Aus der aktuellen Ausgabe

Artefakte bei der retinalen Bildgebung mit OCT-Angiografie

Die optische Kohärenztomografie-Angiografie (OCT-A) ermöglicht nichtinvasiv eine hochaufgelöste und tiefen­selektive Visualisierung der vaskulären Strukturen von Netzhaut und Aderhaut. Allerdings können auch Bildartefakte auftreten, die eine Befundung erschweren. Eine gute Kenntnis möglicher Artefakte erlaubt bei entsprechend kritischer Datenanalyse die korrekte Bewertung der OCT-A-Aufnahmen und damit auch eine korrekte klinische Interpretation. Dr. Christian Enders, Prof. Gabriele E. Lang, Dr. Max Loidl, Prof. Gerd K. Lang und Jens U. Werner (Ulm) stellen die häufigsten Artefaktarten anhand von Beispielen dar.

Herausforderung für die automatisierte Diagnostik mit Künstlicher Intelligenz

Die automatisierte Diagnostik in der Augenheilkunde birgt besonderes Potenzial für die zukünftige Standardi­sierung und Objektivierung diagnostischer Entscheidungen und verspricht Unterstützung von Ärzten insbesondere bei schwierigen diagnostischen Fällen. Aktuelle neuronale Netzwerke können zwar sehr genaue Entscheidung liefern, sind aber in der Regel weder in der Lage, ihre Entscheidung zu begründen noch ihre Konfidenz in der ­Entscheidung im Einzelfall zum Ausdruck zu bringen. Am Tübinger Forschungsinstitut für Augenheilkunde setzt sich die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. rer. nat. Philipp Berens mit neuronalen Schaltkreisen des visuellen Systems auseinander und beschäftigt sich mit gegenwärtig offenen Fragestellungen, wie beispielsweise den genannten Unsicherheiten in den neuronalen Netzwerken, die zentrale Herausforderungen für ihren Einsatz in der Praxis sind.

Indikationen für elektrophysiologische Untersuchungen

Die im klinischen Alltag gängigsten elektrophysiologischen Untersuchungen sind das Ganzfeld-ERG (Elektro­retinogramm), das mfERG (multifokale ERG), das EOG (Elektrookulogramm) und das VEP (visuell evozierte ­Potentiale). Für jede dieser Untersuchungen gibt es spezielle Indikationen, da man den Funktionszustand ­einzelner Nervenzellklassen der Sehbahn selektiv über Elektroden an der Körperoberfläche ableiten kann. ­Dr. Sabine Naxer und Prof. Michael P. Schittkowski (Göttingen) stellen die verschiedenen Methoden und ihre ­Indikationen dar.

Inserts zur Pupillenerweiterung vor Kataraktoperationen

Eine ausreichende Pupillenerweiterung ist für den Erfolg und die Sicherheit einer Kataraktoperation eine entscheidende Voraussetzung. Eine Alternative zu wiederholten Applikationen topischer Mydriatika stellt das Einsetzen eines Inserts in den unteren Bindehautsack dar, welches die Wirksubstanz langsam und kontinuierlich frei gibt. ­
Ein solcher Träger eines Mydriatikums ist das Mydriasert-Insert, dessen Effizienz und Verträglichkeit in der Klinik für Augenheilkunde des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums Neubrandenburg untersucht wurde. Dr. Sorin Draghici, Prof. Helmut Höh und Danilo Wegner stellen ihre Ergebnisse sowie die aktuelle Datenlage aus vorliegenden Studien dar.

Die Lorgnette

Serie zur Sammlung Roth (Folge 89)
Während das Lorgnon aus einem einzigen an einem Stiel befestigten Glas besteht und daher nur auf einem Auge benutzt werden kann, hat die Lorgnette­ immer ein Gläserpaar und ist somit binokular einsetzbar. Ihr Vorbild ist die Nietbrille, durch die bewegliche Verbindung zweier Lorgnons an ihrem Griff­ende wurde sie in der Wende zum 17. Jahrhundert zur Lorgnette. Beide, das Lorgnon und die Lorgnette sowie die auch damit verwandte Scherenbrille mussten beim Gebrauch in der Hand gehalten werden, was von Vorteil war, wenn die Sehhilfe schnell im Dekolleté verschwinden musste, um die Sehschwäche ihrer Trägerin zu verheimlichen.

