Autor: Katica Djakovic

Autoantikörper als neues Ziel der Glaukomtherapie

Neue Erkenntnisse zur Pathogenese und Pathophysiologie des Glaukoms weisen auf eine Beteiligung des Immunsystems und Entzündungsprozesse als kausaler Faktoren hin. In klinischen Studien wurden Veränderungen verschiedener Autoantikörper bei Glaukompatienten nachgewiesen. Dr. Bettina Hohberger (Erlangen) zeigt das Potential der Autoantikörper als neues Ziel der Glaukomtherapie auf.

Trabekelmaschenwerk-Proteine als Ziele serologischer Antikörper

Immunologische Aspekte der Glaukomerkrankung
Trotz des ungeklärten Ursprungs und der ungelösten Wirkung von glaukomspezifischen Autoantikörpern könnten sie als wertvolle Krankheitsbiomarker dienen und die Glaukomdiagnostik unterstützen. In jüngsten Studien konnten POWG-Patienten von nicht glaukomatösen Probanden bereits mit guter Präzision anhand veränderter Autoantikörper-Level klassifiziert werden. Dr. Vanessa M. Beutgen (Mainz) berichtet über die Forschungsansätze zu Veränderungen im serologischen IgG-Antikörper-Repertoire gegen Trabekelmaschenwerk-Proteine als potenzielle Biomarker beim Glaukom.

Synthetische Antikörper-Peptide bei Glaukom

Forschung zu neuroprotektiven Therapiestrategien
Zukünftige Behandlungsoptionen des Glaukoms zielen darauf ab, nicht mehr nur den Augeninnendruck zu senken, sondern in die pathophysiologischen molekularen Mechanismen beim Glaukom einzugreifen. In einer Mainzer Forschungsarbeit konnte das neuroprotektive Potenzial der synthetischen glaukomassoziierten komplementaritätsbestimmenden Regionen (CDR) auf retinale Ganglienzellen in einem Ex-vivo-Modell bereits gezeigt werden. Eine spezifische Peptid-Protein-Interaktion führte zu signifikant geringeren zellulären Stressreaktionen und zu einer erhöhten Aktivierung der antiapoptotischen und antioxidativen Signalwege in den CDR- behandelten Netzhautexplantaten. Dies belegt, dass mit spezifischen synthetischen Peptiden auf molekularer Ebene eine erhöhte Überlebensrate von retinalen Ganglienzellen möglich ist. Dr. rer. nat. Carsten Schmelter (Mainz) stellt den Forschungsansatz zur Verwendung synthetischer Antikörper-Peptide als innovative Therapieform bei der Glaukomerkrankung dar.

Lasertherapie oder IVOM beim Neovaskularisationsglaukom?

Das Neovaskularisationsglaukom (NVG) ist unter den therapierefraktären Glaukomformen häufig anzutreffen. Kausal beteiligt an seiner Entstehung sind Prozesse, die mit einer retinalen Ischämie und mit einer Ausschüttung von Wachstumsfaktoren (VEGF) einhergehen. Vor allem der ischämische Zentralvenenverschluss als auch die proliferative diabetische Retinopathie führen oftmals zu einem NVG. Die mit der Laserkoagulation und der Anti-VEGF-Injektion zur Verfügung stehenden therapeutischen Optionen in ihren Vor- und Nachteilen beim Neovaskularisationsglaukom erläutern Prof. Matthias Lüke und Prof. Julia Lüke (Köln).

Neue Entwicklungen bei viskoelastischen Substanzen

Der Einsatz von Vitalfarbstoffen in der Augenheilkunde als effektives und nützliches Hilfsmittel setzt voraus, dass der Farbstoff keine toxischen Auswirkungen auf die Zellstrukturen des Auges hat. Dabei spielt neben der Konzentration auch die Expositionszeit des Farbstoffes eine Rolle. In einer Laborstudie wurde mittels Raman-Spektroskopie die Rückstandsmenge des Farbstoffes Trypanblau ermittelt, die bei der routinemäßigen Anwendung zweier kommerzieller Produkte auf einem Objektträger verbleibt, von denen eines Mischung von Viskoelastikum und Farbstoff kombiniert. Prof. Achim Langenbucher und Dr. Andreas F. Borkenstein berichten über die Ergebnisse.

