Aus der aktuellen Ausgabe

4. Retina-Update in Münster

Corona-bedingt um ein Jahr verschoben fand das 4. Retina-Update 2021 als Hybridveranstaltung statt. Prof. Albrecht Lommatzsch und sein Team vom Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital Münster konnten rund 120 Gäste (mit 3G-Nachweis) persönlich begrüßen, weitere 450 Teilnehmer hatten sich digital zugeschaltet. Hochkarätige Referenten gaben Einblicke in neueste Entwicklungen im Bereich der Retinologie. Das Themenspektrum reichte von der Anti-VEGF-Therapie, über die Behandlung von diabetischen Krankheitsbildern bis hin zu Handlungsoptionen bei Venenverschlüssen oder Makulaforamina. Dr. Udo Hennighausen (Hamburg) fasst die Tagung zusammen.

Weitere Verbesserungen der ­lichtadjustierbaren Intraokularlinse (LAL)

Mit der lichtadjustierbaren Intraokularlinse (LAL) steht ein Verfahren zur Verfügung, nach Kataraktchirurgie verbleibende sphärische und astigmatische Refraktionsfehler nicht-invasiv korrigieren zu können. Die LAL enthält ein photosensitives Polymer, das – und mit ihm die Brechkraft – etwa zwei Wochen nach der Implantation mit einer UV-Bestrahlung verändert werden kann, was eine Modifikation der IOL-Stärke um gut zwei Dioptrien Sphäre und drei Dioptrien Zylinder ermöglicht. Prof. Burkhard Dick (Bochum) gehörte vor rund zwölf Jahren weltweit zu den ersten Ophthalmochirurgen, die diese Technologie angewendet haben. Er berichtet über seine langjährigen Erfahrungen mit der LAL und stellt vielversprechende Verbesserungen vor.

IOL-Kategorisierung anhand ­physikalischer Eigenschaften

Immer mehr Intraokularlinsen (IOLs) werden auf den Markt gebracht mit dem Versprechen, die Presbyopie teil oder voll zu kompensieren. Die physikalischen Möglichkeiten, Licht entlang der optischen Achse zu verteilen, um bestimmte Tiefenschärfenbereiche zu generieren, sind jedoch limitiert. IOLs werden aktuell meist durch Marketingnamen klassifiziert und nicht nach den physikalischen Gegebenheiten, die die verschiedenen Brennpunkte generieren. Dr. Matthias Kriegel, FEBO und Dr. Florian Kretz, FEBO (Rheine) empfehlen in ihrem Beitrag eine Einteilung der verschiedenen IOLs anhand ihrer physikalischen Eigenschaften und Kompensationsmöglichkeiten und erörtern ihre Vor- und Nachteile.

Astigmatismuskorrektur mit dem Femtosekundenlaser

Zum Zeitpunkt der Kataraktoperation haben etwa 38 Prozent der Patienten einen Astigmatismus von 1 dpt und 19 Prozent einen Astigmatismus von >1.5 dpt. Die Korrekturmöglichkeiten des kornealen Astigmatismus umfassen torische IOLs auf Linsenebene, sowie limbale relaxierende Inzisionen und manuelle arkuate Keratotomien auf Hornhautebene. Dr. Luca Schwarzenbacher und Prof. Rupert Menapace (Wien) stellen die Langzeitevaluierung, Präzision und Effizienz der Femtosekundenlaser-assistierten arkuaten Keratotomie, insbesondere mit einem Niedrigpuls-Energie-Femtosekundenlaser, dar. Sie zeigen auf, worauf es zu achten gilt bei der richtigen Patientenauswahl und bei der Planung der geeigneten Inzisionen zur Korrektur regulärer Astigmatismen zum Zeitpunkt der Kataraktoperation.

35. Zusammenkunft der Julius-Hirschberg-Gesellschaft (Teil 2)

Als Hybrid-Veranstaltung in Regensburg
Nach dem rein virtuellen Kongress 2020 wurde die 35. Zusammenkunft der Julius-Hirschberg-Gesellschaft in Form eines Hybrid-Kongress mit internationaler Beteiligung ausgerichtet. Die Präsenzveranstaltung fand vom 8. bis 10. Oktober 2021 in Regensburg statt, das wissenschaftliche Programm am Samstag als Hybrid-­Veranstaltung. Im zweiten Teil berichtet Dr. Sibylle Scholtz (Ettlingen) über die dritte und vierte wissenschaft­liche Sitzung sowie die Generalversammlung.

