Aus der aktuellen Ausgabe

Augenmuskeloperationen bei Nystagmus

Seit den 1950er Jahren kommen Augenmuskeloperationen in der Nystagmusbehandlung zum Einsatz. Zumeist rfolgen diese zur Korrektur einer kompensatorischen Kopfzwangshaltung. Die Umlagerungschirurgie nach Kestenbaum und Anderson verschiebt die exzentrische Nystagmusruhezone in den Geradeausblick. Bei der artifiziellen Divergenz wird eine artifizielle Exophorie herbeigeführt, deren Kompensation den Nystagmus beruhigt. Zur Reduktion der Nystagmusamplitude werden Rücklagerungen aller vier Horizontalmotoren und Tenotomien mit Reinsertion vorgenommen. Prof. Veit Sturm gibt einen Überblick über Augenmuskeloperationen bei Nystagmus.

Die Zilienpinzette

Serie zur Sammlung Roth (Folge 107)
Im Laufe der Evolution entwickelte der Mensch die Fähigkeit, Werkzeuge für sich anzufertigen und sie sachgerecht anzuwenden. Anfangs waren diese noch recht
primitiv. Die Fähigkeit, gleichzeitig mit zwei Stöcken in nur einer Hand zu hantieren, um beispielsweise ein Insekt oder kleineres Reptil zu fangen, erforderte erhebliches manuelles Geschick und Erfahrung. Die Handhabung chinesischer Essstäbchen lässt erkennen, wie es auch heute noch möglich ist, elegant und selbstverständlich zwei Stäbchen mit einer Hand gleichzeitig simultan zu steuern.

Strabologisches und orthoptisches Jubiläumssymposium tagte in Göttingen

Anlässlich des 80. Geburtstages von Prof. Hermann Mühlendyck – von 1980 bis zu seiner Emeritierung 2004 Direktor der Abteilung Strabologie und Neuroophthalmologie der Augenklinik der Universitätsmedizin Göttingen – richtete die Augenklinik Anfang Februar ein wissenschaftliches Symposium aus. Zahlreiche Weggefährten des Jubilars konnten für einen Beitrag eingeladen werden, sodass ein abwechslungsreiches strabologisches und orthoptisches Programm zustande kam. Dr. Udo Hennighausen (Hamburg) fasst das Symposium zusammen.

Glaukom und Bluthochdruck

Der Bluthochdruck ist einer der bedeutendsten internistischen Risikofaktoren sowohl für kardiovaskuläre Erkrankungen als auch für das Glaukom. Eine nächtliche Hypotension (diastolisch unter 50 mmHg) sowie jede Blutdruckabweichung im Tag-Nacht-Rhythmus (Non-Dipper, Extreme-Dipper) führt bei gleicher Augendrucklage zu einer beschleunigten Glaukomprogression. Deshalb gehört eine ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung bei Risikopatienten sowie bei Glaukomprogression zur Standarddiagnostik. Prof. Carl Erb und Prof. Burkhard Weisser erörtern den etwas weniger beachteten Zusammenhang von Glaukom und Bluthochdruck als interdisziplinäre Herausforderung für Augenärzte und Allgemeinmediziner/Internisten.

Excimerlaser-Trabekulotomie (ELT)

Die chirurgische Behandlung des Glaukoms hat das Ziel, eine Abflussverbesserung des Kammerwassers zu erreichen.Bei der Excimerlaser-Trabekulotomie (ELT) wird ein kurzgepulster Xenon-Chlorid-Excimerlaser eingesetzt, welcher das Trabekelmaschenwerk und die innere Wand des Schlemm‘schen Kanals nicht-thermisch abladiert. Die ELT stellt den physiologischen Abfluss wieder her, indem diese Laserkanäle eine Verbindung von der Vorderkammer in den Schlemm‘schen Kanal bewirken und so das Kammerwasser wieder verbessert im physiologischen System abfliessen kann. Dr. Frances Meier-Gibbons und Priv.-Doz. Marc Töteberg-Harms erläutern die Operationstechnik der ELT, die als Monoeingriff oder in Kombination mit der Phakoemulsifikation erfolgen kann.

