Kurznachrichten

Retina-Langzeitkulturen als Tierersatzversuch

Über 250.000 Tiere werden jedes Jahr weltweit für die Forschung in der Augenheilkunde benötigt. Mit der Weiterentwicklung einer neuen Ersatzmethode wollen Dr. Kai Januschowski und Dr. Sven Schnichels aus der Arbeitsgruppe um Prof. Martin Spitzer an der Tübinger Universitäts-Augenklinik diese Zahl drastisch reduzieren. Dazu wollen sie ex-vivo Langzeitretinakulturen am Rindermodell und am Schweinemodell anlegen. „Tierersatzversuche sind im Sinne des Tierschutzes generell sehr wichtig, aber für uns als Ophthalmologen besonders interessant, weil es häufig wichtig ist, das Auge gesondert zu betrachten“ erklärt Prof. Spitzer, Leiter der Forschungsgruppe an der Tübinger Augenklinik. „Wir glauben, dass ein Tierersatzversuch bei gewissen ophthalmologischen Fragestellungen sogar wissenschaftlich bessere und genauere Antworten hervorbringen kann als ein herkömmlicher Tierversuch“ fügt Dr. Januschowski an. Das Bundesinstitut für Risikobewertung fördert das Projekt mit 145.000 Euro.

Computermodell simuliert „optogenetisches Sehen“

Die Optogenetik gilt seit einigen Jahren als vielversprechender Therapieansatz bei fortschreitender Erblindung, wie sie beispielsweise durch eine Degeneration der Netzhaut ausgelöst wird. Um diesen Therapieansatz weiterentwickeln zu können, haben Marion Mutter und Dr. Thomas Münch vom Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) und vom Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience (BCCN) an der Universität Tübingen nun ein Computermodell entwickelt, mit dem sich das „optogenetische Sehen“ simulieren lässt. Die Studie wurde aktuell im Fachmagazin PLOS ONE veröffentlicht.

Zehn Jahre Hornhautbank Baden-Württemberg

Das zehnjährige Bestehen der Lions Hornhautbank Baden-Württemberg feiert die Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg mit einer Fachtagung. Die Fachvorträge widmen sich den Themenfeldern Trockenes Auge und Augenoberfläche, Infektionen und Hornhautdystrophien.Der “Freiburger Hornhauttag” findet am Samstag, den 7. Dezember, von 9 bis 15 Uhr im Kollegiengebäude I, Platz der Universität 3, Freiburg, statt. In der Lions Hornhautbank Baden-Württemberg werden seit 2003 Spender-Hornhäute qualitätsgesichert entnommen, begutachtet und konserviert. Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum erhielt die Hornhautbank nach Mitteilung der Universität zwei wichtige Genehmigungen für ihr weiteres Wirken: Das Regierungspräsidium Baden-Württemberg genehmigte die Gewinnung und Herstellung von Hornhauttransplantaten nach § 20b und 20c des Arzneimittelgesetzes.

EFAB-Studie zu volkswirtschaftlichen Kosten von Blindheit

Das European Forum Against Blindness (EFAB) stellte kürzlich die Ergebnisse einer neuen gesundheitsökonomischen Studie vor. Analysiert wurden die wirtschaftlichen Auswirkungen von Blindheit und der vier häufigsten Augenerkrankungen auf das deutsche Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft. Die Studie, durchgeführt von der unabhängigen gesundheitsökonomischen Unternehmensgruppe Deloitte Access Economics, zeigt: Die volkswirtschaftlichen Kosten für Blindheit betragen in Deutschland jährlich über 2,5 Milliarden Euro. Etwa 44% dieser Kosten fallen für die informelle tägliche Pflege der blinden Menschen durch pflegende Angehörige an.

