Aus der aktuellen Ausgabe

181. RWA-Versammlung tagte in Aachen

„Hightech in der Ophthalmologie“
Zur 181. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte (RWA) lud Prof. Peter Walter vom 25. bis 26. Januar nach Aachen ein. In der Euregio Aachen-Lüttich-Maastricht hat die Verbindung von Medizin und Naturwissenschaften mit der Ingenieurskunst eine besonders lange Tradition und wird in zahlreichen interdisziplinären Forschungsprojekten gelebt. Demzufolge stand der Fokus der diesjährigen Tagung auf Hightech und Innovationen mit Vorträgen zur Robotik ebenso wie auf systembiologischen Ansätzen in der Diagnostik und neuen digitalen Techniken und Möglichkeiten. Von Katica Djaković.

Welche Halbwertzeit hat medizinisches Wissen?

Wissen unterliegt einem Alterungsprozess und insbesondere innovationsrelevantem Wissen wird eine hohe ­Zerfallsgeschwindigkeit zugeordnet. So gilt, dass die Halbwertzeit medizinischen Wissens bei etwa fünf J­ahren liege. Die medizinische Innovation schreite so schnell voran, dass für Skepsis, Abwarten und wissenschaftliche Bewertung kaum Zeit bleibe, lautet ein weiterer Aspekt in der Betrachtung. Doch welche Bedeutung ist dann ärztlicher ­Fortbildung beizumessen? Prof. Stefan Sauerland (Köln) hinterfragt diese Annahmen und unterzieht sie einer ­kritischen Prüfung.

3. Retina Update in Münster

Zum 3. Retina Update hatten Prof. Albrecht Lommatzsch, Prof. Daniel Pauleikhoff und Dr. Georg Spital, Leitende Ärzte am Augenzentrum des St. Franziskus-Hospitals, im September nach Münster eingeladen. Dr. Udo Hennighausen (Hamburg) fasst die Vorträge der Referenten unter den Schwerpunktthemen Frühgeborenenretinopathie, vaskuläre Netzhauterkrankungen und hereditäre Netzhautdystrophien, Erkrankungen der Makula und diabetische Retinopathie, intraokulare Tumoren, Ablatio retinae sowie Erkrankungen des Glaskörpers zusammen.

Management-Aufgaben bei Einführung der Femto-Kataraktchirurgie

Der Einsatz des Femtosekundenlasers in der Kataraktchirurgie – zur Kapsulotomie, Linsenfragmentierung und gegebenenfalls kornealen Inzisionen – ermöglicht in seiner Technologie eine hohe Präzision und damit einen komplikationsloseren Verlauf mit besseren klinischen Ergebnissen. Dem gegenüber stehen im Vergleich zum ­konventionellen Vorgehen die Mehrkosten bei Anschaffung und Behandlung. Die auf dem Markt verfügbaren Geräte weisen eine Reihe von Besonderheiten auf und unterscheiden sich in einzelnen Kriterien. Dr. Thomas Haupt (Bonn), Tim Herbst (Kiel) und Ilka Sutor (Sulzbach) erläutern anschaffungsrelevante Aspekte und Management-Aufgaben bei Einführung der Femto-Kataraktchirurgie in die eigene Praxis.

Intraoperative Wellenfronten­aberrometrie als Real-Time-Biometrie

Digitale Assistenzsysteme, wie zum Beispiel die intraoperative Wellenfrontenaberrometrie, sind dabei, sich auch im OP durchzusetzen. Bislang ist die Gruppe um Dr. Jan Hülle und Prof. Stephan J. Linke die einzige, die­ ­wellenfrontbasierte Formeln zur IOL-Berechnung publiziert hat und die intraoperative Wellenfrontenaberrometrie (IWA) einer systematischen Qualitätsprüfung unterzogen hat. Dr. Jan O. Hülle, Vasyl Druchkiv, ­Prof. Gisbert Richard, Priv.-Doz. Dr. Toam R. Katz und Prof. Stephan J. Linke stellen die Daten vor und ­diskutieren ­Herausforderungen und Limitierungen der Methode.

