Kurznachrichten

DOG verweist auf Internationalität des Faches

Seit der Erfindung des Augenspiegels durch Hermann von Helmholtz hat die deutsche Augenheilkunde die internationale Entwicklung des Fachs beeinflusst. Bis heute genießen Forscher aus Deutschland weltweit ein sehr hohes Ansehen. „In Anbetracht des rasanten Aufschwungs asiatischer Länder besteht jedoch Handlungsbedarf, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und seiner Leistungsträger zu sichern und zu stärken“, sagt Professor Dr. med. Thomas Kohnen, Präsident der DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft). Welche wegweisenden Konzepte derzeit die Behandlung millionenfach verbreiteter Augenleiden verbessern können, werden Experten im weltweiten Austausch auf dem DOG-Kongress 2017 unter dem Motto „Deutsche Augenheilkunde international“ in Berlin diskutieren.

„Virtuelles Mikroskop“ für Sinnesforschung entwickelt

Eine Forschergruppe der Universitätsmedizin Göttingen hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Italienischen Instituts für Technologie ein neues Verfahren für die Sinnesforschung entwickelt: aus Messungen der Reaktionen einzelner Nervenzellen auf sensorische Reize entsteht ein Abbild vorgeschalteter Nervenzellen – damit werden komplexe Verschaltungen von Nervenzellen sichtbar, die bisher nicht erkennbar waren. Dies erleichtert die Untersuchung der Sinnessysteme und damit auch die Entwicklung von Sinnesprothesen. Die Ergebnisse wurden im Wissenschaftsmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht.

Erstmals positive Resultate mit neuem Wirkstoff gegen die trockene Makuladegeneration

Bislang galt die trockene Spätform der altersabhängigen Makuladegeneration als nicht behandelbar. Jetzt zeigten sich erstmals positive Resultate mit dem Antikörper Lampalizumab, der in einer internationalen Studie das Voranschreiten der Krankheit bei vielen Patienten deutlich bremsen konnte. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine veröffentlicht. „Dies sind ermutigende Ergebnisse zum Einsatz eines Komplementhemmstoffes bei der geographischen Atrophie“, sagt Professor Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn, dessen Forscherteam an der Studie beteiligt war.

BVA fordert Strukturen für steigenden Versorgungsbedarf

Für Patienten mit feuchter altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) stehen mittlerweile Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung,  die wesentlich dazu beitragen, dass heute weniger Menschen aufgrund dieser Netzhauterkrankung erblinden. Dennoch bestehe, auch angesichts der zu erwartenden steigenden Behandlungsfälle, Optimierungsbedarf im deutschen Gesundheitssystem. Darauf macht Prof. Dr. Bernd Bertram, der erste Vorsitzende des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA), aufmerksam.

„Ampel-Pilot“: Assistenzsystem als App für Sehbehinderte

Die meisten Fußgängerüberwege sind heutzutage mit Ampeln mit akustischen oder taktilen Signalgebern ausgestattet, die Rot- und Grünphasen auch für Sehbehinderte erkennbar machen. Dennoch gibt es einzelne Ampeln, bei denen diese Signalgeber fehlen oder deren Signale durch hohen Umgebungslärm nur schwierig zu erfassen sind. Dieser Problematik hat sich eine Arbeitsgruppe des Forschungsinstituts für Augenheilkunde (FIA) am Universitätsklinikum Tübingen in Kooperation mit der Fakultät für Informatik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Augsburg gewidmet.Unter der Leitung von Dr. Torsten Straßer vom FIA entwickelten Informatikstudenten und -studentinnen den „Ampel-Pilot“, eine App für Smartphones zur Erkennung von Rot- und Grünphasen an Fußgängerampeln.

Einfacher Schieltest mit Strabismus-Video-Brille

Ein Forscherteam des UniversitätsSpitals Zürich und der Universität Sydney hat eine neuartige Video-Brille zur Messung von Schielwinkeln entwickelt. In einer Studie wurde nun die Genauigkeit der Brille geprüft und ihr Einsatz in der Praxis erprobt. Vor allem für Kinder und Patienten mit angeborenem Schielen sei die neue Brille ein Gewinn, teilt die Augenklinik des UniversitätsSpitals Zürich mit.

Stiftung Auge: Mehr Prävention für sozial benachteiligte Familien

Armut im Kindesalter kann eine gesunde Entwicklung des Sehvermögens gefährden. Das belegen Studien und die Ergebnisse von Schuleingangsuntersuchungen. So leiden Kinder aus sozial benachteiligten Familien häufiger an Sehschwäche oder schielenden Augen und fallen beim Sehtest öfter durch als Kinder aus wohlhabenderen Familien. Die Stiftung Auge fordert in diesem Zusammenhang mehr Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen. „Entscheidend ist, dass die am Entwicklungsprozess des Kindes unmittelbar beteiligten Personen wie Eltern, Lehrer oder Erzieher über mögliche Anzeichen von Augenerkrankungen bei Kindern aufgeklärt sind“, so Professor Dr. med. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge.