Aus der aktuellen Ausgabe

Autofluoreszenz zur Diagnose hereditärer Netzhautdystrophien

Photorezeptoren (Zapfen und Stäbchen) und das retinale Pigmentepithel (RPE) bilden eine funktionelle Einheit, daher kommt es im Verlauf von retinalen Erkrankungen – unabhängig davon, welches die erstbetroffene Struktur ist – immer zu einer Mitbeteiligung des RPE. Diese Mitbeteiligung zeigt sich in der Fundusautofluoreszenz entweder als teilweise charakteristisches hyperfluoreszentes Muster oder als RPE-Atrophie. Dr. Tobias Hager und Prof. Dr. Berthold Seitz (Homburg/Saar) erörtern im Folgenden die Autofluoreszenz zur Diagnose von hereditären Fundusdystrophien.

Akute makuläre Neuroretinopathie

Indirektes Trauma als mögliche Ursache?

Die akute makuläre Neuroretinopathie (AMNR) ist ein seltenes Krankheitsbild, von dem bisher nur wenige Fälle in der Literatur beschrieben worden sind. Die betroffenen Patienten beklagen initial häufig eine zumeist passagäre Visusminderung und persistierende parazentrale Skotome auf dem betroffenen Auge. Ein indirektes Trauma als mögliche Ursache einer AMNR konnte bislang nicht definitiv belegt werden. Durch eine Kooperation dreier Augenkliniken gelang es, insgesamt fünf Patienten mit AMNR-typischen retinalen Veränderungen und Symptomen, die bei allen Patienten jeweils direkt in Anschluss an einen Autounfall ohne direkte Verletzung des Kopfes oder der Augen aufgetreten waren, zusammenzustellen und mittels multimodaler Bildgebung zu untersuchen. Dr. Martin M. Nentwich, Prof. Dr. Anita Leys, Dr. Andreas Cramer und Prof. Dr. Michael W. Ulbig erläutern die Ergebnisse.

DOG-Symposium der Julius-Hirschberg-Gesellschaft

Seit vielen Jahren tagt das ophthalmohistorische Symposium der Julius-Hirschberg-Gesellschaft (JHG) im Rahmen der DOG-Jahreskongresse udn hat sich schon fast zu einer Tradition etabliert. Unterstützt wurden die beiden Vorsitzenden der Sitzung, der JHG-Geschäftsführer Frank Krogmann (Thüngersheim) und Prof. Dr. Guido Kluxen (Wermelskirchen), in diesem Jahr durch vier weitere Referenten. Von Dr. Sibylle Scholtz (Ettlingen).

Serie Auge und Sehen: Das Visolettglas

Serie zur Sammlung Roth
Auch wenn man sie zu den Lupen rechnet, Visolettgläser sind eigentlich Lesesteine. Als vergrößernde Sehhilfe werden sie direkt auf den Text aufgesetzt und erlauben dabei Vergrößerungsfaktoren bis zum 5-fachen. Aufgrund der einfachen Handhabung waren sie vor allem bei älteren Menschen beliebt. Bei Vorliegen einer Makuladegeneration waren sie vor der Einführung des Bildschirmlesegeräts die Sehhilfe der Wahl. Im Gegensatz zur klassischen Leselupe brauchten sie nämlich nicht mit der zittrigen Hand gehalten werden, sondern lagen dem Text fest auf. Als das Briefmarkensammeln zum Hobby wurde, boomte ihr Absatz weltweit. So gehörten sie auch in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg zur standardmäßigen Schreibtischausrüstung des Beamten. Ihre historische halbkugelige Form wurde – sie wäre auch kaum zu verbessern – bis heute beibehalten und findet sich in modernen Paperweights wieder.

50 Jahre Augenklinik Neubrandenburg

Im Jahr 1963 und damit vor genau 50 Jahren wurde die Augenklinik Neubrandenburg gegründet. Der heutige Chefarzt Prof. Dr. Helmut Höh nahm das Jubiläum als Anlass, um ehemalige und derzeitige Klinik-Mitarbeiter, Augenärzte und Kooperationspartner sowie Gäste und Freunde der Klinik zu einem wissenschaftlichen Symposium nach Neubrandenburg einzuladen. Von Dr. Udo Hennighausen (Heide).