Sicherheit der femtosekundenlaser­assistierten Kataraktchirurgie

Zu den Vorteilen der femtosekundenlaserassistierten Kataraktchirurgie zählen gute Visualisierung, antiastig­matische Inzisionen, lasergestützte Markierungen der Achslage bei torischen Implantaten, nahezu ideal runde und benutzervorgegebene Kapsulorhexis. Wie sieht es mit der Sicherheit der Technik aus, welchen Einfluss hat sie auf den manuellen Part und den postoperativen Verlauf? Hierzu wurden im Rahmen einer retrospektiven Analyse rund 1.500 konsekutive Fälle von Linsenoperationen betrachtet und prä- und postoperative Parameter ­ausgewertet. Dr. Ilya Kotomin, FEBO, und Dr. Martina Prasse (Leipzig) stellen die Daten vor.

Kultivierte Keratozyten für stromale Therapie von Hornhauterkrankungen

Korneale stromale Keratozyten sind anspruchsvolle Primärzellen, die in Kultur schnell zu stromalen ­Fibroblasten entarten können, welche dann an Vernarbungsprozessen der Hornhaut beteiligt sind. In den letzten ­Jahren ­wurden Protokolle für die Konservierung und Expansion in Kultur entwickelt. Somit steht der Weg offen für einen ­zielgerichteten Einsatz dieser Zellen im Tissue Engineering und der Therapie von Erkrankungen des ­Hornhautsstromas. Priv.-Doz. Dr. Matthias Fuest (Aachen) berichtet über erste Versuche, in denen eine ­antifibrotische und antiangiogene Wirkung von intrastromal injizierten kornealen stromalen Keratozyten in der Rattenhornhaut gezeigt werden konnte.

Fallbericht: Prinzipien der operativen Versorgung einer penetrierenden Bulbusverletzung

Bei penetrierenden Bulbusverletzungen sind kurzfristige und durchdachte vitreochirurgische Behandlungs­strategien erforderlich. Trotz frühzeitiger operativer Versorgung können auch bei limitierter Gewebsdestruktion Endophthalmitiden und vitreoretinale Proliferationen limitierend für die Visusprognose sein. Dr. Katja Vogt, ­Dr. Erping Zhang und Priv.-Doz. Dr. Joachim Wachtlin berichten über einen 46-jährigen Mann, der sich nach penetrierender Bulbusverletzung mit einem Visus von Handbewegungen in der Notaufnahme vorstellte.

Der Arbeitsplatz des Brillenmachers

Serie zur Sammlung Roth (Folge 92)­­
Die Entdeckung, dass sphärisch geschliffene Gläser vergrößernde Eigenschaften haben und als Sehhilfe dienen konnten, sorgte zugleich für die Entstehung eines neuen ­Tätigkeitsfeldes, in dem Glasbläser, Holzschnitzer und Ledermacher, Feinmechaniker und Juwelier gleichermaßen benötigt wurden. Das Berufsbild des Augenoptikers entstand. Noch nannte man ihn den Brillenmacher: schon 1535 wurde die erste Brillenmacherzunft in Nürnberg gegründet, weitere Städte folgten. Die Werkstatt des Opticus, wie man den Augenoptiker damals bezeichnete, musste bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts von Gesetzes wegen zertifiziert sein. Bald gab es die ersten Reglements, die Qualitäts­sicherung erforderte eigene Gesetze. Diese Vorschriften sind uns zwar überliefert, ­genauere Beschreibungen der Werkstatt und ihrer Einrichtung fehlen uns aber aus den Anfangsjahren. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts tauchen dann Holzschnitte auf, 
die uns den Arbeitsplatz des „Brillemachers“ zeigen.

Autofluoreszenz-Lebzeitenmessung (FLIO) der Netzhaut

Fluoreszenz-Lebzeitenmessung mittels „Fluorescence lifetime imaging ophthalmoscopy“ (FLIO) ermöglicht eine nichtinvasive Darstellung von natürlichen Fluorophoren der Netzhaut. Die Anwendung von FLIO erweitert das Spektrum der retinalen Bildgebung und ermöglicht Einblicke und Erkenntnisse in verschiedene Netzhauterkrankungen. Dr. Chantal Dysli, Dr. Muriel Dysli, Prof. Dr. Sebastian Wolf und Prof. Dr. Martin S. Zinkernagel (Universitätsklinik für Augenheilkunde, Inselspital Bern, Schweiz) stellen die Grundlagen von FLIO dar und erläutern Messungen in gesunden Augen und bei Altersabhängiger Makuladegeneration (AMD), die auf das Potential für Screening und Verlaufsuntersuchungen auch im Zusammenhang mit therapeutischen Ansätzen zur Detektion von subtilen Veränderungen hinweisen.