Aus der aktuellen Ausgabe

Der Augenchirurg zwischen Kostenträger, Bewertungsportal und Patient

Der Arztvertrag wird häufig in tradierter Umgangssprache umschrieben als „geschütztes Arzt-Patienten-­Verhältnis“. Dem Patienten ist gemeinhin die freie Arztwahl und in Abstimmung mit ihm die freie Methodenwahl eröffnet. Die vor dem Zugriff Dritter besonders schützenswerten Gesundheitsdaten haben erst kürzlich durch das Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) besondere Aufmerksamkeit erfahren. Und auch die Bedenken, die bei einem übermäßigen Vordringen gewerblicher Anbieter oder Kapitalgeber in die Kernbereiche der Ausübung des Arztberufes bestehen, werfen die Frage nach dem effektiven Schutz der augenärztlichen Heilberufsausübung auf. Ein Beitrag von RA Michael Zach (Mönchengladbach).

PRIVENT-Studie: Prophylaktischer Ansatz bei der PVR

Bei den bisherigen pharmakologischen Ansätzen zur Prävention und Behandlung der proliferativen Vitreoretinopathie (PVR) handelt es sich lediglich um Konzepte, die im Rahmen präklinischer und weniger klinischer Studien eingesetzt wurden. Untersucht wurden hierbei antiinflammatorische und antiproliferative Substanzen – jedoch bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Priv.-Doz. Dr. Friederike Schaub und Prof. Bernd Kirchhof (Köln­)­ stellen im Folgenden die PRIVENT-Studie vor, die den Einsatz von 5-Fluorouracil und Heparin intravitreal zur Senkung der Inzidienz der PVR nach Amotiochirurgie untersucht. An der Phase-III-Studie, die seit ­Oktober 2016 in aktiver Rekrutierung ist, sind derzeit 13 deutsche Prüfzentren beteiligt. Da nur wenige ­Patienten zur ­PVR-­Risikogruppe gehören, wurden mittlerweile mehr als 2.000 Patienten in den Zentren mit primär ­rhegmatogener Amotio ­pre-gescreent und 235 Patienten (Stand 12.12.2018) konnten bereits in die Studie ­eingeschlossen werden.

Makulapigmentverteilung als Biomarker für die Erkrankungsprogression bei MacTel

Die physiologische Rolle des Makulapigmentes umfasst die Filterung schädlichen, kurzwelligen Lichtes, die ­Reduktion von Blendung und, auf molekularer Ebene, die Neuroprotektion retinaler Zellen. Bei Patienten mit Makulären Teleangiektasien Typ 2 (MacTel) konnte bereits gezeigt werden, dass die Reduktion des Makula­pigmentes mit einer Dysfunktion beziehungsweise dem Verlust von Müller-Zellen sowie mit diversen weiteren ­morphologischen und funktionellen Veränderungen assoziiert ist. Dr. Simone Tzaridis, Prof. Peter Charbel Issa, Dr. Tjebo F.C. Heeren, Dr. Sarah Thiele, Prof. Frank G. Holz und Dr. Philipp Herrmann erörtern anhand von Ergebnissen einer retrospektiven, longitudinalen Studie die Makulapigmentverteilung als Biomarker für die ­Erkrankungsprogression bei MacTel.

Autofluoreszenz-Lebzeitenmessung (FLIO) der Netzhaut

Fluoreszenz-Lebzeitenmessung mittels „Fluorescence lifetime imaging ophthalmoscopy“ (FLIO) ermöglicht eine nichtinvasive Darstellung von natürlichen Fluorophoren der Netzhaut. Die Anwendung von FLIO erweitert das Spektrum der retinalen Bildgebung und ermöglicht Einblicke und Erkenntnisse in verschiedene Netzhauterkrankungen. Dr. Chantal Dysli, Dr. Muriel Dysli, Prof. Dr. Sebastian Wolf und Prof. Dr. Martin S. Zinkernagel (Universitätsklinik für Augenheilkunde, Inselspital Bern, Schweiz) stellen die Grundlagen von FLIO dar und erläutern Messungen in gesunden Augen und bei Altersabhängiger Makuladegeneration (AMD), die auf das Potential für Screening und Verlaufsuntersuchungen auch im Zusammenhang mit therapeutischen Ansätzen zur Detektion von subtilen Veränderungen hinweisen.

Strategien zum Ausstieg aus Tierversuchen

In der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes in Neubiberg bei München setzen sich Wissen­schaftler aus den Bereichen Biologie, Tiermedizin und Recht mit Aspekten der Tierschutzproblematik in der Gesellschaft auseinander. Insbesondere auf dem Gebiet der medizinischen Alternativmethodenforschung genießt die Akademie auch international großes Ansehen. Dipl. Biol. Kristina Wagner (Neubiberg) stellt das Strategiepapier der Niederlande vor, das bis 2025 einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung von Tierversuchen sowohl auf ­nationaler als auch auf internationaler Ebene leisten will, und erörtert Strategien zum Ausstieg aus Tierversuchen.

