Aus der aktuellen Ausgabe

Diagnostik der autosomal-dominanten Optikusatrophie

OCT-Veränderungen bei Patienten mit Mutationen im OPA1-Gen
Die autosomal-dominante Optikusatrophie 1 (Typ Kjer, MIM#165500) ist eine der häufigsten Formen der hereditären optischen Neuropathien, welche in der Literatur in einigen Fällen zunächst als Normaldruckglaukom fehldiagnostiziert wurde, da sich beide Erkrankungsentitäten klinisch stark ähneln. Besonders bei Patienten mit Visusminderung in jungen Jahren, unklarer Optikusatrophie und diffus verminderter Ganglienzellschichtdicke im OCT sollte man an eine gendiagnostische Untersuchung auf hereditäre Optikusatrophien denken. Dr. Anica Winges (Halle/Saale) berichtet über eine retrospektive Untersuchung, deren Ziel es war, die Erkrankung durch die morphologische Analyse der einzelnen Netzhautschichten mittels OCT frühzeitiger zu erkennen.

70. Tagung der Vereinigung Norddeutscher ­Augenärzte (VNDA)

Jubiläumstagung als Hybrid-Veranstaltung in Hamburg
Die 70. Jahrestagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte e. V. (VNDA), ursprünglich geplant und fertig vorbereitet für den Tagungsort Lübeck im vergangenen Jahr, musste pandemiebedingt leider abgesagt werden. So fand die Jubiläumstagung in diesem Jahr, dem geplanten Turnus gemäß, auf Einladung von Prof. Martin Spitzer am 5. Juni als Hybrid-­Veranstaltung in Hamburg statt. Zum Satellitenprogramm der VNDA-Jahrestagung gehörte auch der international besetzte Hanseatische Operationskurs für Okuloplastische Chirurgie. Dr. Udo ­Hennighausen (Hamburg) berichtet über die Fortbildung der VNDA.

Glaukomerkrankungen im Kindesalter

Interdisziplinäre Betreuung am Kinderglaukomzentrum der Universitätsmedizin Mainz
Glaukomerkrankungen im Kindesalter sind selten, führen aber bei Fehldiagnose und ausbleibender Behandlung zur Erblindung. Im Kinderglaukomzentrum der Universitätsmedizin Mainz werden jährlich etwa 200 Kinder mit Glaukom interdisziplinär behandelt sowie in einem Pilotprojekt ein Register zur Evaluation der Riskofaktoren etabliert. Dr. Julia V. Stingl und Prof. Esther M. Hoffmann (Mainz) erläutern Diagnostik und Therapie des kindlichen Glaukoms im Kinderzentrum, in dem nun auch ein bundesweites multizentrisches Register aufgebaut werden soll.

Messung des retinalen Venendrucks bei Glaukompatienten

Die Therapie beim Primären Offenwinkelglaukom (POWG) besteht weitestgehend in der Senkung des Augeninnen­drucks (IOP), wonach der okuläre Venendruck gesenkt und damit die Druckdifferenz zwischen arteriellem und venösem Druck vergrößert wird. Prof. Richard Stodtmeister (Dresden) diskutiert in seinem Beitrag die Bedeutung des retinalen Venendrucks und die Frage, wie notwendig die Beurteilung und Messung für eine umfassende Glaukomdiagnostik und die nachfolgende Indikation zur medikamentösen und auch chirurgischen Therapie ist.

Künstliche Intelligenz zur Erkennung des Glaukoms

Studie mit OCT-A-Langzeitdaten des Erlanger Glaukomregister
Die Langzeitdaten des 1991 gegründeten Erlanger Glaukomregisters bieten eine einmalige Möglichkeit zur Erforschung pathogenetischer Faktoren oder potenzieller Progressionsparameter des Glaukoms und stellen eine gute Datenbasis dar, um Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) anzuwenden. Ein momentaner Forschungspunkt an der Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen gilt der vollautomatischen Unterscheidung zwischen Glaukompatienten und einer gesunden Kontrollgruppe anhand von Daten der OCT-Angiographie. Julia Schottenhamml (Erlangen) erläutert die neue KI-Methodik zur Glaukomerkennung und stellt Ergebnisse einer retrospektiven Studie vor.

