Aus der aktuellen Ausgabe

Hypothermiebehandlung: Protektiver Effekt auf retinale Ganglienzellen

Studie am Organkulturmodell der Schweineretina
Die als therapeutische Hypothermie bezeichnete gezielte Absenkung der Körpertemperatur wird bereits seit geraumer Zeit bei herzchirurgischen Eingriffen und bei Schlaganfällen routinemäßig zur Reduktion degenerativer Prozesse eingesetzt. Außerdem konnte an kultivierten ischämischen Rinderaugen ein protektiver Effekt der ­Hypothermie nachgewiesen werden. Basierend auf diesen Tatsachen wurde im Rahmen einer Studie der ­protektive Einfluss der Hypothermie auf die retinalen Ganglienzellen in einem neu etablierten Degenerations­modell der Schweineretina untersucht. Priv.-Doz. Dr. Stephanie C. Joachim, Ana M. Maliha (M. Sc.), Hannah Döpper (M. Sc.) und Dr. Sven Schnichels stellen die Daten vor.

Zur Geschichte der Sympathischen Ophthalmie

Die seltene Sympathische Ophthalmie (SO) ist eine beidseitige granulomatöse Uveitis, die nach durchbohrender Augenverletzung oder operativem Eingriff bereits nach fünf Tagen bis 50 Jahre später auftreten kann. 1583 wurden durch Bartisch erstmals Symptome geschildert, die vermutlich erste erfolgreiche Behandlung wird Eisenbarth 1716 zugeordnet. Genaue Beschreibungen mit Prognose der SO stammen von Mackenzie 1840 in London und von Ammon 1843 in Dresden. Fuchs gelang 1905 der exakte histologische Nachweis. Priv.-Doz. Dr. Manfred Jähne, FEBO (Schneeberg) berichtet auch über drei bekannte Persönlichkeiten (Johann der Blinde, Louis Braille, König Georg V. von Hannover), die an der SO erblindeten sowie abschließend über die Einmischung der Staatssicherheit der DDR wegen eines an SO erkrankten Kindes.

Das Fernglas

Serie zur Sammlung Roth (Folge 83)
Die ersten optisch brechenden Linsen aus Glas oder Bergkristall dienten als Lesesteine, Lupen oder in ein Brillengestell gefasst erst einmal als Sehhilfen im Nahbereich. Besonders die hochtransparenten, klar durchscheinenden Gläser aus Murano waren zum Ausgleich der Altersweitsichtigkeit sehr begehrt. Ihr Schliff wurde mit der Zeit immer präziser, ihre Abbildungsqualität besser. Auch entdeckte man jetzt die optischen Gesetze solcher Linsen. Irgendwann einmal muss ein Okulist oder Alchemist, wie man damals den Wissenschaftler nannte, erkannt haben, dass die Kombination zweier Konvexgläser, in ihrer optischen Achse hintereinander gehalten, ferne Dinge näher und größer erscheinen ließ. Der deutsch-holländische Brillenmacher Jan Lippershey soll der Erste gewesen sein, manche schreiben die Erfindung des so genannten 
Teleskops oder Fernrohr wiederum anderen zu.

Neurotrophe Keratopathie – eine neue Therapieoption

Die neurotrophe Keratopathie ist eine seltene Erkrankung, die charakterisiert ist durch schwer heilende Epitheldefekte bis hin zur Entwicklung von Ulcera. Bislang war die Therapie palliativer Natur, ein Standardvorgehen fehlte und es galt, ein individuelles Therapiekonzept zu finden, das sich am Schweregrad der Erkrankung orientiert. 
Im Juli 2017 wurde mit Cenegermin das erste biotechnologische Medikament zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer neurotropher Keratopathie zugelassen, das seit November weltweit zur Verfügung steht. Jan Alder und Prof. Gerd Geerling ­(Düsseldorf) stellen die neue Therapieoption vor.

Interview zur AAD 2018

Interview mit BVA-Vorsitzendem Prof. Bernd Bertram
Vom 13. bis 17. März lädt die Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD) wieder ins CCD nach Düsseldorf zur gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung vom Berufsverband der Augenärzte (BVA) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) ein. DER AUGENSPIEGEL sprach mit dem BVA-Vorsitzenden Prof. Bernd Bertram (Aachen) über die diesjährige Jahrestagung, einige Neuerungen in Ablauf und Programm sowie aktuelle berufs- und gesundheitspolitische Entwicklungen.

