Aus der aktuellen Ausgabe

Erste virtuelle Zusammenkunft der Julius-Hirschberg-Gesellschaft (Teil 1)

„Ein Jahr, wie kein anderes“
Seit 33 Jahren tagt die Julius-Hirschberg-Gesellschaft (JHG) jährlich an wechselnden Orten und hatte im von-Graefe-Jahr zeitgleich zum Kongress der DOG Berlin als Tagungsstätte für die XXXIV. Zusammenkunft der Ophthalmohistoriker geplant. Doch auch die JHG plante kurzfristig um und fand sich erstmals zu einem virtuellen Treffen zusammen. Dr. Sibylle Scholtz (Ettlingen) und Mariam Raad (Karlsruhe) berichten über die Online-Tagung, die für alle Teilnehmer kostenlos war und auch für Gäste offen stand.

Elektronische Krankenakte trifft Forschungsregister

Digitalisierte Daten der Kataraktchirurgie
Die Dokumentation in Registerform, zuletzt oft als „real world data“ bezeichnet, scheitert zumeist an der zu aufwändigen Datenerhebung. Sie gelingt nur, wenn die Dateneingabe strukturiert und die Extraktion automatisiert erfolgt. Im AugenCentrum Rosenheim wurden Strukturen eingerichtet, um zunächst für die Linsen- und Kataraktchirurgie Daten strukturiert in das Arztinformationssystem einzugeben und sie dann entsprechend in Registerform zu extrahieren. Daneben war Zielvorgabe, diese Daten wissenschaftlich durch eine Registerform auszuwerten. Prof. Ekkehard Fabian, Dr. M. Müller, Prof. Philipp Eberwein, Dr. Thomas Pfeiler und Dr. Ulrich Seher (Rosenheim) stellen erste Ergebnisse vor.

Einführung einer elektronischen Dokumentation im Krankenhaus

Die unterschiedlichen Herausforderungen und Erfahrungen bei der Einführung einer elektronischen Dokumentationsform (eAkte) im Krankenhaus fassen Robert Naffouje, FEBO und Priv.-Doz. Dr. Joachim Wachtlin zusammen. Mit einer Dauer von knapp zwei Jahren durchlief das Projekt verschiedene Phasen und führte Ende 2019 zur erfolgreichen Implementierung einer eAkte in der Augenabteilung am Sankt Gertrauden Krankenhaus in Berlin.

Digitales Management der IVOM-Termine

Durch eine konsequente IVOM-Therapie kann die Prognose von bestimmten Netzhauterkrankungen verbessert werden. Um dies trotz steigender Patientenzahlen und abnehmender Versorgungsdichte leisten zu können, müssen Praxisabläufe und Therapieprozesse besser gestaltet werden. Dr. Stephanie Glück (Ludwigsburg) erläutert, wie die Einführung eines digitalen IVOM-Managements im Praxisalltag zu einer optimalen Nutzung verfügbarer Ressourcen beitragen kann.

Digitales Diabetesscreening

Die Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI) in der Augenheilkunde entwickelt sich fortlaufend weiter. Das Screening auf diabetische Retinopathie mittels KI könnte dabei eine große Rolle bei der Prävention der Erblindung durch Diabetes spielen. Priv.-Doz. Dr. Robert Kromer, FEBO (Hamburg) gibt einen Überblick über KI-Systeme, die in der klinischen Routine zur Auswertung und Beurteilung der diabetischen Retinopathie eingesetzt werden.

Steuerliche Abzugsfähigkeit von Spenden

Spenden können im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung abgesetzt werden, aber nicht in beliebiger Höhe und nicht ohne Beleg. Der Augenarzt ist deshalb gut beraten, bei der Nachweisführung Sorgfalt an den Tag zu legen, um Spenden auch als steuerlich abzugsfähig anerkannt zu bekommen. Diplom-Volkswirt Dr. Hans-Ludwig Dornbusch (Sankt Augustin) zeigt anhand von Beispielen auf, worauf zu achten ist.

