Aus der aktuellen Ausgabe

Diagnostik der autosomal-dominanten Optikusatrophie

OCT-Veränderungen bei Patienten mit Mutationen im OPA1-Gen
Die autosomal-dominante Optikusatrophie 1 (Typ Kjer, MIM#165500) ist eine der häufigsten Formen der hereditären optischen Neuropathien, welche in der Literatur in einigen Fällen zunächst als Normaldruckglaukom fehldiagnostiziert wurde, da sich beide Erkrankungsentitäten klinisch stark ähneln. Besonders bei Patienten mit Visusminderung in jungen Jahren, unklarer Optikusatrophie und diffus verminderter Ganglienzellschichtdicke im OCT sollte man an eine gendiagnostische Untersuchung auf hereditäre Optikusatrophien denken. Dr. Anica Winges (Halle/Saale) berichtet über eine retrospektive Untersuchung, deren Ziel es war, die Erkrankung durch die morphologische Analyse der einzelnen Netzhautschichten mittels OCT frühzeitiger zu erkennen.

Stellenwert der OCT-Diagnostik bei Glaukomen

Zur Papillenbeurteilung bei Glaukom stehen zahlreiche bildgebende Verfahren zur Verfügung. Anatomisch auffällige, große oder kleine Papillen können Schwierigkeiten bei der Diagnostik bereiten. Mittlerweile erfährt die optische Kohärenztomographie (OCT) in der Glaukomsprechstunde neben der Netzhautsprechstunde ihren häufigsten Einsatz. Spectral-Domain-Geräte ergeben durch landmarkengestützte Bewegungskorrektur höchste Auflösung in kurzer Zeit. Einen anderen Ansatz zur OCT-gestützten Glaukomdiagnostik stellt die Öffnung der Bruch’schen Membran zur Bemessung der Nervenfaserschicht im Bereich des Papillenrandes in den Fokus. Dr. Christian Karl Brinkmann, FEBO (Neubrandenburg) stellt die Untersuchungsverfahren gegenüber und erläutert den Stellenwert der OCT-gestützten Glaukomdiagnostik.

22. Tagung der Bielschowsky-Gesellschaft – 150. Geburtstag Alfred Bielschowsky

Strabologie und Neuroophthalmologie
Zum 150. Geburtstag von Alfred Bielschowsky fand die für Wroclaw (Breslau, einer der ehemaligen Studien- und Arbeitsorte Bielschowskys) geplante 22. Jahrestagung der Bielschowsky-Gesellschaft aufgrund der pandemiebedingten Situation am 10. September als Webinar, unter der Leitung von Prof. Michael Schittkowski, Augenklinik der Universitätsmedizin Göttingen, statt. Die Themenblöcke umfassten die operative Strabologie I und II, strabologische und neuroophthalmologische Notfälle, die Neuroophthalmologie sowie Amblyopie und Myopieprävention. Ein Bericht von Dr. Simon Trick (Ulm).

Fallbericht: IgG4-assoziierte Orbitopathie

Orbitale Raumforderungen stellen große differentialdiagnostische und therapeutische Herausforderungen dar. Etwa 60 Prozent der orbitalen Pathologien entspringen einer entzündlichen Genese. Fehlen die typischen Zeichen einer Lidretraktion oder Motilitätseinschränkung und lassen sich keine entsprechenden Autoantikörper serologisch nachweisen, muss an eine idiopathische inflammatorische Orbitopathie gedacht werden. Priv.-Doz. Dr. Jens Heiche, Dr. Linda Dießel, Marlene Stein und Prof. Arne Viestenz1 berichten über einen 34-jährigen Patienten, der sich mit einer seit sechs Jahren bestehenden Schwellung im Bereich beider Orbitae und progredienter Visusminderung rechts vorstellte. Anamnestisch ergaben sich keine weiteren ophthalmologischen Auffälligkeiten.

Die Kataraktoperation

Serie zur Sammlung Roth (Folge 121)
Der Graue Star als Ursache einer Erblindung war bereits in der Antike bekannt, allerdings war lange unklar, ob es eine Eintrübung der Augenlinse selbst oder nur ein Häutchen war, das als undurchsichtige Scheibe hinter der Pupille alles grau in grau erscheinen ließ. Die Katarakt, so nannte man das, was da im Auge trüb herabfließt. Die Erkenntnis, dass die Eintrübung der Augenlinse die Ursache des starren Blicks, also der Erblindung war, führte dazu, dass man schon früh die ersten Operationen am Auge wagte. Mit Hilfe einer Nadel wurde die ergraute Linse aus ihrer Halterung gelöst und nach hinten in den Glaskörper gestoßen. Der Blick ins Augeninnere war jetzt wieder frei.

