Aus der aktuellen Ausgabe

Einblick in die einzelne lebende Zelle der Netzhaut

Aussagefähigkeit bildgebender Verfahren hinsichtlich individueller Sehnervschädigung beim Glaukom
Beim Glaukom können passend zum typischen Gesichtsfeldausfall eine Reduktion der Nervenfaser- und Ganglienzellschicht im OCT dargestellt werden. Allerdings kann die Anzahl und Verteilung der Ganglienzellen individuell unterschiedlich sein und die Bewertung einzelner Netzhautschichten möglicherweise zu Missdeutung oder Fehldiagnosen führen. In einer Studie beschäftigte sich Dr. Juliane Matlach (Mainz) mit der Fragestellung, ob es möglich ist, eine individuelle Anzahl von Ganglienzellen zu bestimmen, bevor ein glaukombedingter Verlust eingetreten ist, und untersuchte die diagnostische Wertigkeit des Verhältnisses der retinalen Zapfen- zur Ganglienzelldichte beim Glaukom.

Genetik kindlicher Glaukome

Die Ursache der Fehlbildung im Kammerwinkel, die zur Ausbildung des angeborenen Glaukoms führt, ist in der Regel eine Mutation in einem oder mehreren Genen. Dies führt dazu, dass bestimmte Eiweißstoffe (Proteine) im Kammerwinkel nicht oder nicht richtig produziert werden können. Die Folge ist ein unreifes, undurchlässiges Trabekelmaschenwerk oder eine undurchlässige Membran über diesem Gewebe. Dr. Claudia Schuart und Prof. Hagen Thieme (Magdeburg) stellen bisher bekannte genetische Mutationen dar, die beim primär kongenitalen und anderen sekundären kindlichen Glaukomen eine Rolle spielen können.

Glaukomdiagnostik und Trendanalyse mit OCT

Vaskuläre Läsion oder langfristiger glaukomatöser RNFL-Verlusttrend? (Teil 6)
Mit Hilfe der Optischen Kohärenztomographie (OCT) lässt sich der progrediente Nervenfaserverlust bei ­Glaukom bereits zu einem frühen Zeitpunkt nachweisen. In den ersten Teilen dieser Beitragsserie wurden die für die Glaukomdiagnostik entscheidenden Parameter in der OCT erläutert, die Möglichkeiten der Trend­analyse im Rahmen der Diagnostik anhand von Fallbeispielen mit verschiedenen OCT-Systemen aufgezeigt sowie ­Differentialdiagnosen und patientenindividuelle Verlaufsbeobachtungen des Glaukoms unter Therapie aus der Praxis dargestellt. Bereits in der letzten Folge veranschaulichte Dr. Georg Niepel (Stolberg) an ausgewählten Fallbeispielen die Grenzfälle und uneindeutigen Befunde aus der Praxis, bei denen die OCT zu ­diagnostischer Klarheit verholfen hat und berichtet hier über einen weiteren Fall aus eigener Praxis, bei dem zunächst nicht erkennbar ist, ob eine rein vaskuläre Läsion vorliegt oder ein langfristiger ­glaukomatöser RNFL-Verlusttrend.

Augenschäden durch Umwelteinfluss

Vielfältige Erreger und Umweltreize wie Luftverschmutzung, Elektrosmog und auch Klimaveränderungen, denen das Auge ausgesetzt ist, können die Sehfunktion beeinträchtigen, toxische oder allergische Prozesse unterlaufen die natürliche Abwehrlage. Vor allem aber der Kontaktlinsenträger zeigt dies durch Auftreten von Komplikationen und Störungen des Tragekomforts. Dr. Hans-Walter Roth, Dr. Mihály Vegh und Dr. Gregor Nietgen zeigen anhand von Fallbeispielen aus dem Institut für wissenschaftliche Kontaktoptik die das Auge gefährdenden Umwelteinflüsse auf, erörtern die Ursachen und Risiken und stellen vorbeugende Maßnahmen insbesondere­ für den Kontaktlinsenträger dar.

Nano-Therapien zur Anwendung an der Augenoberfläche

Der Begriff Nanocarrier oder Nanopartikel umfasst eine große heterogene Gruppe von chemischen Verbindungen. Diese bieten den Vorteil, okulare Wirkstoffe besser an bestimmte Zielorte zu liefern und versprechen, die Therapie vieler Augenkrankheiten zu revolutionieren. Die Bandbreite der möglichen Einsatzgebiete ist sehr umfangreich. Die meisten dieser vielversprechenden Ansätze befinden sich noch in der klinischen beziehungsweise präklinischen Phase, doch weisen sie bereits vielversprechende Ergebnisse auf. Marina Löscher, MBA, Dr. rer. nat. Sven Schnichels und Dr. rer. nat. José Hurst (Tübingen) stellen Anwendungsbeispiele an der Augenoberfläche dar.

