Aus der aktuellen Ausgabe

Haartransplantation zur Rekonstruktion der Orbital Unit

Augenbrauen und Wimpern können dank mikrochirurgischer Techniken ästhetisch anspruchsvoll transplantiert werden. Das ist ein großer Fortschritt bei der Rekonstruktion des Haarverlustes im Augenbereich zur Rehabilitation von Patienten. Der Operateur muss auf Haartransplantation spezialisiert sein und entnimmt mit der FUE-Technik (Follikular Unit Extraction) vorwiegend so genannte Follikular Units mit ein oder zwei Haarwurzeln einzeln aus dem Haarkranz, die dann im 1:1-Verfahren in die betroffenen Regionen transplantiert werden. Dr. Frank G. Neidel (Düsseldorf) stellt Entnahmetechniken sowie Resultate der Methode zur Rekonstruktion der Orbital Unit dar.

Zum Gebrauch der Gel-Kontaktlinse

Serie zur Sammlung Roth (Folge 121)
Die Geschichte der weichen Kontaktlinse reicht gerade einmal über ein halbes Jahrhundert. So erschien die erste Publikation über Erfahrungen mit dem weichen Kunststoff von den Prager Forschern Wichterle und Lim im Jahr 1964. Nahezu abenteuerlich gestalteten sich ihre Experimente mit HEMA, um im Schleuderverfahren Kontaktlinsen zu produzieren. Aufgrund der unruhigen politischen Lage in ihrem Land konnte die Entwicklung von ihnen nicht zu Ende geführt werden. Dies übernahmen andere, dennoch ist es ihr Verdienst, dass heute die weiche Kontaktlinse sowohl als Refraktionshilfe wie auch als Therapeutikum weltweit im Einsatz ist.

Heilversuch bei Glaukom­patienten mit Long-COVID-Syndrom

Mittels eines ursprünglich gegen Herzkrankheiten entwickelten Medikaments gelang es einem interdisziplinären Ärzteteam der Universitäts-Augenklinik Erlangen, einen Glaukompatienten mit Long-COVID-Syndrom erfolgreich zu therapieren. Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin in Erlangen sowie einem Team um den Berliner Molekularmediziner Dr. Gerd Wallukat sollen nun die genauen Mechanismen untersucht werden, die die Wirksamkeit des erfolgreichen Heilungsversuchs erklären könnten. Eine klinische Studie mit Patienten nach einer COVID-19-Infektion ist im Aufbau und wird untersuchen, ob der eingesetzte Wirkstoff „BC 007“ auch bei anderen Patienten eingesetzt werden kann. Dr. Sibylle Scholtz (Ettlingen) berichtet über den weltweit ersten, erfolgreichen Heilversuch in Erlangen.

Marketing im Gesundheitswesen

Ökonomie versus Medizin oder produktives Co-Working?
Ist eine Marketingstrategie bei einer Praxisgründung oder -übernahme obligat oder ein zu vernachlässigender Posten? Welche Maßnahmen umfasst der Begriff Marketing und welche Auswirkungen haben die unterschiedlichen Marketingaktivitäten? Tobias Kesting (Köln) erläutert in einem Überblick das weite Feld des Marketings im Gesundheitswesen und zeigt auf, wie der Aufbau einer guten strategischen Ausrichtung gestaltet werden sollte, um einen langfristigen Praxiserfolg zu realisieren.

Berliner Immunologie-Seminar tagte als Hybrid-Veranstaltung

„Virale Erkrankungen des Auges“
Das diesjährige Berliner Immunologie-Seminar fand aufgrund von pandemiebedingten Einschränkungen durch das Coronavirus SARS-CoV-2 am 12. Juni als Hybridveranstaltung, einer Kombination aus Präsenz- (traditionell im Kaiserin-Friedrich-Haus in Berlin) und Onlineveranstaltung, unter der Leitung von Prof. Uwe Pleyer, Augenklinik der Charité Berlin, statt und wurde als Livestream übertragen, sodass die zuvor angemeldeten Teilnehmer online an der Veranstaltung teilnehmen konnten. Im Zentrum des Berliner Immunologie-Seminars standen „Virale Erkrankungen des Auges – Eine interdisziplinäre Herausforderung in Pandemiezeiten“. Ein Bericht von Dr. Simon Trick (Ulm).