70. Tagung der Vereinigung Norddeutscher ­Augenärzte (VNDA)

Jubiläumstagung als Hybrid-Veranstaltung in Hamburg
Die 70. Jahrestagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte e. V. (VNDA), ursprünglich geplant und fertig vorbereitet für den Tagungsort Lübeck im vergangenen Jahr, musste pandemiebedingt leider abgesagt werden. So fand die Jubiläumstagung in diesem Jahr, dem geplanten Turnus gemäß, auf Einladung von Prof. Martin Spitzer am 5. Juni als Hybrid-­Veranstaltung in Hamburg statt. Zum Satellitenprogramm der VNDA-Jahrestagung gehörte auch der international besetzte Hanseatische Operationskurs für Okuloplastische Chirurgie. Dr. Udo ­Hennighausen (Hamburg) berichtet über die Fortbildung der VNDA.

Glaukomerkrankungen im Kindesalter

Interdisziplinäre Betreuung am Kinderglaukomzentrum der Universitätsmedizin Mainz
Glaukomerkrankungen im Kindesalter sind selten, führen aber bei Fehldiagnose und ausbleibender Behandlung zur Erblindung. Im Kinderglaukomzentrum der Universitätsmedizin Mainz werden jährlich etwa 200 Kinder mit Glaukom interdisziplinär behandelt sowie in einem Pilotprojekt ein Register zur Evaluation der Riskofaktoren etabliert. Dr. Julia V. Stingl und Prof. Esther M. Hoffmann (Mainz) erläutern Diagnostik und Therapie des kindlichen Glaukoms im Kinderzentrum, in dem nun auch ein bundesweites multizentrisches Register aufgebaut werden soll.

Messung des retinalen Venendrucks bei Glaukompatienten

Die Therapie beim Primären Offenwinkelglaukom (POWG) besteht weitestgehend in der Senkung des Augeninnen­drucks (IOP), wonach der okuläre Venendruck gesenkt und damit die Druckdifferenz zwischen arteriellem und venösem Druck vergrößert wird. Prof. Richard Stodtmeister (Dresden) diskutiert in seinem Beitrag die Bedeutung des retinalen Venendrucks und die Frage, wie notwendig die Beurteilung und Messung für eine umfassende Glaukomdiagnostik und die nachfolgende Indikation zur medikamentösen und auch chirurgischen Therapie ist.

Künstliche Intelligenz zur Erkennung des Glaukoms

Studie mit OCT-A-Langzeitdaten des Erlanger Glaukomregister
Die Langzeitdaten des 1991 gegründeten Erlanger Glaukomregisters bieten eine einmalige Möglichkeit zur Erforschung pathogenetischer Faktoren oder potenzieller Progressionsparameter des Glaukoms und stellen eine gute Datenbasis dar, um Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) anzuwenden. Ein momentaner Forschungspunkt an der Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen gilt der vollautomatischen Unterscheidung zwischen Glaukompatienten und einer gesunden Kontrollgruppe anhand von Daten der OCT-Angiographie. Julia Schottenhamml (Erlangen) erläutert die neue KI-Methodik zur Glaukomerkennung und stellt Ergebnisse einer retrospektiven Studie vor.

Einfluss von Trägermaterialien und ­Beschichtungen auf die Kultur des ­retinalen Pigmentepithels

In Anbetracht der enormen Bedeutung der Zellkultur des retinalen Pigmentepithels (RPE) wäre ein Modell der Umgebungsbedingungen im hinteren Netzhautabschnitt, das sich auf die Zellkultur übertragen lässt, ein enormer Fortschritt. Zur Erreichung dieses Ziels könnten „lebensnahe“ elastischere Trägermaterialien für die Zellkultur von Interesse sein. Im Rahmen eines Projektes unter der Leitung von Prof. Alexa Klettner, Klinik für Ophthalmologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel, wurde eine erste Grundlage für die Entwicklung eines 3D-Zellkulturmodells für das primäre porcine retinale Pigmentepithel dargestellt, indem Hydrogele und Proteinbeschichtungen auf ihre Tauglichkeit zur RPE-Kultivierung überprüft wurden. Unterstützt wurde das Projekt von einem Team der Technischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sebastian Böser (Kiel) erläutert den Projektansatz und die Ergebnisse der Versuchsreihen.