse des Menschen exprimiert werden. Eine direkte Abhängigkeit des Wassergehaltes der Tränenflüssigkeit von der lakrimalen Harnstoffkonzentration scheint daher wahrscheinlich. Im Umkehrschluss könnten Störungen der Expression von harnstoffproduzierenden und -transportierenden Proteinen in den Geweben der Augenoberfläche und der Tränendrüse zu einem reduzierten Wassergehalt des Tränenfilms und somit zu einer Beteiligung am hypovolämischen Trockenen Auge führen sowie zur Entstehung der evaporativen Form beitragen. Franziska Scheler (Erlangen) erörtert, inwieweit die Untersuchung und gezielte Manipulation der Harnstofftransporter gewichtige Hinweise auf die Pathogenese dieser Erkrankung bieten könnten.

Effekte von Taurin auf proteomische Komponenten der Augenoberfläche

Das multifaktorielle Krankheitsbild des Trockenen Auges erfordert eine permanente Suche nach neuen, potentiell therapeutischen Wirkstoffen. Hinsichtlich der Hyperosmolarität der Augenoberfläche bei dieser komplexen Erkrankung repräsentieren Osmolyten eine funktionell heterogene und vielversprechende Wirkstoffgruppe. Besonderer Fokus liegt hierbei auf Taurin, einer zwitterionischen Aminoethansulfonsäure, die natürlicherweise in vielen okulären Geweben sowie auf der Augenoberfläche vorkommt. Dr. rer. nat. Sebastian Funke (Mainz) erörtert die durch Taurin induzierten Effekte auf proteomische Komponenten der Augenoberfläche.

Neues Informationsportal zu Augenoberfläche und Trockenem Auge

Homepage des Ocular Surface Center Berlin (OSCB)
Eine neue Informationsplattform des Ocular Surface Center Berlin (OSCB) für die Augenoberfläche und das Trockene Auge bietet wichtige Grundlagen zu Struktur und Funktion sowie zum Krankheitsverlauf und zu neuen Methoden in Diagnostik und Therapie. Die Inhalte dienen einem wissenschaftlichen und didaktischen Zweck zur Verbesserung der Kenntnisse über die Augenoberfläche und ihre Erkrankungen und richten sich primär an ärztliche Kollegen, vor allem auch jüngere Kollegen in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung. Prof. Erich Knop und Dr. Nadja Knop (Berlin) erläutern das Konzept des Informationsportals.

Basler Fortbildungstage 2016 (Teil 2)

„Neuroophthalmologisches Potpourri“
Im zweiten Teil des Tagungsberichtes zur Basler Fortbildung über Auge und Nervensystem unter dem Motto „Neuroophthalmologisches Potpourri“, in der auch verkehrsmedizinische Fragen behandelt und die Legasthenie als visuell-sprachverarbeitende Fragestellung erklärt wurden, stellt Dr. Udo Hennighausen (Hamburg) weitere Vortragsthemen dar.

Evaluation einer bifokalen EDOF-Linse zur Presbyopiekorrektur

Um einen höheren Komfort vor allem im Fern- und Intermediärbereich zu erzielen, stehen gegenwärtig neue Intraokularlinsen zur Verfügung, die über unterschiedliche optische Systeme eine erweiterte Tiefenschärfe (extended-depth of focus, EDOF) erreichen. Da auch bei diesen Intraokularlinsen über störende optische Phänomene berichtet wurde, wurde an der Augenklinik der LMU München eine im Rahmen der Kataraktoperation implantierte bifokale Intraokularlinse mit erweiterter Tiefenschärfe anhand des Visus und einer Defokuskurve evaluiert. In einem standardisierten Quality-of-Life-Fragebogen und am Halo-und-Glare-Simulator wurden die optischen Phänomene durch die Patienten bewertet. Priv.-Doz. Dr. Wolfgang J. Mayer, FEBO (München) fasst die Ergebnisse zusammen.