Einblick in die einzelne lebende Zelle der Netzhaut

Aussagefähigkeit bildgebender Verfahren hinsichtlich individueller Sehnervschädigung beim Glaukom
Beim Glaukom können passend zum typischen Gesichtsfeldausfall eine Reduktion der Nervenfaser- und Ganglienzellschicht im OCT dargestellt werden. Allerdings kann die Anzahl und Verteilung der Ganglienzellen individuell unterschiedlich sein und die Bewertung einzelner Netzhautschichten möglicherweise zu Missdeutung oder Fehldiagnosen führen. In einer Studie beschäftigte sich Dr. Juliane Matlach (Mainz) mit der Fragestellung, ob es möglich ist, eine individuelle Anzahl von Ganglienzellen zu bestimmen, bevor ein glaukombedingter Verlust eingetreten ist, und untersuchte die diagnostische Wertigkeit des Verhältnisses der retinalen Zapfen- zur Ganglienzelldichte beim Glaukom.

Genetik kindlicher Glaukome

Die Ursache der Fehlbildung im Kammerwinkel, die zur Ausbildung des angeborenen Glaukoms führt, ist in der Regel eine Mutation in einem oder mehreren Genen. Dies führt dazu, dass bestimmte Eiweißstoffe (Proteine) im Kammerwinkel nicht oder nicht richtig produziert werden können. Die Folge ist ein unreifes, undurchlässiges Trabekelmaschenwerk oder eine undurchlässige Membran über diesem Gewebe. Dr. Claudia Schuart und Prof. Hagen Thieme (Magdeburg) stellen bisher bekannte genetische Mutationen dar, die beim primär kongenitalen und anderen sekundären kindlichen Glaukomen eine Rolle spielen können.

Glaukomdiagnostik und Trendanalyse mit OCT

Vaskuläre Läsion oder langfristiger glaukomatöser RNFL-Verlusttrend? (Teil 6)
Mit Hilfe der Optischen Kohärenztomographie (OCT) lässt sich der progrediente Nervenfaserverlust bei ­Glaukom bereits zu einem frühen Zeitpunkt nachweisen. In den ersten Teilen dieser Beitragsserie wurden die für die Glaukomdiagnostik entscheidenden Parameter in der OCT erläutert, die Möglichkeiten der Trend­analyse im Rahmen der Diagnostik anhand von Fallbeispielen mit verschiedenen OCT-Systemen aufgezeigt sowie ­Differentialdiagnosen und patientenindividuelle Verlaufsbeobachtungen des Glaukoms unter Therapie aus der Praxis dargestellt. Bereits in der letzten Folge veranschaulichte Dr. Georg Niepel (Stolberg) an ausgewählten Fallbeispielen die Grenzfälle und uneindeutigen Befunde aus der Praxis, bei denen die OCT zu ­diagnostischer Klarheit verholfen hat und berichtet hier über einen weiteren Fall aus eigener Praxis, bei dem zunächst nicht erkennbar ist, ob eine rein vaskuläre Läsion vorliegt oder ein langfristiger ­glaukomatöser RNFL-Verlusttrend.

Augenschäden durch Umwelteinfluss

Vielfältige Erreger und Umweltreize wie Luftverschmutzung, Elektrosmog und auch Klimaveränderungen, denen das Auge ausgesetzt ist, können die Sehfunktion beeinträchtigen, toxische oder allergische Prozesse unterlaufen die natürliche Abwehrlage. Vor allem aber der Kontaktlinsenträger zeigt dies durch Auftreten von Komplikationen und Störungen des Tragekomforts. Dr. Hans-Walter Roth, Dr. Mihály Vegh und Dr. Gregor Nietgen zeigen anhand von Fallbeispielen aus dem Institut für wissenschaftliche Kontaktoptik die das Auge gefährdenden Umwelteinflüsse auf, erörtern die Ursachen und Risiken und stellen vorbeugende Maßnahmen insbesondere­ für den Kontaktlinsenträger dar.

Nano-Therapien zur Anwendung an der Augenoberfläche

Der Begriff Nanocarrier oder Nanopartikel umfasst eine große heterogene Gruppe von chemischen Verbindungen. Diese bieten den Vorteil, okulare Wirkstoffe besser an bestimmte Zielorte zu liefern und versprechen, die Therapie vieler Augenkrankheiten zu revolutionieren. Die Bandbreite der möglichen Einsatzgebiete ist sehr umfangreich. Die meisten dieser vielversprechenden Ansätze befinden sich noch in der klinischen beziehungsweise präklinischen Phase, doch weisen sie bereits vielversprechende Ergebnisse auf. Marina Löscher, MBA, Dr. rer. nat. Sven Schnichels und Dr. rer. nat. José Hurst (Tübingen) stellen Anwendungsbeispiele an der Augenoberfläche dar.