Auszeichnung für Tübinger Nachwuchswissenschaftlerin

Für wissenschaftliche Untersuchungen an menschlicher Netzhaut ist die Nachwuchswissenschaftlerin Katja Reinhard, Werner-Reichardt-Centrum für integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen, mit dem „Lush Prize 2013“ ausgezeichnet worden. Das internationale Unternehmen fördert damit in verschiedenen Kategorien wissenschaftliche Untersuchungen mit alternativen Methoden zu Tierversuchen, zum Beispiel in Zellkulturen oder an menschlichem Gewebe. Die Doktorandin Reinhard wurde in der Kategorie „Junge Forscher“ im rahmen einer feierlichen Veranstaltung in London ausgezeichnet, teilt die Universität Tübingen mit. Das Preisgeld von 12.500 Pfund werde sie für die Verbesserung und Weiterentwicklung ihrer Studie verwenden, heißt es weiter.

BVA kritisiert Einsatz von Prismenbrillen

Mit dem Begriff der so genannten Winkelfehlsichtigkeit gehe “ein Phantom um in Kindergärten und Schulen”, kritisiert der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA). Nach Ansicht des BVA wird der Begriff von einigen Optikern und Ergotherapeuten eingesetzt, um Sehprobleme von Kindern zu beschreiben und sie dann mit Prismenbrillen zu versorgen. Dies sei aus medizinischer Sicht nicht nur unsinnig, sondern mitunter sogar schädlich, erläutert Priv.-Doz. Dr. Dietlind Friedrich, Leiterin des Ressorts Strabologie/Neuroophthalmologie im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA).

Erstmals positiver Therapieeffekt bei fortgeschrittener trockener AMD

Die so genannte geographische Atrophie als fortgeschrittenes Stadium der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) ist eine häufige Ursache für schweren Sehverlust im Alter. Bislang gab es noch keine wirksame Therapie. Prof. Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn, stellte im Rahmen des EURETINA-Kongresses in Hamburg die Ergebnisse der Phase-II-Studie mit dem Antifaktor D-Präparat Lampalizumab vor, mit dem erstmals das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden konnte. Bei der monatlichen intravitrealen Injektion von Lampalizumab wurde ein Effekt bereits nach 6 Monaten gefunden, der über den Studienzeitraum von 18 Monaten anhielt.

Studie zur Verbesserung der visuellen Verarbeitung im Gehirn

Neurowissenschaftler Suresh Krishna aus der Abteilung Kognitive Neurowissenschaften des Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen hat in Zusammenarbeit mit Annegret Falkner und Michael Goldberg von der Columbia University, New York nachgewiesen, in welchem Maße einzelne Neurone in einer wichtigen Hirnregion des Rhesusaffen weniger variabel reagieren, wenn sie wichtige visuelle Informationen verarbeiten, während die Tiere Augenbewegungen ausführen. Diese Rauschreduktion kann die Wahrnehmungsstärke von beobachteten oder wichtigen Aspekten unserer visuellen Umwelt verbessern und fällt noch stärker aus, je motivierter die Tiere sind, die Aufgabe auszuführen, beschreibt der Bericht der DPZ die gemeinschaftliche Studie.

DFG fördert drei Forschungsprojekte an der Freiburger Klinik für Augenheilkunde

Gleich drei Wissenschaftler der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg haben unlängst Zusagen für Projektfördermittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhalten. „Wir sind sehr stolz, in unserer kleinen Klinik gleich drei Forschungsprojekte mit solch prominenter Förderung durchführen zu können“, so Prof. Dr. Thomas Reinhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde.

Sicca-Förderpreis 2014 ausgeschrieben

Der Sicca-Förderpreis 2014 des Ressorts Trockenes Auge und Oberflächenerkrankungen im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) für herausragende Forschungsarbeiten zum Trockenen Auge ist ausgeschrieben. Abgabefrist für die Vortragstitel ist der 15. Dezember, das Forschungsprojekt muss eingereicht werden bis 21. Februar. Verliehen wird der Sicca-Förderpreis 2014 auf dem Jahrekongress der DOG in Leipzig.