Aus der aktuellen Ausgabe

10. Hamburger Glaukomtag

„Glaukom ist auch ­Neuroophthalmologie“
Zum 10. Hamburger Glaukomtag Ende April hatten Prof. Maren Klemm als stellvertretende und aktuell kommissarische Direktorin und Dr. Rüdiger Schwartz als Oberarzt der Universitäts-Augenklinik Hamburg-Eppendorf in das historische Gebäude der Handelskammer ihrer Freien und Hansestadt eingeladen, 203 Teilnehmer wurden gezählt. Der Bogen der klinisch orientierten Vorträge über das Spektrum der Glaukomerkrankung war von der Physiologie und der Diagnostik über die konservative und operative Behandlung bis hin zu neuen und experimentellen Therapieansätzen gespannt. Von Dr. Udo Hennighausen (Hamburg).

Pseudophake Monovision und trifokale Hinterkammerlinsen

Vergleich zweier Prinzipien zur Presbyopiekorrektur
Seit vielen Jahren wird bei Katarakt- oder Linsenchirurgie entweder die Monovision mit monofokalen Hinterkammerlinsen (HKL) oder die Pseudoakkommodation mit mehrfokalen HKL (MIOL) genutzt, um Fehlsichtigkeiten auszugleichen. Das Ziel beider Korrekturprinzipien ist eine möglichst hohe Brillenunabhängigkeit, ohne zu große Kompromisse in Bezug auf die Sehschärfe und auf die Sehqualität eingehen zu müssen. Prof. Ekkehard Fabian, Plamenca Rübecamp (Rosenheim) und Priv.-Doz. Dr. Mathias Maier (München) diskutieren anhand von eigenen mehrjährigen Patientendaten die Vor- und Nachteile beider Methoden zur Korrektur der Presbyopie.

Negative Dysphotopsie nach Kataraktoperation

Ein relativ häufiges Problem nach komplikationsloser Kataraktoperation ist das Auftreten einer so genannten negativen Dysphotopsie. Hierbei handelt es sich um scharf umgrenzte Schattenbildungen im temporalen Gesichtsfeld, die lange bestehen können, manchmal spontan verschwinden und die manche Patienten als so störend erleben, dass sie die Explantation der IOL verlangen. In der Literatur werden negative Dysphotopsien intensiv diskutiert, ohne dass bisher eine allgemein akzeptierte Erklärung zu finden war. Prof. Martin Wenzel (Trier) und Prof. Achim Langenbucher (Homburg/Saar) stellen eine neue Deutung des Phänomens vor.

Frühe Intervention bei vitreomakulärer Traktion

Eigene Anwendungsergebnisse zur pharmakologischen Vitreolyse
Eine anormal verlaufende Glaskörperabhebung kann zu einer vitreomakulären Traktion (VMT) mit weitreichenden Folgen wie epiretinalen Membranen und Makulalöchern führen. War bisher nur ein Abwarten und Beobachten sowie meist im späteren Stadium eine Vitrektomie als Intervention möglich, so steht seit Mai 2013 mit Ocriplasmin ein Wirkstoff zur pharmakologischen Vitreolyse und Glaskörperabhebung zur Verfügung. Dr. Karsten Klabe und Dr. Hakan Kaymak (Düsseldorf) berichten im Folgenden über die ersten eigenen Erfahrungen mit Ocriplasmin und geben einen aktuellen Überblick zum Krankheitsbild der VMT, inklusive der neuesten Klassifikationsempfehlungen sowie zur Abgrenzung der nunmehr vorhandenen Therapieoptionen.

Serie Auge und Sehen: Der Sehtest

Serie zur Sammlung Roth
Schon früh erkannte der Mensch, dass Natur und Umwelt hohe Anforderungen an das Auge stellen. Eine sichere Orientierung in unbekanntem Gelände und das Aufspüren der Jagdbeute müssen für den Fehlsichtigen vor Erfindung der Brille schwierig gewesen sein. Das verzögerte Erkennen von Gefahren entschied über Leben und Tod. Kurzsichtige dürften ihre Fähigkeit beim Sammeln von Beeren und Früchten bemerkt, Weitsichtige ihre Zielsicherheit bei der nächtlichen Jagd erkannt haben. Die Evolution ließ bis zu einem gewissen Maße beide Formen der Fehlsichtigkeit zu. Nur im Stamm war das Überleben von kurzsichtigen und weitsichtigen Menschen garantiert. Ob oder wie man zu Urzeiten die Sehschärfe prüfte, bleibt uns allerdings unbekannt, Sehtests sind nicht überliefert, sie hätten aber durchaus ihren Sinn gehabt.

