Autor: Katica Djakovic

AAD 2015 in Düsseldorf

„Die Einzelpraxis ist gestorben“
Was können wir tun, um den Fortbestand der Augenkliniken zu sichern, lautete die zentrale Fragestellung, die der BVA-Vorsitzende Bertram im diesjährigen berufspolitischen Symposium der AAD erläuterte und dessen Notwendigkeit er zugleich auch ausführlich begründete. Prominente Unterstützung für sein Plädoyer hatte er mit dem ehemaligen KBV-Vorsitzenden Dr. Andreas Köhler, der dem Fach eine mit der gegenwärtigen Versorgungsstruktur nicht zu bewältigende Ambulantisierung prognostizierte. Es gelte nun, die richtigen Entscheidungen zu treffen: „Sie stehen am Scheideweg“, mahnte Köhler, der sein Konzept einer möglichen tragfähigen zukünftigen Struktur präsentierte. Von Ulrike Lüdtke M.A.

Minimalinvasive Glaukomchirurgie beim PEX-Glaukom

Triple Procedure mit Trabektom, Trabekelaspiration und Phakoemulsifikation
In den letzten Jahren wurden verschiedene neue Methoden der minimalinvasiven Glaukomchirurgie entwickelt. Insbesondere die Entfernung des Trabekelmaschenwerkes durch eine elektrochirurgische Abtragung in Form des Trabektoms zeigt Potential zur Drucksenkung beim Pseudoexfoliationsglaukom (PEX). Da sich die Trabekelaspiration und das Trabektom sowie die Phakoemulsifikation chirurgisch gut kombinieren lassen, stellte sich die Frage, ob diese Kombination als Triple Procedure einen zusätzlichen Effekt verglichen mit Trabekelaspiration und Phakoemulsifikation hat. Im Rahmen einer Untersuchung wurden der langfristige Effekt der Triple Procedure und die Druckentwicklung über einen Zeitraum von 36 Monaten untersucht. Priv.-Doz. Dr. Randolf A. Widder, Dr. Corina Rennings, Dr. Pia Kühnrich, Dr. Elmar Winsauer und Priv.-Doz. Gernot Rößler (Düsseldorf) stellen die Ergebnisse vor.

Refraktives und visuelles Ergebnis ­kombinierter Trabektom-Katarakt-OP

Die Trabekulotomie ab interno mit dem Trabektom ist ein etabliertes Operationsverfahren in der Glaukomchirurgie und auch in Kombination mit der Kataraktoperation technisch sehr gut möglich, wobei der drucksenkende Effekt hierdurch eher verbessert werden konnte. Da eine möglichst präzise Vorhersage der postoperativen Refraktionswerte in der modernen Kataraktchirurgie unerlässlich geworden ist, stellt sich neben dem Aspekt der Drucksenkung auch die Frage, ob die Kombination beider Verfahren einen Einfluss auf das refraktive und visuelle Ergebnis der Kataraktoperation hat und ob möglicherweise ein anderes Komplikationsprofil als bei einzelnen Eingriffen vorliegt. Dr. Jan Lübke, Dr. Matthias Neuburger, Dr. Alexandra Anton und Prof. Dr. Jens F. Jordan (Freiburg) fassen die Ergebnisse einer Auswertung eigener Daten zusammen.

MIGS – Aktuelle Studienergebnisse zu Titanimplantat

Tensiosenkung nach kombinierter Katarakt- und Glaukom-OP ab interno
Die minimalinvasive Glaukomchirurgie (MIGS, minimally invasive glaucoma surgery) wurde durch ein neuartiges Titanimplantat erweitert, das als Nachfolgemodell in der zweiten Generation unter dem Namen iStent inject seit März 2014 in Europa erhältlich ist. Aktuelle Einjahresergebnisse auch aus eigener Studie, in die Patienten mit Offenwinkelglaukom, Pseudoexfoliationssyndrom und signifikanter Katarakt ohne Voroperationen eingeschlossen waren, sowie Ergebnisse im Literaturvergleich zu bisher etablierten Glaukomverfahren fasst Dr. Juliane Wächter (Berlin) zusammen.

Gel-Stent: Erste Erfahrungen und ­Ergebnisse beim Offenwinkelglaukom

Implantation des neuen gelatinebasierten XEN-Stents
Das XEN-Implantat ist ein neuer Glaukom-Stent, der – wie bei einer Trabekulektomie – einen Abfluss des Kammerwassers unter die Bindehaut ermöglicht. Das Implantat besteht aus biologischem Kollagen und wird durch einen mikrochirurgischen Eingriff subkonjunktival eingesetzt. Dr. Fabian Höhn, FEBO, und Dr. Nicolaos Bellios (Pforzheim) berichten über erste Implantationserfahrungen und Ergebnisse beim Offenwinkelglaukom.