Pupillographie in der Entwicklung von ophthalmologischen Gentherapien

Die Gentherapie gibt in den letzten Jahren die bahnbrechende Möglichkeit, seltene erbliche Netzhauterkrankungen behandeln zu können. In der klinischen Entwicklung solcher Therapien, zu denen aufwändige klinische Studien gehören, geht es sowohl um die Erfassung der Sicherheit der Therapie als um die durch sie erzielte Wirksamkeit. Prof. Barbara Wilhelm (Tübingen) berichtet über die Chromatische Pupillen-Campimetrie (CPC), die ein vielversprechendes Potential als eine leicht durchführbare Methode zur objektiven Erfassung der Wirksamkeit einer lokalen Gentherapie bei erblichen Netzhautdegenerationen zeigt. Die Untersuchung dauert nur einige Minuten, sie ist für die Patienten weder anstrengend noch belastend. Dies zeigen die bisherigen Erfahrungen bei Patienten mit Achromatopsie, Retinitis pigmentosa sowie RPE65-Mutation.

Das Nahtmaterial

Serie zur Sammlung Roth (Folge 124)
Eine Zertrennung menschlichen Gewebes, allgemein als Wunde bezeichnet, hat die besten Chancen auf eine rasche und komplikationslose Heilung sofern es gelingt, die Wundränder möglichst schnell wieder zu vereinigen. Wunden sind in der Regel die Folge einer Verletzung, einer gewaltsamen Zertrennung des Gewebes durch einen scharfen Gegenstand. Sie sind die Ursache eines von außen kommenden Ereignisses, oft Folge kriegerischer Auseinandersetzungen oder sie sind vom Arzt im Rahmen eines operativen Eingriffs verursacht.

Urteil: Abrechenbarkeit des Nanolasers bei Katarakt-OP

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat nun entschieden, dass der Einsatz des Nano- oder Femtosekundenlasers bei der Durchführung einer Kataraktoperation nach GOÄ-Ziffer 1375 zu honorieren und im Regelfall nicht zusätzlich nach Ziffer 5855 abrechenbar ist. Da der behandelnde Augenarzt diese Gebührenziffer im Streitfall nicht hätte in Rechnung stellen dürfen, habe der Kläger keinen Erstattungsanspruch gegen die Beklagte (privater Kostenträger). Laut dieser BGH-Entscheidung ist der Lasereinsatz nur dann zu erstatten, wenn eine patientenindividuelle, eigenständige Indikation für den Lasereinsatz durch den Arzt gestellt wurde. Es müsste ärztlich in der Patientenakte dokumentiert sein, aus welchem Grund der Lasereinsatz bei dem konkreten Patientenauge medizinisch geboten war. RA Michael Zach (Mönchengladbach) erläutert das BGH-Urteil.

Ist die Entwicklung der makulären Neovaskularisation bei AMD ein intrinsischer Schutzmechanismus?

Die neovaskuläre AMD mit makulärer Neovaskularisation (MNV) als charakteristische Läsion wird als Spätstadium der AMD eingestuft, praktisch auf gleicher Ebene wie die geographische Atrophie (GA). Derzeit diskutieren Wissenschaftler intensiv darüber, ob die Ergebnisse von Phase-2- und Phase-3-Studien zur Komplementhemmung bei GA durch das Vorhandensein oder gar die Induktion von Typ 1 MNV beeinflusst wurden. Der Nachweis einer schützenden Wirkung von bestimmten MNV-Subtypen könnte eine völlig neue therapeutische Strategie anregen, nämlich die, MNV kontrolliert zu induzieren, um das Fortschreiten der AMD zu verlangsamen. Prof. Monika Fleckenstein, Priv.-Doz. Dr. Maximilian Pfau und Prof. Steffen Schmitz-Valckenberg erörtern die Entwicklung der makulären Neovaskularisation bei AMD als intrinsischen Schutzmechanismus.

Analyse der Lesefähigkeit bei AMD-Patienten mit geographischer Atrophie

Im Rahmen einer DFG-geförderten prospektiven Verlaufsstudie wurden an der Universitäts-Augenklinik 150 Augen von 85 Patienten und Patientinnen mit geografischer Atrophie infolge von altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) untersucht. Neben üblichen funktionellen Messungen wie dem Visus wurden bei dieser Kohorte auch Lesevisus und Lesegeschwindigkeit ermittelt. Sandrine H. Künzel, Prof. Frank G. Holz, Prof. Monika Fleckenstein und Priv.-Doz. Dr. Maximilian Pfau erörtern die Validität der Leseleistung als Endpunkt für zukünftige klinische Studien und ihre Abhängigkeit von strukturellen und funktionellen Parametern.