Korneale OCT zur Verlaufsbeurteilung nach tektonischer anteriorer lamellierender Keratoplastik

Eine drohende Perforation der Hornhaut stellt einen ophthalmologischen Notfall dar. Zur Versorgung steht unter ­anderem die tektonische anteriore lamelläre Keratoplastik (ALK) zur Verfügung. Zur prä- und postoperativen Beurteilung eignet sich die korneale OCT als hochauflösendes und kontaktfreies Diagnostikverfahren. In einer retrospektiven klinischen Untersuchung an der Augenklinik Berlin-Marzahn wurden 31 Patienten untersucht, die eine tektonische ALK von 2 bis 8 mm in Tropfanästhesie und anschließender therapeutische Kontaktlinsenanpassung erhielten. Zu den erhobenen Parametern gehörten der mittlere postoperative Visus, die Anzahl und Art der Re-Operationen, die Indi­­ka­­tio­­nen, die prä- und postoperative Pachymetrie sowie morphologische Veränderungen, die anhand der kornealen OCT evaluiert wurden. Dr. Valentin Hooijer und Priv.-Doz. Dr. Christopher Wirbelauer (Berlin) stellen die Ergebnisse vor.

Intrakorneale Ringsegmente (ICRS) zum Management von Keratektasien

Die Implantation von Intrakornealen Ringsegmenten (ICRS) stellt eine der therapeutischen Modalitäten bei ­Keratektasie dar und gehört zur refraktiven Behandlung des Keratokonus. Es handelt sich nicht um eine konven­tionelle „refraktive Chirurgie“, Kontraindikationen und die mit dem Keratokonus verbundenen Besonderheiten sind zu berücksichtigen. An der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) wird die Indikation grundsätzlich vom korneorefraktiven Chirurgen selbst in der Sprechstunde für Refraktive Chirurgie gestellt.  Loïc Hamon, Prof. Dr. Berthold Seitz und Dr. Loay Daas (Homburg/Saar) berichten über die Homburger ­Erfahrungen mit ICRS zum Management von Keratektasien.

Die Bedeutung des Kälterezeptors TRPA1 für die korneale Wundheilung

In einem experimentellen Ansatz zur Charakterisierung der Erneuerungsprozesse bei kornealer Wundheilung untersuchte eine Studie der AG Mergler, in vitro Elektrophysiologie/Ionenkanalforschung, Abt. Experimentelle Ophthalmologie an der Charité ­Berlin, Kinetik und Zellmigration in einem Wundheilungszellmodell (HCK) und konnte erstmals nicht nur eine funktionelle Ex­pression des TRPA1-Kanals, sondern auch dessen funktionelle Relevanz in HCK nachweisen. Somit können Wundheilungsprozesse durch die Aktivierung des TRPA1-Kanals positiv beeinflusst werden. Julia Maria Pulst ­Caliman, Prof. Uwe Pleyer und Priv.-Doz. Dr. Stefan Mergler (Berlin) stellen die Ergebnisse ihrer Studie dar.

3D-Punktspreizfunktion – Eine ­universelle optische IOL-Kenngröße

Die 3D-Punktspreizfunktion beschreibt die gesamte Lichtverteilung im Bereich des Fokus einer Linse und definiert damit ihre optischen Eigenschaften. Jan Sievers M. Sc., Dr. rer. nat. Karsten Sperlich und Prof. Dr. rer. nat. Oliver­ Stachs (Rostock) haben diese Funktion einer diffraktiven trifokalen IOL in ihrem Labor mit einer selbst entwickelten optischen Bank gemessen. Anhand der Ergebnisse diskutieren sie die physikalischen Hintergründe der 3D-PSF, des Strahlprofils, der Durchfokuskurve und der Energieeffizienz sowie deren Zusammenhänge und Bestimmungs­methoden und erläutern die Rostocker-Methode zur Energieeffizienzbestimmung.

Dr. Clara Knieper: Erstes weibliches Mitglied der DOG

Zur Geschichte von Clara Knieper (1881-1914), Augenärztin in Mittweida/Sachsen
In einer Darstellung der Geschichte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) schreibt der Autor ​(Rohrbach 2017) zum Jahr 1911 der damals noch als „Heidelberger Ophthalmologische Gesellschaft“ tagenden medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Augenheilkunde knapp: „Die DOG nimmt mit Dr. Clara Knieper aus Mittweida/Sachsen erstmals eine Frau als Mitglied auf“. Priv.-Doz. Dr. Manfred Jähne, FEBO (Schneeberg/Sachsen) ist den offenen biografischen Fragestellungen gefolgt und beschreibt die Ergebnisse seiner Recherche zu Herkunft und Werdegang von Clara Knieper, die vor 110 Jahren als erstes weibliches Mitglied der Fachgesellschaft beitrat.