Aus der aktuellen Ausgabe

Berufliche Wiedereingliederung von Menschen mit Sehschädigung

Ein Großteil der hochgradig Sehbehinderten und Blinden in Deutschland hat die Sehschädigung erst infolge progredienter Augenerkrankungen – und somit nach beruflicher Erstausbildung – entwickelt. Die Inanspruchnahme beruflicher Rehabilitationsleistungen ist trotz spezieller Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen unzureichend, was darauf zurückgeführt wird, dass es zu wenig rechtzeitige Aufklärung durch die behandelnden Augenärzte und Beratungsstellen gibt. Dr. Nadja Högner und Sophia Wenk (Berlin) stellen die Ergebnisse ihrer Studie am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin über die Bedeutung von Umschulungsmaßnahmen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt dar.

Kanaloplastik mit suprachoroidaler Drainage

Modifizierte OP-Technik zur effektiveren Drucksenkung
Da die herkömmliche Kanaloplastik den uveoskleralen Abflussweg vernachlässigt und nur den Weg über den Schlemm‘schen Kanal und das Trabekelmaschenwerk nutzt, könnte hier noch ungenutztes drucksenkendes Potential liegen. An der Augenklinik Sulzbach wurde eine modifizierte Variante entwickelt, wonach zusätzlich zur herkömmlichen Kanaloplastik eine suprachoroidale Drainage angelegt wird. Hierdurch kann ein zusätzlicher Abfluss des Kammerwassers in den suprachoroidalen Raum zur Optimierung der Drucksenkung beitragen. Dr. Anna-Maria Seuthe, Ciprian Ivanescu und Prof. Peter Szurman (Sulzbach) beschreiben die modifizierte OP-Technik.

Fallbericht: Lamelläre Keratoplastik bei kongenitalem Glaukom?

Das primär kongenitale Glaukom manifestiert sich überwiegend innerhalb des ersten Lebensjahres als bilaterale Erkrankung in 70 Prozent der Fälle. Infolge unphysiologisch erhöhter Augeninnendruckwerte kommt es in den ersten drei Lebensjahren sowohl zu einer Vergrößerung des Auges als auch des Hornhautdurchmessers (Buphthalmus). Jolanta Prikule, Sabine Seddig und Prof. Markus Kohlhaas (Dortmund) erörtern den Fall eines 37-jährigen Patienten mit primär kongenitalem Glaukom, der mit der Fragestellung nach einer perforierenden Keratoplastik zur Visusverbesserung bei Haab‘schen Leisten des linken Auges vorstellig wurde.

Serie Auge und Sehen: Die Brille des Soldaten

Serie zur Sammlung Roth
Gutes Sehen war zu allen Zeiten Grundbedingung für Lebensqualität, es war eine Lebensversicherung. Dies galt in ganz besonderem Maße für den Soldaten. Ein Weitsichtiger war ohne Brille vielleicht gerade noch als Bogenschütze tauglich, dem Kurzsichtigen blieb bestenfalls der Nahkampf. Schon in den Heeren der Antike versuchte man daher, den Sehbehinderten vom Kriegsdienst auszuschließen, war doch ein Kurzsichtiger ohne Sehhilfe so gut wie blind und gefährdete sich und womöglich die eigenen Reihen auf dem Schlachtfeld. Ausnahmen gab es nur für den Ruderer auf den Galeeren. Der war, selbst wenn hochgradig sehbehindert, für den Krieg noch brauchbar. Auch nach Erfindung der Brille im 12. Jahrhundert änderte sich daran kaum etwas. Brillen waren auf dem Schlachtfeld unbekannt, Sehhilfen für Soldaten gab es erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Kongress DOC 2015

Interview mit DOC-Präsident Dr. Armin Scharrer
Erstmals lädt in diesem Jahr der Internationale Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgen (DOC) nach Leipzig. DER AUGENSPIEGEL sprach anlässlich der Jahrestagung, die sonst traditionell in Nürnberg tagt, mit dem DOC-Präsidenten und 1. Vorsitzendem des Bundesverbandes Deutscher Ophthalmochirurgen e.V. (BDOC) Dr. Armin Scharrer (Fürth) über Programmpunkte und wissenschaftliche Themen der Ophthalmochirurgie, die zum diesjährigen Kongress vom 11. bis 13. Juni dargeboten und diskutiert werden.

