Aus der aktuellen Ausgabe

Endothelzelltracking mittels Fotoflickering

Die Endothelzelldichtemessung dient als ein zentraler Parameter für Verlaufskontrollen beispielsweise nach Hornhaut­transplantation oder nach potentiell endothelschädigenden operativen Eingriffen wie der Implantation von Vorderkammerlinsen. Um das Problem der unvermeidlichen Messschwankungen beim Vergleich von Endothelzelldichtemessungen über die Zeit zu begegnen, wurde an der Universitäts-Augenklinik Freiburg ein neues Softwareprogramm entwickelt. Dr. Laura Gasser, Moritz C. Daniel, Prof. Dr. Thomas Reinhard und Prof. Dr. Daniel Böhringer (Freiburg) erörtern das Endothelzelltracking mittels Fotoflickering als Alternative zum Zelldichtevergleich.

Künstliche Hornhaut: Entwicklung alternativer Biomaterialien

Spenderhornhäute sind knapp, zudem ist die Gewinnung und Kultivierung von Spenderhornhäuten sehr aufwändig, sodass sie nur in Hornhautbanken vorrätig gehalten beziehungsweise von diesen kurz vor Transplantation bezogen werden können. Auch bergen sie das Risiko möglicher postoperativer immunologischer Transplantatreaktionen sowie einer eventuellen Krankheitsübertragung vom Spender auf den Empfänger. Seit langem gibt es Bestrebungen, alternative Biomaterialien zu entwickeln, die für den Einsatz in der Hornhaut geeignet sind. Prof. Dr. Björn Bachmann, FEBO, und Prof. Dr. Claus Cursiefen, FEBO, (Köln) zeigen aktuelle Ansätze und zukünftige Perspektiven als möglichen Ersatz für das Hornhautstroma auf.

Kokultur-Modell unter Integration von Epithel, Stroma und Endothel

Bedeutung der Zellinteraktion für die natürliche korneale Gewebshomöostase
Bislang werden meist Einzelzellkulturen, so genannte Monolayer des Hornhautepithels, verwendet, um Zelldifferenzierung, also Reifung, und Zellteilung, also Proliferation, zu untersuchen. Sollte es gelingen, die Kornea in vitro als gesamte Einheit zu reproduzieren, stellt dies möglicherweise auch eine zukünftige Alternative in der präklinischen Testung zu Tierversuchen dar. In einem Modell an der Universitäts-Augenklinik Freiburg wurden die Ausreifung und Schichtung des Epithels in der Kokultur mit anderen Hornhautzellen untersucht. Priv.-Doz. Dr. Philipp Eberwein (1), Prof. Dr. Pascal Tomakidi (2) und Prof. Dr. Thomas Reinhard (1) erläutern die Ergebnisse.

(1) Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Freiburg
(2) Abteilung für Orale Biotechnologie, Universitätsklinikum Freiburg

Akkommodierende Kontaktlinsen – Vision und Wirklichkeit

Aktuell gibt es verschiedene Ansätze für akkommodierende ophthalmische technische Systeme, die darauf abzielen, die nachlassende Akkommodationsfähigkeit im natürlichen Auge auszugleichen. In einer Kooperation entwickelt das Institut für Angewandte Informatik des Karlsruher Institutes für Technologie gemeinsam mit der Universitäts-Augenklinik Rostock neben einem künstlichen Akkommodationssystem, das als Implantat komplett wie eine Intraokularlinse in den Kapselsack implantiert wird (siehe DER AUGENSPIEGEL Ausgabe Mai), auch ein aktiv akkommodierendes System als integralen Bestandteil von Kontaktlinsen oder Brillen. Prof. Dr. Georg Bretthauer (1), Dr. Ulrich Gengenbach (1),  Dr. Jörg Nagel (1), Prof. Dr. Oliver Stachs (2) und Prof. Dr. Rudolf Guthoff (2) stellen das Konzept dar.

(1) Institut für Angewandte Informatik des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT)
(2) Universitäts-Augenklinik, Universitätsmedizin Rostock

Ergebnisse der Umfrage 2013 von BDOC, BVA, DGII und DOG

Aktuelle Trends in der ambulanten ­Intraokularchirurgie
Jedes Jahr werden von der DGII in Zusammenarbeit mit dem BVA und BDOC sowie der DOG Fragebögen zum Operationsverhalten an alle deutschsprachigen Ophthalmochirurgen versandt. Ausgewertet wurde der Rücklauf in diesem Jahr von Prof. Dr. Martin Wenzel (Trier), Prof. Dr. Gerd Auffarth (Heidelberg), Dr. Armin Scharrer (Fürth), Prof. Dr. Thomas Kohnen (Frankfurt), Dr. Kaweh Schayan-Araghi (Dillenburg) und Prof. Dr. Thomas Reinhard (Freiburg). Einige Ergebnisse werden hier zusammengefasst.