Einfluss von Trägermaterialien und ­Beschichtungen auf die Kultur des ­retinalen Pigmentepithels

In Anbetracht der enormen Bedeutung der Zellkultur des retinalen Pigmentepithels (RPE) wäre ein Modell der Umgebungsbedingungen im hinteren Netzhautabschnitt, das sich auf die Zellkultur übertragen lässt, ein enormer Fortschritt. Zur Erreichung dieses Ziels könnten „lebensnahe“ elastischere Trägermaterialien für die Zellkultur von Interesse sein. Im Rahmen eines Projektes unter der Leitung von Prof. Alexa Klettner, Klinik für Ophthalmologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel, wurde eine erste Grundlage für die Entwicklung eines 3D-Zellkulturmodells für das primäre porcine retinale Pigmentepithel dargestellt, indem Hydrogele und Proteinbeschichtungen auf ihre Tauglichkeit zur RPE-Kultivierung überprüft wurden. Unterstützt wurde das Projekt von einem Team der Technischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sebastian Böser (Kiel) erläutert den Projektansatz und die Ergebnisse der Versuchsreihen.

Haartransplantation zur Rekonstruktion der Orbital Unit

Augenbrauen und Wimpern können dank mikrochirurgischer Techniken ästhetisch anspruchsvoll transplantiert werden. Das ist ein großer Fortschritt bei der Rekonstruktion des Haarverlustes im Augenbereich zur Rehabilitation von Patienten. Der Operateur muss auf Haartransplantation spezialisiert sein und entnimmt mit der FUE-Technik (Follikular Unit Extraction) vorwiegend so genannte Follikular Units mit ein oder zwei Haarwurzeln einzeln aus dem Haarkranz, die dann im 1:1-Verfahren in die betroffenen Regionen transplantiert werden. Dr. Frank G. Neidel (Düsseldorf) stellt Entnahmetechniken sowie Resultate der Methode zur Rekonstruktion der Orbital Unit dar.

Zum Gebrauch der Gel-Kontaktlinse

Serie zur Sammlung Roth (Folge 121)
Die Geschichte der weichen Kontaktlinse reicht gerade einmal über ein halbes Jahrhundert. So erschien die erste Publikation über Erfahrungen mit dem weichen Kunststoff von den Prager Forschern Wichterle und Lim im Jahr 1964. Nahezu abenteuerlich gestalteten sich ihre Experimente mit HEMA, um im Schleuderverfahren Kontaktlinsen zu produzieren. Aufgrund der unruhigen politischen Lage in ihrem Land konnte die Entwicklung von ihnen nicht zu Ende geführt werden. Dies übernahmen andere, dennoch ist es ihr Verdienst, dass heute die weiche Kontaktlinse sowohl als Refraktionshilfe wie auch als Therapeutikum weltweit im Einsatz ist.

Intrakorneale Ringsegmente (ICRS) zum Management von Keratektasien

Die Implantation von Intrakornealen Ringsegmenten (ICRS) stellt eine der therapeutischen Modalitäten bei ­Keratektasie dar und gehört zur refraktiven Behandlung des Keratokonus. Es handelt sich nicht um eine konven­tionelle „refraktive Chirurgie“, Kontraindikationen und die mit dem Keratokonus verbundenen Besonderheiten sind zu berücksichtigen. An der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) wird die Indikation grundsätzlich vom korneorefraktiven Chirurgen selbst in der Sprechstunde für Refraktive Chirurgie gestellt.  Loïc Hamon, Prof. Dr. Berthold Seitz und Dr. Loay Daas (Homburg/Saar) berichten über die Homburger ­Erfahrungen mit ICRS zum Management von Keratektasien.

Die Bedeutung des Kälterezeptors TRPA1 für die korneale Wundheilung

In einem experimentellen Ansatz zur Charakterisierung der Erneuerungsprozesse bei kornealer Wundheilung untersuchte eine Studie der AG Mergler, in vitro Elektrophysiologie/Ionenkanalforschung, Abt. Experimentelle Ophthalmologie an der Charité ­Berlin, Kinetik und Zellmigration in einem Wundheilungszellmodell (HCK) und konnte erstmals nicht nur eine funktionelle Ex­pression des TRPA1-Kanals, sondern auch dessen funktionelle Relevanz in HCK nachweisen. Somit können Wundheilungsprozesse durch die Aktivierung des TRPA1-Kanals positiv beeinflusst werden. Julia Maria Pulst ­Caliman, Prof. Uwe Pleyer und Priv.-Doz. Dr. Stefan Mergler (Berlin) stellen die Ergebnisse ihrer Studie dar.