Kurznachrichten

Wie visuelle Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern

Ob wir die Bilder, die auf die Netzhaut unserer Augen fallen, auch bewusst wahrnehmen, entscheidet sich im Gehirn. Eine aktuelle Studie der Universität Bonn zeigt nun, wie manche Reize auf dem Weg ins Bewusstsein gewissermaßen „versickern“. Dieser Prozess setzt augenscheinlich erst relativ spät im Laufe der Signalverarbeitung ein. Anfangs unterscheidet sich die Reaktion der Nervenzellen auf unbewusste und bewusste Reize dagegen kaum. Die Arbeit ist nun in der renommierten Fachzeitschrift „Current Biology“ erschienen.

Computerspiele sollen die Amblyopie-Therapie verbessern

Mehr als fünf Prozent aller Kinder in Deutschland leiden unter Amblyopie, eine häufige Form der Sehstörung. Wird diese Schwachsichtigkeit zu spät erkannt oder ist die Therapie erfolglos, droht Betroffenen im Erwachsenenalter eine schwere Sehbehinderung, die sie beruflich wie gesellschaftlich stark beeinträchtigen kann. Im Rahmen eines EU-Projekts, an dem eine Forschungsgruppe der Frankfurter Universitäts-Augenklinik teilnimmt, sollen neue Test- und Therapieansätze entwickelt und geprüft werden: Computerspiele sollen die Sehfähigkeit von Kindern verbessern. Entgegen bisheriger Annahmen sollen auch Jugendliche und junge Erwachsene von einer Amblyopie-Therapie profitieren, teilt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) mit.

Anspruch auf Blindenhund gegen Krankenkasse

Das LSG Celle-Bremen hat entschieden, dass ein Blinder von seiner Krankenkasse mit einem Blindenhund und nicht nur mit einem Blindenlangstock zu versorgen ist, wenn die Orientierung durch Schwerhörigkeit zusätzlich beeinträchtigt wird. Geklagt hatte ein 50-jähriger Mann, der bis auf ein minimales einseitiges Restsehvermögen erblindet war. In jüngerer Zeit kam eine Schwerhörigkeit hinzu. Zur Orientierung außerhalb der Wohnung nahm er bisher die Hilfe seiner Frau in Anspruch. Als er bei seiner Krankenkasse einen Blindenhund beantragte, verwies diese ihn zunächst auf einen Blindenlangstock nebst Mobilitätstraining. Dem hielt der Kläger entgegen, dass ein Blindenhund ihm eine viel bessere Hilfe bieten könne. Das SG Osnabrück hatte die Klage abgewiesen.

DOG: Wissenschaftliche Wettbewerbsfähigkeit muss gestärkt werden

Nach wie vor genießen Forscher aus Deutschland weltweit hohes Ansehen. So liegt die Bundesrepublik trotz eines vergleichsweise bescheidenen Umfangs an Fördermitteln beim wissenschaftlichen Output in der Augenheilkunde hinter den USA und Großbritannien auf Platz drei. Doch China holt rasant auf, nimmt bereits Rang vier ein. Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) fordern daher stärkere europäische Vernetzung und gezielte staatliche Unterstützung.

Riesenzellarteriitis: Neue Substanz verspricht bessere Therapiemöglichkeiten

Die Riesenzellarteriitis (RZA) ist eine Autoimmunerkrankung und die häufigste Gefäßentzündung von Menschen jenseits des 50. Lebensjahrs. Wird die RZA nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sie bis zur Erblindung führen. Die bisherige Therapie mit Kortison heilt etwa die Hälfte der Patienten. Ein neues Medikament (Wirkstoff: Tocilizumab), das erstmals in einer großen Studie getestet wurde, könnte die Behandlung wesentlich effektiver und nebenwirkungsärmer machen, teilt das Klinikum der Universität München (LMU) mit.

Sehbehinderung: Lesehilfe aus dem 3D-Drucker

Hochgradig sehbehinderte Menschen sind, um Lesen zu können, auf stationäre Kamerasysteme angewiesen, deren Aufbau für Bildschirm und Kamera einen festen Platz erforderlich macht. Mobile Lesehilfen sind nur sehr eingeschränkt verfügbar. An großen Bildschirmen führt für sehbehinderte Menschen derzeit kaum ein Weg vorbei. Platziert man jedoch einen relativ kleinen Bildschirm besonders nahe vor dem Auge, entsteht ein weites Sichtfeld ohne erkennbare Grenzen. Und kleine Bildschirme in Form seines Smartphones hält heute fast jeder in Händen. Im Projekt VRread wurde eine neue, einfache Lesehilfe mithilfe eines Smartphones und einer speziellen Haltevorrichtung entwickelt.

Forschung zu Grundlagen des Farbsehens

Dr. Wolf M. Harmening von der Universitäts-Augenklinik Bonn hat zusammen mit US-Kollegen das Farbsehen anhand einzelner Sinneszellen im menschlichen Auge untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Photorezeptorzellen der Netzhaut auch bei isolierter Stimulation besonders empfindlich gegenüber den ihren Sehpigmenten entsprechenden Farben sind. Eine neue Beobachtung ist, dass auch Nachbarschaftseffekte eine Rolle spielen. Je nachdem welche Zellklassen sich in unmittelbarer Nähe der getesteten Sinneszellen befinden, variiert ihre Empfindlichkeit. Die Ergebnisse sind nun vorab online erschienen und werden demnächst in „The Journal of Neuroscience“ veröffentlicht.

Patientensymposium „Netzhautdegenerationen“ am 27. September

Bei dem Patientensymposium „Netzhautdegenerationen – Einblicke und Ausblicke. Wo stehen wir heute? Was bringt die Zukunft?“ am 27. September 2017 in Berlin werden hochkarätige Augenmediziner über neue Forschungsergebnisse und Therapieansätze für Patienten mit Netzhauterkrankungen informieren. Dieses Symposium findet im Vorfeld der 115. Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) 2017 statt.