Biochemische Stressoren in der Makula

Die Retina und insbesondere die Makula befinden sich in einem sehr stark oxidativen Milieu. Als Schutz vor oxidativen Veränderungen verfügt das retinale Pigmentepithel über verschiedene Mechanismen, deren Effizienz mit dem Alter abnimmt und zu einem akkumulierenden Gewebsschaden im retinalem Pigmentepithel und einer verschlechterten Versorgungslage in den Photorezeptoren führen kann. Die Schädigung der Zellfunktion sowie eine Unterversorgung mit Sauerstoff sind wiederum wichtige Induktoren für eine verstärkte Ausschüttung des Wachstumsfaktors VEGF. Prof. Dr. Alexa Klettner (Kiel) erläutert im Folgenden die biochemischen Stressoren in der Makula.

Serie Auge und Sehen: Der Zwicker

Serie zur Sammlung Roth
Die Entdeckung, dass sphärisch geschliffene Gläser die Altersweitsichtigkeit ausgleichen konnten, war das Schlüsselereignis zur Erfindung der Brille im späten 13. Jahrhundert. Ungelöst blieb jedoch die Frage, wie diese Gläser nun am besten am Kopf zu befestigen waren. Die Hände sollten frei bleiben, die Entfernung zwischen Glas und Auge sollte konstant sein. Der Abstand der Gläsermitte zueinander musste entsprechend der Pupillendistanz veränderlich sein. Das Ganze sollte bequem zu tragen sein, bei heftigen Kopfbewegungen durfte die Konstruktion ihre Lage am Kopf nicht verändern. Es ist erstaunlich, dass es nahezu fünf Jahrhunderte dauerte, um das Problem befriedigend zu lösen. Die Revolution war der Zwicker, seine Erfindung fällt in die Zeit des kulturellen und politischen Umbruchs.

Interview mit DOG-Präsident Prof. Dr. Johann Roider zum DOG-Kongress 2014

„Blick über den Tellerrand“
Nach Leipzig lädt in diesem Jahr unter dem Motto „Qualifikation verpflichtet“ der Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Die Kongressteilnehmer erwartet vom 25. bis 28. September im Congress Center Leipzig ein umfangreiches wissenschaftliches Fortbildungsangebot, das auch in diesem Jahr einige neue Formate präsentiert. DER AUGENSPIEGEL sprach mit dem Kongress-Präsidenten Prof. Dr. Johann Roider (Kiel) über den Stellenwert guter Lehre, die Neuerungen und Highlights des Fortbildungsprogramms.

9. Internationales Pro Retina-Forschungskolloquium in Potsdam

Degenerative Netzhauterkrankungen
Zum neunten internationalen Pro Retina-Forschungskolloquium trafen sich in Potsdam Anfang April rund 125 Wissenschaftler und Mediziner aus Europa und den USA. Vor der Kulisse des Templiner Sees stand auch in diesem Jahr wieder der interdisziplinäre Austausch zwischen Grundlagenwissenschaftlern und klinischen Forschern im Mittelpunkt. Berichte von aktuellen klinischen Studien und neuen Ergebnissen aus der experimentellen Forschung lieferten einen Überblick über neue Erkenntnisse zu den Ursachen von degenerativen Netzhauterkrankungen sowie gegenwärtige Behandlungsansätze. Besonders große Bedeutung hatte einmal mehr die Diskussion zwischen den teilnehmenden Nachwuchswissenschaftlern und erfahrenen Professoren. Dipl.-Biol. Johanna Meyer, Susannah Spieker (M. Sc.), Dr. Moritz Lindner, Priv.-Doz. Dr. Tim Krohne, Prof. Dr. Peter Charbel Issa und Priv.-Doz. Dr. Steffen Schmitz-Valckenberg (Bonn) berichten über das diesjährige Treffen.

Serie Auge und Sehen: Das Auge in alten Schriften

Serie zur Sammlung Roth
In vergangenen Zeiten betrachtete man das Auge als ein geheimnisvolles Organ, seine Funktion erschien rätselhaft. Das Auge war für die alten Griechen Sitz der Seele, in der christlichen Religion galt es als Auge Gottes, als Kontrollorgan, es war gütig, wachsam und mahnend zugleich. Blindheit war Schicksal oder Strafe. Im Frieden verhieß gutes Sehen Lebensqualität, bei kriegerischen Auseinandersetzungen erhöhte es die Überlebenschancen. Als magisches Symbol findet sich das Motiv „Auge“ in allen Bereichen der darstellenden Kunst, es wurde zum immer wiederkehrenden Objekt in der Plastik oder Malerei. Interessanterweise aber gibt es nahezu keine Abbildungen des Auges in alten Handschriften, selbst im frühen Buchdruck fehlen diese.