Intraarterielle Chemotherapie beim fortgeschrittenen Retinoblastom

Das Retinoblastom ist mit zirka 40 bis 45 neuen Erkrankungsfällen pro Jahr in Deutschland eine seltene Tumorerkrankung des Säuglings- beziehungsweise Kleinkindalters und wird häufig erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Die Behandlung erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Augenärzten, Kinderonkologen und Radiologen. Dr. Bert Müller, Dr. Antje Vega und Dr. Georg Bohner (Berlin) berichten über erste Erfahrungen in der intraarteriellen Chemotherapie des fortgeschrittenen Retinoblastoms.

Zur Geschichte der Okulopression

Jeder unerwünschte Glaskörperaustritt bei intraokularen Eingriffen, insbesondere bei der Kataraktextraktion, stellt einen wesentlichen Zwischenfall dar. Das gilt nach wie vor in der Ophthalmochirurgie und besonders bis etwa zum Jahr 2000, als noch die starren, nichtflexiblen Intraokularlinsen implantiert wurden. Nach der äußerst seltenen expulsiven Blutung, der postoperativen Endophthalmitis, ist der Austritt vom Glaskörper die bedeutungsvollste und folgenschwerste Komplikation im Zusammenhang mit einer Kataraktoperation. Der ungarische Augenarzt Vörösmarthy schaffte 1964 mit dem von ihm kreierten Okulopressor die Wende und konnte den Glaskörperaustritt bei seinen Kataraktoperationen auf null Prozent optimieren. Ein Beitrag von Priv.-Doz. Dr. Manfred Jähne, FEBO (Chemnitz).

Der Blindenführhund

Serie zur Sammlung Roth
Blinde Menschen können sich in der modernen Welt nur dann orientieren und möglichst eigenständig zurechtfinden, wenn Sehende ihnen behilflich sind. In einer sich ständig verändernden Umwelt voller Hindernisse werden selbst einfachste Abläufe und Vorgänge des täglichen Lebens zu einem Problem. Der Straßenverkehr birgt besonders große Gefahren, nur innerhalb eines intakten sozialen Umfelds können sie am gesellschaftlichen oder kulturellen Leben teilhaben. Doch nicht nur Menschen helfen einem Blinden bei der Orientierung, auch Tiere sind treue Wegbegleiter. Am bekanntesten ist hier der Blindenführhund, kurz der Blindenhund genannt. Ihn gibt es seit einhundert Jahren.

Basler Fortbildungstage 2016 (Teil 1)

„Neuroophthalmologisches Potpourri“
Zu einem „Neuroophthalmologischen Potpourri“ hatte die Leitende Ärztin der Augenklinik des Universitätsspitals Basel, Prof. Anja Palmowski-Wolfe, in die alte Universitäts- und Kulturstadt im Dreiländereck am Oberrhein eingeladen. 450 Teilnehmer folgten der Einladung zu dem Update über Auge und Nervensystem. Dr. Udo Hennighausen (Hamburg) stellt die Themen

PACK-Cross-Linking bei infektiöser Keratitis

Photoactivated chromophore for infectious keratitis (PACK-CXL) als Mittel der ersten Wahl?
Das Cross-Linking der Hornhaut (CXL) mit Riboflavin und UV-A hat sich innerhalb weniger Jahre zum Standard der Behandlung bei Keratokonus und Ektasien der Hornhaut entwickelt. 2004 wurde die erste CXL-Technologie in Zürich entwickelt und von da an begann das Spektrum der Indikationen dieser Methode zu wachsen. In einer Pilotstudie wurden schwere und therapieresistente infektiöse Keratitiden behandelt, später konnte im Rahmen einer Studie gezeigt werden, dass CXL bei der infektiösen Keratitis potentiell nicht nur zur unterstützenden Behandlung, sondern unter Umständen auch als Mittel der ersten Wahl, als „photoactivated chromophore for infectious keratitis“ (PACK), eingesetzt werden könnte. Dies wäre vor allem von Interesse, weil der große Vorteil der PACK-CXL auch darin liegt, dass es gleichzeitig sowohl Bakterien wie auch Pilze angeht. Prof. Dr. Dr. Farhad Hafezi (Dietikon/Schweiz) stellt die aktuellen Studienerfahrungen zum PACK-Cross-Linking dar.