Qualitätskriterien für Einweg-Tonometerköpfchen

Einweg-Tonometerköpfchen unterscheiden sich von Mehrweg-Tonometerköpfchen durch ihren Produktions­prozess: Einweg-Köpfchen werden im so genannten Moulded-Verfahren hergestellt, das heißt der Kunststoff ­wird in eine Form gepresst. So entstehen in einem einzigen Arbeitsschritt anspruchsvolle Oberflächen. Bei wiederverwendbaren Original-Messköpfchen wird die optische Oberfläche nachbearbeitet und plan poliert, um eine ­möglichst hohe Präzision des Werkstücks sicherzustellen. Dr. Georg Niepel (Stolberg) hat bei einer ­kleinen ­Patientenserie die Messergebnisse von Einweg- und Mehrweg-Tonometerköpfchen miteinander verglichen und diskutiert mögliche Ursachen der abweichenden Messergebnisse.

Auge und Brille in der Religion

Serie zur Sammlung Roth (Folge 91)
In nahezu allen Religionen und Geheimgesellschaften – etwa den Freimaurern – kommt dem Auge eine eigene Bedeutung zu. Die christliche Religion kennt das allsehende Auge Gottes, das alles erblickt und wertet, das Auge, das Güte ausstrahlt oder das Auge, das den Zorn des Herrn erkennen lässt. Der göttliche Blick ist also zum einen aktiv, als ein sehender, zu verstehen, zum anderen als ein vermittelndes Objekt, also passiv. Man denke nur an den bösen Blick. Das Gebot, du sollst Dir kein Bildnis von Gott machen, untersagte lange Zeit auch das göttliche Auge in seiner Ausstrahlung auf den ­Menschen zu zeigen. Später war das Auge oft stellvertretend für Gott selbst zu ­verstehen. Es findet sich so auf dem Geldschein, der Ikone oder im ­Tympanon des Kirchenfensters.

European Association for Vision and Eye Research (EVER) tagte in Nizza

Wissenschaftliche Kongresse sind oft der Ausgangspunkt für neue, innovative Forschungsansätze, die in den ­verschiedensten Sitzungen über Ländergrenzen hinweg diskutiert werden. Auf europäischer Ebene findet einmal im Jahr der Kongress der European Association of Vision and Eye Research (EVER) statt, ein Zusammenschluss europäischer ophthalmologischer Forschungsvereinigungen, bei dem Grundlagenwissenschaftler und Ärzte ­aktuelle Themen vorstellen und diskutieren. Dr. Bettina Hohberger (Erlangen) fasst einige Eindrücke des dies­jährigen ­Programmes zusammen.

BVA-Delegiertenversammlung 2018 in Berlin

„Die Einheit des Faches verteidigen!”
Auf der Agenda der diesjährigen BVA-Delegiertenversammlung standen neben dem Bericht zur Lage des 1. Vorsitzenden Prof. Bernd Bertram auch die aktuellen Vorgaben aus Gesetzgebung und Politik, insbesondere Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), die Telematikinfrastruktur, aber auch Honorarstrukturen und neueste Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz in der ophthalmologischen Bildgebung. Die aktuellen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen des Faches und insbesondere das im September erschienene Gutachten des G-BA zur Bedarfsplanung, das eine gedankliche Trennung zwischen operativ und konservativ tätigen Augenärzten vollzieht, boten reichlich Stoff für Diskussionen sowie die Formulierung von Standpunkten und Forderungen des Verbandes für die öffentliche berufspolitische Debatte. Von Ulrike Lüdtke M.A.

Ist die Kataraktchirurgie mit dem Nanolaser endothelschonend?

Obwohl die Kataraktchirurgie mittels Phakoemulsifikation (mit oder ohne Femtolaserassistenz) eine sehr weit ­verbreitete und mit operativer Expertise sichere Methodik darstellt, hat sie ihre systemimmanenten Probleme: Der postoperative Endothelzellverlust ist mit einer Vielzahl von Faktoren assoziiert wie beispielsweise ­Phakozeit und -energie, Hitzeentwicklung im Bereich des Tunnels und Vorschäden der Hornhaut. Im Rahmen einer ­Pilotstudie, durchgeführt vom Augenzentrum Hildesheim-Alfeld-Bockenem und Mitarbeitern der DGFG-­Hornhautbank in ­Hannover, wurde die endotheliale Zellzahlbestimmung und Hornhautdickenmessung nach ­Kataraktchirurgie mit dem Nanolaser untersucht. Dr. Lutz Blomberg, FEBO, Dr. Imke Wübbolt, Dr. Katrin Wiese, M. Awe und Dr. Martin Knabe  stellen die Ergebnisse vor.