Die Taschenapotheke

Serie zur Sammlung Roth (Folge 117)
Arzt und Apotheker ergänzten sich stets ideal auf dem Gebiet der Heilkunde. Während die Aufgabe des Mediziners darin bestand, eine Erkrankung anhand der Anamnese, an ihren Symptomen und des Untersuchungsbefundes zu diagnostizieren, war es die Aufgabe des Apothekers, hierzu eine adäquate Medikation zu liefern. Beide Berufsgruppen haben letztlich die Aufgabe übernommen, in enger Zusammenarbeit den Patienten zu heilen. Dabei ist es wichtig, dass bei Bedarf die notwendige
Medikation für den Kranken auch möglichst kurzfristig zur Verfügung steht.

Fallbericht: Plattenepithelkarzinomdes Unterlides

Eine 33-jährige Patientin stellte sich mit gerötetem und gereiztem Unterlid des linken Auges erstmals beim Augenarzt vor. Sie gab an, seit etwa acht Wochen vermehrt Beschwerden zu haben, nachdem zuvor eine Therapie mit antibiotischen Augensalben über einen Zeitraum von etwa einem dreiviertel Jahr durch den Hausarzt stattgefunden habe. Dr. M. Cumhur Vardarli, Dr. Peter Press und Dr. Karl Rudolf Berret berichten über ein als Entzündung behandeltes Plattenepithelkarzinom des Unterlides.

Das Kontaktlinsenpflegemittel

Serie zur Sammlung Roth (Folge 116)
Vor 50 Jahren begann der Siegeszug der weichen Kontaktlinsen, inzwischen haben sie sich bei Millionen von Menschen als alternative Sehhilfe bewährt und die Brille ersetzt. Nach den ersten Versuchen mit der so genannten Kontaktbrille gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts zum Ausgleich des Hornhautstaphyloms, heute als Keratokonus bezeichnet, gibt es inzwischen keine Refraktionsanomalie, die nicht mit einer Kontaktlinse versorgt werden könnte. Darüber hinaus lassen sich zahlreiche Hornhauterkrankungen oder Unfallfolgen mit weichen Linsen als Bandage oder durchsichtigem Verband therapieren.

35. Jahrestagung der DGII tagte als Hybrid-Veranstaltung

„Individualisierung der Augenchirurgie“
Die „Individualisierung der Augenchirurgie“ stand im Mittelpunkt der 35. Tagung der Deutschsprachigen Gesell schaft für Intraokularlinsen-Implantation, interventionelle und refraktive Chirurgie (DGII), die der diesjährige Tagungspräsident Dr. Peter Hoffmann, Direktor der Augen- & Laserklinik Castrop Rauxel GmbH, als Hybrid-Veranstaltung vom 25. bis 27. Februar in Dortmund und zugleich als Live-Stream ausrichtete. Dr. Timur M. Yildirim (Heidelberg) berichtet über den Kongress.

Beihilfe bestätigt die Abrechnung des Femtosekundenlasers

Die Beihilfe wird künftig den Einsatz des Femtosekundenlasers erstatten müssen. Zivilgerichte hatten die Erstattungsfähigkeit des Lasereinsatzes bislang unterschiedlich bewertet. Einerseits wird die Auffassung vertreten, der Lasereinsatz bei jedem Patienten sei stets eigenständig indiziert, andererseits sei in jedem Fall eine individuelle Indikation erforderlich. Die jüngere zivilrechtliche Judikatur lässt die Frage nach der generellen Indikation des Lasers offen, wenn sie individuell bei dem jeweiligen Patienten bejaht werden kann. RA Rüdiger Gedigk (Siegburg) erläutert die Rechtsprechung.