Aus der aktuellen Ausgabe

Schuffenhauers Augentropfenzähler

Serie zur Sammlung Roth (Folge 84)
Die Anwendung von Medikamenten am Auge war in der Vergangenheit gar nicht so einfach. Während die Menge einer Salbe, die ans Auge gelangen sollte, sich mehr oder weniger durch den Lidschlag selbst regelte, galt dies für Tropfen nicht. So musste doch die Dosis möglichst konstant sein, die in den ­Tropfen enthaltenen Bestandteile sollten sich gleichmäßig über das Auge ­verteilen und seine vorderen Abschnitte überall und gleichmäßig benetzen. Dies wurde umso nötiger, je mehr Wirkstoffe in den Tropfen am Auge enthalten waren. Man denke nur an die ersten Präparate zur Behandlung des ­Glaukoms. Aber auch die Menge von Antibiotika oder entzündungs­hemmenden ­Substanzen galt es, am Auge sorgfältig zu dosieren.

Kongressbericht: 19. Augenärztliche Akademie Deutschlands (AAD)

Umbau, Fortbildung und „Bürgerversicherung light“
Rund 5.700 Teilnehmer besuchten die 19. Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD), die in diesem Jahr vom 13. bis 17. März erneut im Congress Center Düsseldorf (CCD) wenngleich mit leicht veränderten Räumlichkeiten tagte. Die gemeinsame Fortbildungsveranstaltung von BVA und DOG bot neben dem gewohnt umfangreichen fünftägigen Programm mit Vorlesungen und Keynote Lectures auch die Möglichkeit, beim Berufspolitischen Seminar des BVA die Auswirkungen einer Umgestaltung des Gesundheitssystems durch eine einheitliche Gebührenordnung zu diskutieren. Ulrike Lüdtke berichtet über den Jahreskongress in Düsseldorf.

Trabekulärer Mikro-Bypass: Aktuelle Real-Life-Daten

Die therapeutischen Ergebnisse aus großen, kontrollierten Zulassungsstudien können von den Behandlungsergebnissen, die in der augenärztlichen Praxis erzielt werden, teils deutlich abweichen. Dr. Ronald D. Gerste (Washington) fasst die ersten Daten und klinischen Erfahrungen zur Drucksenkung mittels Injektion eines Mikroimplantates, dem iStent inject, der bei milden bis moderaten Glaukomverlaufsformen ab interno einen Abfluss durch das Trabekelmaschenwerk schafft, zusammen, die im Rahmen aktueller Tagungen präsentiert wurden und vergleicht sie mit den Ergebnissen aus vorliegenden kontrollierten klinischen Studien.

Erste klinische Erfahrungen mit dem Kahook Dual Blade

Das Spektrum der minimalinvasiven Glaukomchirurgie (MIGS) erweitert sich in den letzten Jahren beständig. Ein neuer Ansatz ist die Exzision eines Streifens des Trabeculum corneosclerale mit einem doppelschneidigen Mikromesser. Die Senkung des Augeninnendruckes wird durch die Reduktion des trabekulären Abflusswiderstandes und eine Freilegung der Kollektorkanäle erreicht. Dr. Karsten Klabe und Dipl.-Biol. Cornelia Ullmann ­(Düsseldorf) berichten über erste klinische Erfahrungen mit dem Kahook Dual Blade.

Neurotrophe Keratopathie – eine neue Therapieoption

Die neurotrophe Keratopathie ist eine seltene Erkrankung, die charakterisiert ist durch schwer heilende Epitheldefekte bis hin zur Entwicklung von Ulcera. Bislang war die Therapie palliativer Natur, ein Standardvorgehen fehlte und es galt, ein individuelles Therapiekonzept zu finden, das sich am Schweregrad der Erkrankung orientiert. 
Im Juli 2017 wurde mit Cenegermin das erste biotechnologische Medikament zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer neurotropher Keratopathie zugelassen, das seit November weltweit zur Verfügung steht. Jan Alder und Prof. Gerd Geerling ­(Düsseldorf) stellen die neue Therapieoption vor.