SMILE in der refraktiven Laserchirurgie

Erfahrungen mit dem minimalinvasiven Verfahren zur refraktiven Hornhautkorrektur
Die Small Incision Lenticule Extraction (SMILE) ist inzwischen standardisiert und von der KRC als wissenschaftliches Verfahren zur Korrektur von Myopien zwischen –3 und –8 dpt anerkannt. Im Augencentrum Köln werden SMILE-Operationen seit Ende 2010 zur Korrektur von Myopie und myopem Astigmatismus durchgeführt. Dr. Bertram Meyer (Köln) fasst die aus über 1.500 Eingriffen gewonnenen Erfahrungen zusammen.

Berufliche Wiedereingliederung von Menschen mit Sehschädigung

Ein Großteil der hochgradig Sehbehinderten und Blinden in Deutschland hat die Sehschädigung erst infolge progredienter Augenerkrankungen – und somit nach beruflicher Erstausbildung – entwickelt. Die Inanspruchnahme beruflicher Rehabilitationsleistungen ist trotz spezieller Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen unzureichend, was darauf zurückgeführt wird, dass es zu wenig rechtzeitige Aufklärung durch die behandelnden Augenärzte und Beratungsstellen gibt. Dr. Nadja Högner und Sophia Wenk (Berlin) stellen die Ergebnisse ihrer Studie am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin über die Bedeutung von Umschulungsmaßnahmen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt dar.

Kanaloplastik mit suprachoroidaler Drainage

Modifizierte OP-Technik zur effektiveren Drucksenkung
Da die herkömmliche Kanaloplastik den uveoskleralen Abflussweg vernachlässigt und nur den Weg über den Schlemm‘schen Kanal und das Trabekelmaschenwerk nutzt, könnte hier noch ungenutztes drucksenkendes Potential liegen. An der Augenklinik Sulzbach wurde eine modifizierte Variante entwickelt, wonach zusätzlich zur herkömmlichen Kanaloplastik eine suprachoroidale Drainage angelegt wird. Hierdurch kann ein zusätzlicher Abfluss des Kammerwassers in den suprachoroidalen Raum zur Optimierung der Drucksenkung beitragen. Dr. Anna-Maria Seuthe, Ciprian Ivanescu und Prof. Peter Szurman (Sulzbach) beschreiben die modifizierte OP-Technik.

Fallbericht: Lamelläre Keratoplastik bei kongenitalem Glaukom?

Das primär kongenitale Glaukom manifestiert sich überwiegend innerhalb des ersten Lebensjahres als bilaterale Erkrankung in 70 Prozent der Fälle. Infolge unphysiologisch erhöhter Augeninnendruckwerte kommt es in den ersten drei Lebensjahren sowohl zu einer Vergrößerung des Auges als auch des Hornhautdurchmessers (Buphthalmus). Jolanta Prikule, Sabine Seddig und Prof. Markus Kohlhaas (Dortmund) erörtern den Fall eines 37-jährigen Patienten mit primär kongenitalem Glaukom, der mit der Fragestellung nach einer perforierenden Keratoplastik zur Visusverbesserung bei Haab‘schen Leisten des linken Auges vorstellig wurde.

Serie Auge und Sehen: Die Brille des Soldaten

Serie zur Sammlung Roth
Gutes Sehen war zu allen Zeiten Grundbedingung für Lebensqualität, es war eine Lebensversicherung. Dies galt in ganz besonderem Maße für den Soldaten. Ein Weitsichtiger war ohne Brille vielleicht gerade noch als Bogenschütze tauglich, dem Kurzsichtigen blieb bestenfalls der Nahkampf. Schon in den Heeren der Antike versuchte man daher, den Sehbehinderten vom Kriegsdienst auszuschließen, war doch ein Kurzsichtiger ohne Sehhilfe so gut wie blind und gefährdete sich und womöglich die eigenen Reihen auf dem Schlachtfeld. Ausnahmen gab es nur für den Ruderer auf den Galeeren. Der war, selbst wenn hochgradig sehbehindert, für den Krieg noch brauchbar. Auch nach Erfindung der Brille im 12. Jahrhundert änderte sich daran kaum etwas. Brillen waren auf dem Schlachtfeld unbekannt, Sehhilfen für Soldaten gab es erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.