(Hör-)Sehschädigung und Sicherheit im Straßenverkehr

Die Risiken und Gefahren für blinde und sehbehinderte Menschen im Straßenverkehr, insbesondere bei einer gleichzeitig vorliegenden Hörschädigung, können durch die ungenügenden und teils uneindeutigen rechtlichen Bestimmungen hinsichtlich der visuellen Anforderungen an Auto- und Fahrradfahrer sowie an sehbehinderte Fußgänger begünstigt werden. Aufgeklärt werden muss bei Sehbehinderung über Unfallgefahren und damit verbundene rechtliche Konsequenzen, über die notwendige Kennzeichnung der eigenen Behinderung sowie über Hilfsangebote und Schulungsmöglichkeiten. Dr. Nadja Högner (Berlin) erläutert anhand eigener Studienergebnisse die Bedeutung einer umfassenden Beratung der Betroffenen auch im Rahmen der augenärztlichen Untersuchung.

Serie Auge und Sehen: Das Auge auf der Briefmarke

Serie zur Sammlung Roth
Designer haben es längst erkannt, dass das Auge, wo auch immer es dargestellt ist, eine besondere Faszination auf den Betrachter ausübt. Dies gilt selbst dann, wenn es von einer Sehhilfe umrahmt wird. Das Auge ist daher in der Kunst und Kultur ein häufig verwendetes Motiv und findet sich heute auf allen möglichen gebräuchlichen Gegenständen des Alltags. Ein Betrachter, der ein Auge auf sich gerichtet sieht, fühlt sich beobachtet, der Blick kann ihn warnen oder mahnen. Diese Ausstrahlung macht sich vor allem die Werbung zunutze, um die Aufmerksamkeit des Kunden einzufangen. Das ist nicht neu. So findet sich das Auge mit und ohne Brille bereits seit dem 15. Jahrhundert auf Bildern, in Grafiken, auf Münzen, später auf Geldscheinen und wie hier abgebildet sogar auf Briefmarken.

Sicca-Therapie jenseits der ­Hyaluronsäure

Die Anwendung der Hyaluronsäure gilt heute als Standardtherapie der verschiedenen Formen der Benetzungsstörung der Augenoberfläche (hyposekretorisch und hyperevaporativ). Im klinischen Alltag jedoch gibt es eine große Anzahl von Patienten, die mit Hyaluronsäure-Präparaten nicht ausreichend therapiert werden können. Daraus ergab sich der Wunsch nach besser benetzenden Produkten. Auch erkannte man, dass bloße Tränensubstitution angesichts komplexer immunologischer Interaktionen im Tränenfilm nicht ausreichen kann. Bereits heute stehen mehrere innovative Substanzklassen zur Verfügung. Dr. Thomas Kaercher (Heidelberg) stellt exemplarisch vier Produkte vor, deren Wirkmechanismen sich wesentlich von der Hyaluronsäure unterscheiden und die bessere klinische Ergebnisse aufweisen.

Molekularbiologische ­Pathomechanismen der MGD

Expressionsveränderungen von Genen bei der Meibomdrüsendysfunktion
Die Meibomdrüsendysfunktion (meibomian gland dysfunction, MGD) ist als chronische, diffuse Störung der Meibomdrüsen definiert, die gewöhnlich durch eine Obstruktion des terminalen Ausführungsgangs und/oder durch qualitative oder quantitative Veränderungen des Meibomdrüsensekrets gekennzeichnet ist. Dies führt zu Störungen des Tränenfilms, Symptomen okulärer Reizungen, klinisch nachweisbaren Entzündungsprozessen und Erkrankungen der Augenoberfläche. Trotz der Kenntnisse über die möglichen pathophysiologischen Zusammenhänge einer MGD und des daraus resultierenden Trockenen Auges sind die molekularbiologischen Hintergründe bislang ungeklärt. M. Sc. Antje Schröder (Erlangen) stellt Erklärungsansätze dar.

KL und Tränenfilm – ein therapeutisches Update

Ein intakter Tränenfilm ist nach wie vor die Grundbedingung für ein komplikationsfreies Kontaktlinsentragen. Sowohl die Quantität als auch die Qualität der Tränenflüssigkeit entscheiden über die Verträglichkeit einer Linse. Jedweder Mangel von Wasser, Schleim oder Inhaltstoffen der Tränen beeinträchtigt den Tragekomfort, jede extern oder intern bedingte Störung der Tränenkonvektion führt zum Risiko einer Schädigung der vorderen Augenabschnitte beim Kontaktlinsentragen. Dr. Hans-Walter Roth und Dr. Alice Nietgen (Ulm) geben ein Update zum Thema Kontaktlinsen und Tränenfilm und erläutern Behandlungsmöglichkeiten beim Tränenmangel.