Vernarbendes Schleimhautpemphigoid

Klinische Varianz der okulären Manifestation
Das vernarbende Schleimhautpemphigoid ist eine Autoimmunerkrankung, die durch Autoantikörper gegen diverse Strukturproteine der dermoepidermalen Übergangszone charakterisiert ist. Klinisch zeichnet sich die okuläre Manifestation meist durch einen schleichenden Beginn mit nahezu immer beidseitiger, rezidivierender konjunktivaler Hyperämie aus. Dr. Mahdy Ranjbar, Prof. Dr. Salvatore Grisanti und Dr. Anne Brüggemann (Lübeck) erläutern die klinische Varianz des vernarbenden Schleimhautpemphigoids mit okulärer Beteiligung.

Anti-VEGF-Therapie: Fehlindikationen und Off-Label-Einsatz

Zur Behandlung feuchter Makulaerkrankungen mit intravitrealen Injektionen gibt es klar definierte Empfehlungen der Fachgesellschaften. Doch ist die Beurteilung zur Indikation nicht immer einfach. Zudem weisen neuere wissenschaftliche Daten auf einen vielversprechenden IVOM-Einsatz bei weiteren Krankheitsbildern außerhalb des Zulassungsbereiches hin.
Dr. Christine Kusserow-Napp, Dr. Stefanie Pape und Priv.-Doz. Dr. Silvia Bopp (Bremen) problematisieren die Anti-VEGF-Therapie bei feuchten Makulaerkrankungen hinsichtlich Fehlindikationen und Off-Label-Therapien.

Anwenderbericht: Neuartige Silikon-Verbandslinse

Hohe Sauerstoffdurchlässigkeit verbessert Wundheilung
Verbandslinsen werden zur Wundbehandlung nach Augenoperationen und zum Schutz nach Augenverletzungen oder bei Erkrankungen mit Beteiligung der Hornhaut eingesetzt. Eine Verbandslinse stellt hohe Ansprüche an Hygiene und Sorgfalt. Bisher gab es keine offiziell als Medizinprodukt „Verbandslinse“ zugelassene Kontaktlinse. Vor diesem Hintergrund entwickelte das Berliner Medizintechnikunternehmen LensWista eine neuartige Verbandslinse aus reinem Silikon. Tim Otto, Matthias Maus (Augenzentrum Sehkraft Köln) und Martin Utsch (AugenZentrum Siegburg) wenden die Verbandslinse seit einem Jahr an und fassen ihre Erfahrungen zusammen

Fallbericht: Okuläres Masqueradesyndrom

Unter dem Masqueradesyndrom versteht man eine Gruppe von meist malignen Erkrankungen, die das Bild einer okulären Entzündung vortäuschen. Dr. Eva Biewald, Dr. Markus Holdt und Prof. Dr. Norbert Bornfeld (Essen) stellen den Fall eines zehnjährigen, ansonsten gesunden Jungen vor, der mit der Verdachtsdiagnose einer unilateralen Panuveitis in die Universitäts-Augenklinik Essen überwiesen wurde.

Serie Auge und Sehen: Halbautomatisches Perimeter

Serie zur Sammlung Roth
Mit der Entdeckung des erhöhten Augeninnendrucks als Ursache eines schleichenden Gesichtsfeldverfalls wurde die Perimetrie zur Verlaufskontrolle des Glaukoms unerlässlich. Die frühen Geräte bestanden lediglich aus einem um die Mittelachse drehbaren Halbbogen. Farbige Messpunkte verschiedenen Durchmessers, manuell entlang des Bogens geführt, mussten vom Patienten erkannt werden. Vor allem die Geduld von Untersucher und Patient entschied über die Qualität der Gesichtsfeldprüfung. Versierte Techniker konstruierten daher die verschiedensten Geräte, um die Perimetrie und vor allem die Registrierung der Befunde zu vereinfachen. Eine Wiener Firma baute das hier abgebildete halbautomatische Gerät. Es ist ein früher Vorläufer der heutigen vollautomatischen computergesteuerten Perimeter.