Aus der aktuellen Ausgabe

Sicca-Therapie jenseits der ­Hyaluronsäure

Die Anwendung der Hyaluronsäure gilt heute als Standardtherapie der verschiedenen Formen der Benetzungsstörung der Augenoberfläche (hyposekretorisch und hyperevaporativ). Im klinischen Alltag jedoch gibt es eine große Anzahl von Patienten, die mit Hyaluronsäure-Präparaten nicht ausreichend therapiert werden können. Daraus ergab sich der Wunsch nach besser benetzenden Produkten. Auch erkannte man, dass bloße Tränensubstitution angesichts komplexer immunologischer Interaktionen im Tränenfilm nicht ausreichen kann. Bereits heute stehen mehrere innovative Substanzklassen zur Verfügung. Dr. Thomas Kaercher (Heidelberg) stellt exemplarisch vier Produkte vor, deren Wirkmechanismen sich wesentlich von der Hyaluronsäure unterscheiden und die bessere klinische Ergebnisse aufweisen.

Molekularbiologische ­Pathomechanismen der MGD

Expressionsveränderungen von Genen bei der Meibomdrüsendysfunktion
Die Meibomdrüsendysfunktion (meibomian gland dysfunction, MGD) ist als chronische, diffuse Störung der Meibomdrüsen definiert, die gewöhnlich durch eine Obstruktion des terminalen Ausführungsgangs und/oder durch qualitative oder quantitative Veränderungen des Meibomdrüsensekrets gekennzeichnet ist. Dies führt zu Störungen des Tränenfilms, Symptomen okulärer Reizungen, klinisch nachweisbaren Entzündungsprozessen und Erkrankungen der Augenoberfläche. Trotz der Kenntnisse über die möglichen pathophysiologischen Zusammenhänge einer MGD und des daraus resultierenden Trockenen Auges sind die molekularbiologischen Hintergründe bislang ungeklärt. M. Sc. Antje Schröder (Erlangen) stellt Erklärungsansätze dar.

KL und Tränenfilm – ein therapeutisches Update

Ein intakter Tränenfilm ist nach wie vor die Grundbedingung für ein komplikationsfreies Kontaktlinsentragen. Sowohl die Quantität als auch die Qualität der Tränenflüssigkeit entscheiden über die Verträglichkeit einer Linse. Jedweder Mangel von Wasser, Schleim oder Inhaltstoffen der Tränen beeinträchtigt den Tragekomfort, jede extern oder intern bedingte Störung der Tränenkonvektion führt zum Risiko einer Schädigung der vorderen Augenabschnitte beim Kontaktlinsentragen. Dr. Hans-Walter Roth und Dr. Alice Nietgen (Ulm) geben ein Update zum Thema Kontaktlinsen und Tränenfilm und erläutern Behandlungsmöglichkeiten beim Tränenmangel.

177. RWA-Versammlung in Dortmund

„Augenheilkunde – Quo vadis 2025?“
Zu seiner diesjährigen Jahresversammlung lud Ende Januar der Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte (RWA) in die größte Stadt des Ruhrgebiets nach Dortmund ein. Ganz im Zeichen des Strukturwandels, den das Ruhrgebiet in den letzten Jahren vollziehen musste, stellte sich die größte regionale ophthalmologische Vereinigung in seiner Hauptsitzung den strukturellen Herausforderungen der Augenheilkunde. In einer hochkarätig besetzten berufspolitischen Sitzung wurde unter dem Thema „Augenheilkunde – Quo vadis 2025?“ die zukünftige Rolle der akademischen wie auch stationären Medizin als auch die wohnortnahe augenärztliche Grundversorgung diskutiert. Von Katica Djakovic.

Eplerenon bei Chorioretinopathia ­centralis serosa

Fallserie überprüft vielversprechenden neuen Therapieansatz
Die Chorioretinopathia centralis serosa (CCS) ist eine wiederkehrende zentrale Retinitis mit umschriebener seröser Netzhautabhebung im Bereich des hinteren Pols. Während die Erkrankung in den meisten Fällen selbstlimitierend und blande verläuft, stellen chronische und rezidivierende Verläufe ein Risiko für einen irreversiblen Sehschärfeverlust durch Narben und choroidale Neovaskularisationen dar. Da bisherige Behandlungsansätze keine überzeugenden Ergebnisse erbringen konnten, stellt die Behandlung mit Eplerenon einen vielversprechenden neuen Therapieansatz dar. ­Dr. Burkhard von Jagow, FEBO, (Berlin) diskutiert die Ergebnisse einer Fallserie, in der acht Patienten mit Chorioretinopathia centralis serosa off label mit Eplerenon behandelt wurden.