180. RWA-Versammlung tagte in Düsseldorf

„Neue Perspektiven in der Transplantations-/Implantationschirurgie“
Zu seiner 180. Versammlung hatte der Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte (RWA) Ende Januar in das Maritim Hotel am Flughafen Düsseldorf eingeladen, das der größten Regionaltagung Deutschlands ein großzügiges Ambiente bot. Das Thema der diesjährigen Zusammenkunft lautete „Rekonstruktion oder Regeneration – Neue Perspektiven in der Transplantations-/Implantationschirurgie“ und entsprechend der klinischen und wissenschaftlichen Ausrichtung der Düsseldorfer Universitäts-Augenklinik wurden in der Hauptsitzung aktuelle Ansätze der Hornhauttransplantation und -prothetik dargestellt. Höhepunkt der Hauptsitzung war der Vortrag von dem international renommierten Plastischen Chirurgen Prof. Benoît G. Lengelé aus Belgien, der 2005 gemeinsam mit Kollegen die weltweit erste Gesichtstransplantation durchführte. Von Katica Djaković.

„Augenerkrankungen sind Volkskrankheiten“

Ergebnisse der Gutenberg-Gesundheitsstudie im Überblick
Die Gutenberg-Gesundheitsstudie ist eine bevölkerungsbasierte, prospektive, monozentrische Kohortenstudie zur Untersuchung verschiedener Erkrankungen. Das Hauptziel dieser bisher größten deutschen epidemio­logischen Studie ist, belastbare Daten zu liefern, um die individuelle Risikovorhersage für die jeweiligen Krankheits­bilder zu verbessern. Von 2007 bis 2012 wurden 15.010 Studienteilnehmer im Alter von 35 bis 74 Jahren untersucht, die repräsentativ für die Bevölkerung in der Region Mainz sind. 2017 wurde die Fünf-­Jahres-Nachuntersuchung abgeschlossen und mittlerweile ist die Zehn-Jahres-Untersuchung angelaufen. Dr. Alexander K. Schuster, Dr. Stefan Nickels und Prof. Norbert Pfeiffer (Mainz) geben einen Überblick über die Ergebnisse in Bezug auf Augenerkrankungen.

Intraokulare Entzündung bei Multipler Sklerose

Eine unterschätzte Problematik?
Während die Assoziation zwischen Multipler Sklerose (MS) und Neuritis nervi optici seit langem bekannt ist, steht die Koinzidenz mit intraokularen Entzündungen seltener im Blick. Dabei weisen Patienten mit MS ein etwa zehnfach höheres Risiko für eine intraokulare Entzündung auf. Umgekehrt können sich bereits frühzeitig Anzeichen für die neurologische Erkrankung durch den Augenbefund ergeben. Welche Bedeutung der Zusammenarbeit ­zwischen Augenarzt und neurologischen Kollegen zukommt, stellen Prof. Uwe Pleyer, Dr. Enken Gundlach und Priv.-Doz. Dr. Klemens Ruprecht dar.

Keratoplastik bei mykotischer Keratitis – wann und wie?

Die Prognose der mykotischen visusbedrohenden Keratitis, die oft zu spät diagnostiziert wird und zu einem protrahierten klinischen Verlauf führen kann, hängt sowohl vom Zeitpunkt der Diagnosestellung als auch von der Einleitung einer adäquaten konservativen und chirurgischen Therapie ab. Loay Daas, Prof. Arne Viestenz, Dr. Shady Suffo, Dr. Corina Spira-Eppig, Dr. Elias Flockerzi und Prof. Berthold Seitz zeigen anhand von ­Beispielen den Diagnosezeitpunkt und die Krankheitsdauer als prognostisch wichtige Faktoren auf und stellen die frühzeitige Durchführung sowie die Wahl eines ausreichend großen Transplantatdurchmessers bei einer ­Keratoplastik à chaud als eine effektive Behandlung der mykotischen Keratitis dar.

Gründungsjubiläum: 125 Jahre Universitäts-Augenklinik Rostock

Anlässlich des Gründungsjubiläums hatte Prof. Anselm Jünemann als Direktor der Augenklinik zu dem Symposium „Augenheilkunde im Wandel der Zeit – 125 Jahre Augenklinik der Universität Rostock“ Anfang Dezember in die Hansestadt mit der ältesten Universität im Ostseeraum eingeladen. Dr. Udo Hennighausen (Hamburg) berichtet über die Jubiläumsveranstaltung.