Autor: Katica Djakovic

XXV. Jahrestagung der JHG (Teil 2)

Jubiläumstagung der Julius-Hirschberg-Gesellschaft in Wien
Im zweiten Teil des zusammenfassenden Berichtes zur Jahrestagung der Julius-Hirschberg-Gesellschaft, die anlässlich ihrer Jubiläumsfeier nach Wien, dem Sitz der Gesellschaft, geladen hatte, berichtet Dr. Sibylle Scholtz über die referierten Themen, zu deren Bandbreite unter anderem auch ein Plagiatsstreit zwischen Kataraktchirurgen und Adolf Hitlers okuläre Giftgasverletzung gehörten.

Erhöhter Zentralvenendruck als Risikofaktor für Glaukomschaden

In der Praxis finden sich immer wieder Patienten, bei denen es trotz niedrigem Augeninnendruck und ausreichendem Perfusionsdruck zu einer Einschränkung des Gesichtsfelds kommt. Arbeiten aus den letzten Jahren weisen darauf hin, dass sich zumindest bei einigen Patienten eine solche Entwicklung durch einen erhöhten Zentralvenendruck erklären lassen könnte. In einer Studie an der Universitäts-Augenklinik Dresden wurde der Perfusionsdruck am Auge bei Glaukompatienten und Gesunden mit zwei unterschiedlichen Formeln berechnet: Neben der Standardformel wurde der Druck in der zentralen Netzhautvene in mmHg zur Berechnung des Perfusionsdrucks gemessen. Dr. Michael Haustein, S. Ventzke, Prof. Dr. rer. nat. Eberhard Spörl, Prof. Dr. Lutz E. Pillunat und Prof. Dr. Richard Stodtmeister stellen die Studienergebnisse vor und erörtern den erhöhten Zentralvenendruck als Risikofaktor für Glaukomschaden.

Altbewährte und innovative Therapie der Volkskrankheit Blepharitis

Das Stufenschema für die Augenarztpraxis
Als häufigste Ursache der hinteren Blepharitis wird die Meibomdrüsendysfunktion angesehen, die gegenwärtig vor allem in Bezug mit dem (hyperevaporativen) Trockenen Auge vermehrt in den Vordergrund tritt. Aufgrund des progredienten Charakters der Erkrankung, die initial meist asymptomatisch verläuft, kann im Spätstadium eine Therapieresistenz durch eine irreversible Atrophie der Meibomdrüsen auftreten. Zur Prävention einer fortschreitenden MGD ist die frühzeitige Diagnose und Behandlung empfehlenswert. Dr. Nicole Zimmermann und Prof. Dr. Carl Erb (Augenklinik am Wittenbergplatz, Berlin) fassen die Therapieoptionen, die sich anhand der MGD-Stadien in Form eines Stufenschemas orientieren, zusammen. Die Empfehlungen der nächsthöheren Stufe sind immer als zusätzliche Maßnahme zu den Therapieoptionen der vorherigen Stufe zu verstehen. Zusätzlich werden konkrete Präparate-Empfehlungen gegeben und insbesondere sinnvolle Kombinationen beschrieben.

Serie Auge und Sehen: Römische Augenperle

Serie zur Sammlung Roth
Die hier gezeigte Augenperle stammt aus einer Ausgrabung aus dem Stadtgebiet des frühchristlichen Konstantinopel, dem Zentrum des heutigen Istanbuls. Sie wird in das 4. Jahrhundert nach Christus datiert. Insgesamt drei Mal wiederholt sich auf der iridisierten, grün schimmernden Glaskugel das Augenmotiv. Wie man die kleine Kugel auch dreht, immer schaut eines der Augen auf den Betrachter.

Fall: Hyaluronsäureinjektionen in der Okuloplastik

Ein tiefer, persistierender Oberlidsulcus und Enophthalmus stellt für viele Patienten nach Enukleation ein kosmetisches und teilweise auch funktionelles Problem bei der Fixierung der Prothese dar. Dr. Natalie Minko und Priv.-Doz. Eckart Bertelmann (Berlin) berichten über zwei Patienten mit tiefem persistierendem Oberlidsulcus und Enophthalmus bei Postenukleationssyndrom, denen zur Behandlung eine quervernetzte Hyaluronsäure tief intradermal und intrakonal injiziert wurde. Das Resorptionsverhalten wurde anhand von Fotos protokolliert.