Kongress DOG 2020

„Von Graefe goes online“
Von Graefe goes online oder auch: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit… so die prägenden Eindrücke der „DOG 2020 online“ im von-Graefe-Jahr: Ein neues, zukunftsweisendes und spannendes Tagungsformat wurde erfolgreich für eine große Teilnehmerschaft in der Augenheilkunde eingeführt und – flankierend zum wissenschaftlichen Programm – ein inhaltlicher Schwerpunkt, der sich in verschiedenen Aspekten dem Thema der im ärztlichen Alltag fehlenden Zeit verschrieben hatte. Ulrike Lüdtke M.A. berichtet über den virtuellen Kongress.

Pelluzide marginale Degeneration versus Keratokonus

Differentialdiagnostik mittels Weitfeld-SD-OCT
Für die Diagnose pelluzide marginale Degeneration wird zumeist die Hornhauttopografie herangezogen. Doch hinter dem typischen Crab-Claw-Zeichen verbirgt sich statistisch gesehen häufiger ein inferiorer Keratokonus. Die Unterscheidung zwischen den beiden Erkrankungen hat jedoch großen Einfluss auf das therapeutische Vorgehen und die Prognose für den Patienten. Mit der Weitfeld-Hornhaut-OCT steht nun ein Diagnosetool zur Verfügung, das epitheliale Veränderungen im Sinne eines epithelialen Remodellings detektieren kann. Niklas Mohr ­(München) stellt dar, dass sich dadurch ektatische Erkrankungen auch in frühen Stadien differenzieren lassen.

Korneale Manifestation der Cystinose

Etablierung eines objektiven Biomarkers mittels eines SD-OCT-Bildgebungsalgorithmus
Etwa 130 Menschen in Deutschland leiden an Cystinose, einer autosomal rezessiv vererbten, lysosomalen Speicherkrankheit. Für die kornealen Cystinkristallablagerungen existiert eine effektive Therapie mit cysteaminhaltigen Augentropfen. Eine frühe Diagnose und ein exaktes Monitoring der kornealen Cystinkristallablagerungen sind essentiell, da die frühe Einleitung und Einhaltung der topischen Therapie einen signifikanten Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat. Ziel der interdisziplinären Cystinosesprechstunde der LMU München ist es, einen ersten objektiven, semiautomatisierten Bildsegmentierungsalgorithmus zur Erkennung und objektiven Quantifizierung von kornealen Cystinkristallablagerungen bei okulärer Cystinose mittels Vorderabschnitts-OCT) zu entwickeln. Von Leonie Keidel, Carolin Elhardt, Priv.-Doz. Dr. Katharina Hohenfellner, Prof. Siegfried Priglinger, Dr. Benedikt Schworm, Dr. Christian Wertheimer, Priv.-Doz. Dr. Claudia Priglinger und Priv.-Doz. Dr. med. Dr. scient. Nikolaus Luft.

Paradigmenwechsel in der LCS-Erstattungsdiskussion

Für die LCS (laser-assisted cataract surgery) wurde in der Vergangenheit diskutiert, ob sie für einen jeden Patienten medizinisch indiziert ist und Kostenträger sie stets zu erstatten haben. Dies führte im Effekt dazu, dass Behandler gar nicht mehr begründeten, warum sie die LCS überhaupt empfahlen, was wiederum dazu führte, dass gerichtlich bestellte Gutachter den Fall beurteilten, ohne die Behandlungsunterlagen auszuwerten und Gerichte sogar auf eine medizinische Begutachtung des Patientenfalles überhaupt verzichteten. Heute hingegen fordern die Gerichte überwiegend, dass aus dem jeweiligen Ausgangsbefund die Behandlungsindikation individuell hergeleitet und dargelegt wird, bevor die Kostentragung bestätigt werden kann. RA Michael Zach (Mönchengladbach) erörtert einzelne LCS-Indikationslagen.