Der Ohrenbügel

Serie zur Sammlung Roth (Folge 88)
Die ersten optisch geschliffenen Gläser, die zum Ausgleich der altersbedingten Weitsichtigkeit dienten, hielt man sich entweder dicht vor das Auge oder wie beim heutigen Vergrößerungsglas nahe vor das zu betrachtende Objekt. Beim Lesestein beziehungsweise späteren Einglas geschah dies noch ohne Halterung, später wurde die Vergrößerungshilfe wie bei der Lupe mit einer Fassung versehen, an der sich ein kleiner Holzgriff befand. Aus zwei solchen Gläsern, an ihrem Ende miteinander beweglich fixiert, entstand die Nietbrille, die man sich über zwei Jahrhunderte lang mehr oder weniger fest auf die Nase klemmte. Das galt auch für die späteren, in biegsamen Draht- oder Ledergestellen gefassten Brillengläser. Diese und auch ihre Folgemodelle mit festem Nasensteg – wie der Zwicker oder 
Kneifer – kennzeichnete ein instabiles Sitzverhalten.

Keratokonus-Screening mittels biomechanischer Scheimpflug-Analysen

Eine Evaluation aktueller Indices
Mit der Entwicklung eines biomechanischen Index (Corvis Biomechanischer Index, CBI), gemessen mit dem Corvis-ST, und eines kombiniert tomographischen und biomechanischen Index (TBI), ermittelt aus Messdaten des Corvis-ST und der Pentacam-HR, wurde laut aktueller Studienlage eine bisher unerreichte Screening-Genauigkeit des Keratokonus erzielt. Im Rahmen einer Studie wurde überprüft, ob sich die hervorragenden Ergebnisse zum Keratokonus-Screening mittels TBI reproduzieren lassen und ob die neuen in-vivo biomechanischen Analysen die Genauigkeit des aktuellen Keratokonus-Screening-Goldstandards der topographischen und tomographischen Analysen übertreffen und somit auch potentiell sicher subklinische Formen des Keratokonus identifizieren können. Priv.-Doz. Dr. Johannes Steinberg, FEBO, Dr. Andreas Frings, Priv.-Doz. Dr. Toam Katz und Priv.-Doz. Dr. Stephan J. Linke erläutern die Ergebnisse.

Die stadiengerechte Stufentherapie beim Keratokonus

Für den Erfolg einer Therapie bei Keratokonus stellt vor allem das frühzeitige Erkennen der Erkrankung beziehungsweise seiner Progression einen bedeutenden Faktor dar. Dr. Sebastian Siebelmann, Priv.-Doz. Dr. Mario Matthaei, FEBO, Priv.-Doz. Dr. Friederike Schaub, Priv.-Doz. Dr. Manuel Hermann, Prof. Björn Bachmann und Prof. Claus Cursiefen (Köln) geben einen Überblick über die aktuelle stadiengerechte Stufentherapie beim Keratokonus und einen Ausblick auf mögliche neue therapeutische Optionen.

Vorpräparierte lamelläre Hornhauttransplantate

Studienergebnisse zur Precut- und Preloaded-DMEK
Während die Technik der DMEK-Implantation von erfahrenen Vorderabschnitt-Chirurgen relativ rasch erlernt wird, bleibt die manuelle Präparation der Spenderlamelle ein Unsicherheitsfaktor. Immer häufiger werden vorpräparierte DMEK-Lamellen direkt aus der Gewebebank nachgefragt, doch bislang verfügen nur die Gewebebanken in Sulzbach und Hannover über die Genehmigung zur Herstellung und zum Inverkehrbringen dieser Lamellen. In zwei Studien konnten die Augenklinik Sulzbach und die DGFG zeigen, dass vorpräparierte Lamellen im Langzeitverlauf mindestens genauso sicher sind wie eigenpräparierte Lamellen. Zusätzlich liegen erstmals Daten der Zulassungsstudie zur neuen Preloaded-DMEK aus der Augenklinik Sulzbach vor, die Prof. Peter Szurman, Dr. Annekatrin Rickmann, FEBO, Dr. Nicola Hofmann, Dr. Arno Haus, FEBO, Regina Michaelis, Tanja Petrich, Dr. Lutz Blomberg, Martin Börgel und Dr. Silke Wahl im Folgenden erläutern.

Berliner Immunologie Seminar 2018

„Infektion? – Autoimmun? – Autoinflammation?“
Das diesjährige Berliner Immunologie Seminar (BIS) fand am 2. Juni traditionell im Kaiserin-Friedrich-Haus in Berlin unter der Leitung von Prof. Uwe Pleyer, Augenklinik der Charité Berlin, Campus Virchow Klinikum, statt. Die verschiedenen Vorträge der Referenten zum breiten Spektrum entzündlicher Augenerkrankungen umfassten viele neue „Einblicke und Ausblicke“. Dr. Dominika Pohlmann (Berlin) berichtet über einige ausgewählte Aspekte des Tagungsprogramms.