Immunvermittelter Schaden beim Glaukom

Neue Erkenntnisse aus der Forschung
Obwohl ein erhöhter Augeninnendruck der Hauptrisikofaktor für die Entstehung eines Glaukoms ist, sind weitere daran beteiligte Pathomechanismen bisher nicht ganz verstanden. Um diese Mechanismen im Rahmen der Erkrankung untersuchen zu können, braucht man geeignete Modellsysteme. Tiermodelle stellen zurzeit die einzige Möglichkeit dar, sowohl die komplexen okulären als auch systemischen Veränderungen analysieren zu können. Studien der letzten Jahre legen nahe, dass neben der mechanischen Komponente auch die Aktivierung des Immunsystems eine Rolle beim Zelluntergang im Glaukom spielt. So zeigten sich zum Beispiel veränderte Antikörpermuster
in Serum und Kammerwasser von Glaukompatienten. Dr. Teresa Tsai, Prof. Stephanie C. Joachim und Dr. Sabrina Reinehr (Bochum) stellen neue Forschungsansätze dar.

Langzeitergebnisse der posterioren lamellären Keratoplastiken (DSAEK)

Die posteriore lamelläre Keratoplastik mittels Descemet-Stripping und Mikrokeratom (Descemet Stripping Automated Endothelial Keratoplasty, DSAEK) zählt zu den Operationsverfahren zur Behandlung von Patienten mit endothelialen Hornhauterkrankungen. Diese nahtfreie Technik ermöglicht eine schnelle Sehverbesserung ohne Veränderung des Astigmatismus mit geringerem Trauma während der Operation. Am St.-Johannes-Hospital in Dortmund wurde eine retrospektive Studie durchgeführt, um die Operationsergebnisse nach durchgeführter DSAEK im Zeitraum 2010 bis 2014 zu evaluieren. Kalliopi Kontopoulou, Snjezana Amin und Prof. Markus Kohlhaas fassen die Daten zusammen.

Die Skibrille

Serie zur Sammlung Roth (Folge 106)
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man die Berge, das Bergsteigen und Skilaufen wurden zum Volkssport. Die Bahn und später dann das Auto erschlossen Bergregionen, die bis dahin nur durch Pferdeschlitten oder Wandern erreichbar waren. Mondäne Skiorte und berühmte Hotels in den Alpen lockten bald den Besucher. An die Notwendigkeit einer entsprechende Ausrüstung dachte damals noch niemand und so finden wir auf den Fotos dieser Zeit die Damen im langen Rock, im warmen Wintermantel, Muff nur mit einem Skistock bewaffnet auf den Gletschern. Rasch aber merkte man, dass in den Bergen das Sonnenlicht viel intensiver war, der längere Aufenthalt in höher gelegenen Regionen führte zu Augenschäden. Die Schneeblindheit, die Keratitis solaris sive photoelectrica, oder wie man es damals nannte der „Sonnenbrand des Auges“ wurde schmerzhaft entdeckt.

Hyperoper Shift nach DMEK

Evaluation von präoperativen Hornhautparametern
Nach Descemet Membrene Endothelial Keratoplasty (DMEK) zur chirurgischen Therapie der Fuchsschen Endotheldystrophie zeigt sich eine Brechkraftänderung der Hornhaut in Richtung der Hyperopie. Dr. Raphael Diener und Prof. Maged Alnawaiseh (Münster) untersuchten in einer retrospektiven Studie die Fähigkeit unterschiedlicher präoperativer Parameter, Augen mit einem postoperativen hyperopen Shift nach DMEK zu identifizieren.

Der Starstich

Serie zur Sammlung Roth (Folge 105)
Der Graue Star ist ohne Zweifel die älteste Augenerkrankung, von der uns berichtet wird. Die meisten seiner Ursachen waren schon in der Antike bekannt. Zum einen war es das Alter, das zur Eintrübung der Augenlinse führte, zum andren waren es von außen kommende Ereignisse wie Augenverletzungen oder Entzündungen, die den Betroffenen rasch erblinden ließen. Schon früh war bekannt, dass nur eine Entfernung der eingetrübten Linse die Sehkraft wieder ganz oder teilweise herstellen konnte. Dazu war es nötig, die Augen-linse zu entfernen und so den Blick ins Auge zu öffnen. Allerdings war es nötig, die nun fehlende Brechkraft im Auge von etwa plus 19 Dioptrien durch eine Brille, später durch eine Kontaktlinse, oder, wie heute üblich, durch ein Implantat zu ersetzten, um dem Patienten wieder eine volle Sehfunktion zu ermöglichen. Die operativen Verfahren waren, aus heutiger Sicht betrachtet, einst abenteuerlich.