Fallbericht: Komplizierte refraktive ­Hornhautchirurgie

Die refraktive Hornhautchirurgie mittels Excimer- und Femtosekundenlaser zur Behandlung von Refraktionsfehlern gehört zur Routine in refraktiven Augenzentren. Oft stellen sich aber auch Patienten mit komplexen Fragestellungen vor, die ein besonderes Therapieregime benötigen. Dr. Laszlo Kiraly (Leipzig) erörtert anhand von zwei Fallbeispielen komplizierte refraktive Hornhautchirurgie in vermeintlich aussichtslosen Fällen.

Serie Auge und Sehen: Die Sehhilfe in der Illustration

Serie zur Sammlung Roth
Die Zeiten, in denen nur der betuchte Ratsherr, Theologe oder Kaufmann sich eine Brille leisten konnten, reichen bis hin zum Beginn der französischen Revolution, nur selten aber finden sich auf ihren Portraits die korrigierenden Gläser. Das Brillentragen geschah noch nicht öffentlich. Erst mit dem Niedergang des Adels und dem Aufstieg des Bürgertums im Biedermeier wird die Brille zum Allgemeingut für jedermann, letztendlich sogar auch für die Frau. Sehhilfen, wie auch immer sie gestaltet waren, galten dabei in weiblicher Hand anfangs mehr als ein Modeaccessoire denn als ein optisches Hilfsmittel. Sie finden jetzt ihren Eingang in die Welt der Mode und damit auch in die einschlägigen Modejournale. In Gestalt der Lorgnette beginnt die Sehhilfe die Gesichter der feinen Damen in den Illustrierten und Magazinen von damals zu schmücken.

Augenbefunde via Smartphone

Fotografische Dokumentation und Übertragung an den Facharzt 
Es gibt durchaus Ausnahmesituationen fernab einer ophthalmologischen Klinik oder Praxis, beispielsweise im Notfall oder in abgelegenen Gebieten, in denen eine fotografische Dokumentation und Übertragung von Augenbefunden an den Facharzt sinnvoll scheint. Moderne Mobiltelefone sind mit Hilfe der eingebauten Kamera in der Lage, krankhafte Befunde des Auges als Bild aufzuzeichnen und direkt über das Mobilfunknetz weltweit drahtlos zu verschicken. Dr. Hans-Walter Roth und Dr. Gregor Nietgen (Ulm) zeigen anhand von Beispielen auf, wie Augenbefunde unkompliziert und dennoch aussagekräftig aufgenommen und über die Medien, sei es per Smartphone, Tablet oder Laptop, weitergeleitet werden können. 

Mikromonovision für pseudophake Patienten

Untersuchung zu Auswirkungen auf das binokulare Sehen 
Obgleich viele Strategien zum Akkommodationsersatz existieren, ist Mini- oder Mikromonovision eine einfache und wirtschaftliche Methode, um ein besseres funktionelles Sehen zu erreichen. An der Augen- & Laserklinik Castrop-Rauxel wurde untersucht, welche Auswirkungen Mikromonovision auf das binokulare Sehen in der Ferne, auf 80 cm und 40 cm Distanz hat. Melanie Abraham und Dr. Peter Hoffmann (Castrop-Rauxel) stellen die Ergebnisse vor und erörtern die binokulare Funktion bei pseudophaken Patienten mit Mikromonovision. 

Fallbericht: Karzinomassoziierte Retinopathie

Die Karzinomassoziierte Retinopathie ist eine seltene Variante des paraneoplastischen Syndroms. Dr. Patrick Straßburger (Chemnitz) berichtet über einen 71-jährigen Patienten, der bei der Vorstellung eine subjektive Sehverschlechterung im Sinne von Gesichtsfeldeinschränkung am linken Auge beklagte, die einige Tage zuvor eingesetzt hatte. Ausgedünnte Arteriolen und multiple Mikroembolien legten den Verdacht eines vaskulären Geschehens nahe. Nach stationärer Aufnahme erfolgte trotz Hochdosis-Steroidtherapie eine deutliche Progression der Gesichtsfelddefekte und es zeigte sich ein deutlich ausgedünntes arterielles Gefäßbild. Erst in einer Dünnschicht-Thorax-CT-Aufnahme zeigte sich ein suspekter Befund im Lungenoberlappen.