In-vivo-Imaging von retikulären Drusen

Die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist charakterisiert durch verschiedene phänotypische Manifestationsformen, verschiedene Krankheitsstadien und unterschiedliche Progressionraten über die Zeit. Drusen sind ein Hauptmerkmal der AMD und obwohl die genauen Mechanismen der Biogenese von Drusen nicht bekannt sind, wird dem unvollständigen Abbau von Photorezeptor-Außensegmenten im Rahmen des Sehzyklus eine wichtige Rolle zugeschrieben. Priv.-Doz. Dr. Steffen Schmitz-Valckenberg stellt gemeinsam mit Dr. Julia S. Steinberg, Dr. Florian Alten, Dr. Monika Fleckenstein und Prof. Dr. Frank G. Holz (Bonn) die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit zur Charakterisierung von retikulären Drusen bei AMD vor. Wesentliche methodische Bestandteile hierbei waren die Verwendung modernster hochauflösender Aufnahmesysteme der lebendigen Netzhaut, insbesondere der Spectral-Domain optischen Kohärenztomographie (SD-OCT) und der konfokalen Scanning Laser Ophthalmoskopie (cSLO).

Die kindlich-juvenile rhegmatogene Netzhautablösung

Die rhegmatogene Netzhautablösung bei Kindern und Jugendlichen stellt eine besondere Erkrankungsgruppe dar, die sich von der Ablatio bei Erwachsenen unterscheidet. Angesichts des Trends, Netzhautablösungen primär glaskörperchirurgisch und mittels Small-Gauge-Instrumentation zu behandeln, stellt sich die Frage, ob dieses Konzept auch bei der kindlich-juvenilen Netzhautablösung sinnvoll ist. Priv.-Doz. Dr. Silvia Bopp (Bremen) erörtert diese Frage kritisch anhand von Daten aus eigenem Patientengut.

XXV. Jahrestagung der JHG (Teil 1)

Jubiläumstagung der Julius-Hirschberg-Gesellschaft in Wien
Die 1986 gegründete ophthalmohistorische Julius-Hirschberg-Gesellschaft mit rechtlichem Sitz in Wien veranstaltete in den vergangenen Jahren insgesamt 24 jährliche wissenschaftliche Zusammenkünfte: in Wien (1987 und 1993), Ingolstadt, St. Gallen, München, Dresden, Brüssel, Potsdam, Ittingen, Mannheim, Leiden, Innsbruck (1996 und 2004), Berlin, Bern, Hamburg, Weimar, Luxemburg, Würzburg, Straßburg, Halle, Salzburg, Heiden und 2010 in Köln. Das 25. Treffen der Julius-Hirschberg-Gesellschaft fand vom 7. bis 9. Oktober 2011 zum dritten Mal wieder am Sitz der Gesellschaft in Wien statt. Dr. Sibylle Scholtz fasst die Tagungsinhalte zusammen.

Migräne- und Kopfschmerzbehandlung durch Augenlaser

Augenlaserakupunktur und Cephlas-Verfahren mittels YAG-Laser
Das so genannte Cephlas-Verfahren stellt eine Möglichkeit der Behandlung von Kopfschmerzen direkt über die Augen mit Laser dar. Dr. Peter Höh (Karlsruhe) erläutert den von ihm entwickelten Ansatz einer Augenlaserakupunktur, der darauf basiert, dass bei Kopfschmerzpatienten auf der Iris Punkte mit erhöhter Empfindlichkeit existieren und bei einigen davon eine Schmerzweiterleitung, die die Kriterien eines Triggerpunktes erfüllt, so dass es zu einem ipsilateralen Schmerzrückganges während der Laserprozedur kommen kann.

Die nahtlose Amnionmembrantransplantation

Entwicklung einer neuen Transplantationsmethode mittels Amnionring
Die Amnionmembrantransplantation ist eine seit den 1940er Jahren entwickelte Methode, die sehr effektiv bei der Behandlung von Erkrankungen der Hornhautoberfläche ist. Die chirurgische Aufnähung der Amnionmembran stellt eine zusätzliche Beeinträchtigung der Augenoberfläche dar, die durch die Verwendung eines Amnionhalters beseitigt werden könnte. In Kooperation mit Polymer-Forschern wurde eine Halterung für das Einspannen von Amnionmembranen in einen Ring entwickelt, der nahtlos auf die Augenoberfläche gesetzt werden kann. Prof. Dr. Katrin Engelmann Ilya Kotomin, Dr. Andreas Knipper und Prof. Dr. Carsten Werner stellen die neue Methode vor und berichten über einen in der Augenklinik des Klinikum Chemnitz durchgeführten Heilversuch, der eine gute Verträglichkeit bestätigte.