Serie Auge und Sehen: Das Auge auf der Briefmarke

Serie zur Sammlung Roth
Designer haben es längst erkannt, dass das Auge, wo auch immer es dargestellt ist, eine besondere Faszination auf den Betrachter ausübt. Dies gilt selbst dann, wenn es von einer Sehhilfe umrahmt wird. Das Auge ist daher in der Kunst und Kultur ein häufig verwendetes Motiv und findet sich heute auf allen möglichen gebräuchlichen Gegenständen des Alltags. Ein Betrachter, der ein Auge auf sich gerichtet sieht, fühlt sich beobachtet, der Blick kann ihn warnen oder mahnen. Diese Ausstrahlung macht sich vor allem die Werbung zunutze, um die Aufmerksamkeit des Kunden einzufangen. Das ist nicht neu. So findet sich das Auge mit und ohne Brille bereits seit dem 15. Jahrhundert auf Bildern, in Grafiken, auf Münzen, später auf Geldscheinen und wie hier abgebildet sogar auf Briefmarken.

Laudatio: Der Doyen der deutschen ­Ophthalmologie

Zum 80sten Geburtstag von Herrn Professor Gottfried O. H. Naumann
Am 25. April feierte Herr Professor (em) Dr. med. Dres. h.c. mult. Gottfried Otto Helmut Naumann ML, FRCOphth (Hon), seinen 80sten Geburtstag. Der Emeritus der Universitäts-Augenklinik Erlangen prägte durch seine herausragende Forschungsarbeit, die umfassende Lehrtätigkeit sowie zahlreiche Originalarbeiten und Standardwerke eine ganze Generation von Augenärzten. Seine bemerkenswerte klinische und wissenschaftliche ophthalmologische Laufbahn brachte ihm höchste internationale Reputation als Arzt, Wissenschaftler und Lehrer.

AAD 2015 in Düsseldorf

„Die Einzelpraxis ist gestorben“
Was können wir tun, um den Fortbestand der Augenkliniken zu sichern, lautete die zentrale Fragestellung, die der BVA-Vorsitzende Bertram im diesjährigen berufspolitischen Symposium der AAD erläuterte und dessen Notwendigkeit er zugleich auch ausführlich begründete. Prominente Unterstützung für sein Plädoyer hatte er mit dem ehemaligen KBV-Vorsitzenden Dr. Andreas Köhler, der dem Fach eine mit der gegenwärtigen Versorgungsstruktur nicht zu bewältigende Ambulantisierung prognostizierte. Es gelte nun, die richtigen Entscheidungen zu treffen: „Sie stehen am Scheideweg“, mahnte Köhler, der sein Konzept einer möglichen tragfähigen zukünftigen Struktur präsentierte. Von Ulrike Lüdtke M.A.

Minimalinvasive Glaukomchirurgie beim PEX-Glaukom

Triple Procedure mit Trabektom, Trabekelaspiration und Phakoemulsifikation
In den letzten Jahren wurden verschiedene neue Methoden der minimalinvasiven Glaukomchirurgie entwickelt. Insbesondere die Entfernung des Trabekelmaschenwerkes durch eine elektrochirurgische Abtragung in Form des Trabektoms zeigt Potential zur Drucksenkung beim Pseudoexfoliationsglaukom (PEX). Da sich die Trabekelaspiration und das Trabektom sowie die Phakoemulsifikation chirurgisch gut kombinieren lassen, stellte sich die Frage, ob diese Kombination als Triple Procedure einen zusätzlichen Effekt verglichen mit Trabekelaspiration und Phakoemulsifikation hat. Im Rahmen einer Untersuchung wurden der langfristige Effekt der Triple Procedure und die Druckentwicklung über einen Zeitraum von 36 Monaten untersucht. Priv.-Doz. Dr. Randolf A. Widder, Dr. Corina Rennings, Dr. Pia Kühnrich, Dr. Elmar Winsauer und Priv.-Doz. Gernot Rößler (Düsseldorf) stellen die Ergebnisse vor.

Refraktives und visuelles Ergebnis ­kombinierter Trabektom-Katarakt-OP

Die Trabekulotomie ab interno mit dem Trabektom ist ein etabliertes Operationsverfahren in der Glaukomchirurgie und auch in Kombination mit der Kataraktoperation technisch sehr gut möglich, wobei der drucksenkende Effekt hierdurch eher verbessert werden konnte. Da eine möglichst präzise Vorhersage der postoperativen Refraktionswerte in der modernen Kataraktchirurgie unerlässlich geworden ist, stellt sich neben dem Aspekt der Drucksenkung auch die Frage, ob die Kombination beider Verfahren einen Einfluss auf das refraktive und visuelle Ergebnis der Kataraktoperation hat und ob möglicherweise ein anderes Komplikationsprofil als bei einzelnen Eingriffen vorliegt. Dr. Jan Lübke, Dr. Matthias Neuburger, Dr. Alexandra Anton und Prof. Dr. Jens F. Jordan (Freiburg) fassen die Ergebnisse einer Auswertung eigener Daten zusammen.