Immunmodulatorische Einflüsse auf Hornhaut und Augenoberfläche

Hornhauttransplantationen gehören zu den häufigsten Transplantationen weltweit. In der so genannten Hoch­risikosituation ist die Empfängerhornhaut durch Entzündungen und eingewachsene Blut- und Lymphgefäße ­vorbelastet. Dies führt zu einem erhöhten Risiko für eine immunologische Abstoßungsreaktion. Im Rahmen der DFG-geförderten Forschergruppe FOR 2240 am Universitätsklinikum Köln erforscht Ann-Charlott Schneider (Köln) die immunmodulatorischen Einflüsse auf der Hornhaut und Augenoberfläche durch lokale anti(lymph)-angiogene Therapie. Hierzu wird an einem Mausmodell überprüft, wann und über welchen Zeitraum eine ­therapeutische Hemmung des Einwachsens der Gefäße am sinnvollsten ist.

Zur Bedeutung und Wertung praxisüblicher Tränentests

Alle in einer Praxis durchführbaren Tests zur Prüfung der Tränensekretion haben den Nachteil, dass sie, isoliert betrachtet, nur eine eingeschränkte Aussage über Ursache, Zustand des Auges und therapeutische ­Konsequenz eines Tränenmangelsyndroms erlauben. Erst die Kombination der Daten von Spaltlampenbefund, Schirmertests, Tränenfilmaufreißzeit, Tränenmeniskus, Anfärbbarkeit, Pachymetrie und Thermometrie erlaubt eine saubere Diagnosestellung und ein darauf aufbauendes, adäquates therapeutisches Vorgehen. Dr. Hans-Walter Roth (Ulm) diskutiert die Bedeutung und Wertigkeit ­praxisüblicher Tränensekretionstests.

Gehirn und Auge

Entwicklung der kortikalen Informationsverarbeitung in der Netzhaut (Teil 1)
Das Gehirn entwickelt pränatal neben der Struktur des Auges drei zelluläre Körnerschichten zwischen den ­Grenzmembranen der Retina. Diese können diffraktiv-optisch mit den drei, den Fotorezeptoren lichtwärts ­vorgelagerten zellulären Phasengittern Funktionalitäten der kortikalen Informationsverarbeitung übernehmen. Dr. Norbert Lauinger, Institut für Optosensorik, Wetzlar, erläutert in Teil 1 seines Beitrages, wie die ­Raumgitteroptik die Fotochemie der Rezeptorenpigmente beziehungsweise die Lage der Gipfel der ­spektralen Hellempfindlichkeitskurven der vier Fotorezeptoren im Spektrum bestimmt sowie Grundlagen der ­Ortsfrequenzfilterung in der Netzhaut, die zu den Visusdaten führt.­

Hypothermiebehandlung: Protektiver Effekt auf retinale Ganglienzellen

Studie am Organkulturmodell der Schweineretina
Die als therapeutische Hypothermie bezeichnete gezielte Absenkung der Körpertemperatur wird bereits seit geraumer Zeit bei herzchirurgischen Eingriffen und bei Schlaganfällen routinemäßig zur Reduktion degenerativer Prozesse eingesetzt. Außerdem konnte an kultivierten ischämischen Rinderaugen ein protektiver Effekt der ­Hypothermie nachgewiesen werden. Basierend auf diesen Tatsachen wurde im Rahmen einer Studie der ­protektive Einfluss der Hypothermie auf die retinalen Ganglienzellen in einem neu etablierten Degenerations­modell der Schweineretina untersucht. Priv.-Doz. Dr. Stephanie C. Joachim, Ana M. Maliha (M. Sc.), Hannah Döpper (M. Sc.) und Dr. Sven Schnichels stellen die Daten vor.

Zur Geschichte der Sympathischen Ophthalmie

Die seltene Sympathische Ophthalmie (SO) ist eine beidseitige granulomatöse Uveitis, die nach durchbohrender Augenverletzung oder operativem Eingriff bereits nach fünf Tagen bis 50 Jahre später auftreten kann. 1583 wurden durch Bartisch erstmals Symptome geschildert, die vermutlich erste erfolgreiche Behandlung wird Eisenbarth 1716 zugeordnet. Genaue Beschreibungen mit Prognose der SO stammen von Mackenzie 1840 in London und von Ammon 1843 in Dresden. Fuchs gelang 1905 der exakte histologische Nachweis. Priv.-Doz. Dr. Manfred Jähne, FEBO (Schneeberg) berichtet auch über drei bekannte Persönlichkeiten (Johann der Blinde, Louis Braille, König Georg V. von Hannover), die an der SO erblindeten sowie abschließend über die Einmischung der Staatssicherheit der DDR wegen eines an SO erkrankten Kindes.