Aus der aktuellen Ausgabe

Hydrogelbasierter Glaskörperersatz

In den letzten Jahren fand angesichts der bestehenden Limitierungen klinisch eingesetzter Tamponaden ein Paradigmenwechsel statt. Es wurden Glaskörperersatzstoffe auf Hydrogelbasis entwickelt, die die natürlichen Eigenschaften eines gesunden, menschlichen Glaskörpers nachahmen. Eine Vielzahl hydrogelbasierter Glaskörperersatzstoffe wurde bereits in präklinischen Tests positiv bewertet und besitzt das Potential, in naher Zukunft in die klinische Phase einzutreten und dort die Ablatiochirurgie grundlegend zu revolutionieren. Dr. André Schulz und Prof. Peter Szurman (Sulzbach) fassen den Forschungsstand zusammen und berichten über einen individuellen Heilversuch bei Patienten mit fortgeschrittener Phthisis bulbi an der Augenklinik Sulzbach mit einem verträglichen Hydrogel-Glaskörperersatz, für den eine Multizenterstudie geplant ist.

Kongress AAD 2021 online

„Gelungene Premiere“, aber „keine Neuauflage“ mehr
Die Veranstalter zeigten sich mit dem Ergebnis der ersten Online-Tagung der Augenärztlichen Akademie Deutschlands (AAD) sehr zufrieden und meldeten zum Abschluss der viertägigen Fortbildungsveranstaltung von BVA und DOG insgesamt 4.373 Teilnehmer, davon jeweils täglich etwa 3.500 auf der Kongressplattform eingeloggt. Die Tagungsthemen wurden in 225 fachwissenschaftlichen Sessions referiert, aktuelle Informationen aus der Industrie boten 47 Aussteller und 24 Firmensymposien. Aber ungeachtet der positiven, fast schon erleichtert wirkenden Bilanz wurde auch die deutliche Hoffnung erkennbar, dass zur AAD 2022 der Zusatz „online“ entfällt und eine Rückkehr zum früheren Tagungsformat möglich ist. Ulrike Lüdtke M.A. berichtet über die diesjährige Fortbildungstagung.

Autoantikörper als neues Ziel der Glaukomtherapie

Neue Erkenntnisse zur Pathogenese und Pathophysiologie des Glaukoms weisen auf eine Beteiligung des Immunsystems und Entzündungsprozesse als kausaler Faktoren hin. In klinischen Studien wurden Veränderungen verschiedener Autoantikörper bei Glaukompatienten nachgewiesen. Dr. Bettina Hohberger (Erlangen) zeigt das Potential der Autoantikörper als neues Ziel der Glaukomtherapie auf.

Trabekelmaschenwerk-Proteine als Ziele serologischer Antikörper

Immunologische Aspekte der Glaukomerkrankung
Trotz des ungeklärten Ursprungs und der ungelösten Wirkung von glaukomspezifischen Autoantikörpern könnten sie als wertvolle Krankheitsbiomarker dienen und die Glaukomdiagnostik unterstützen. In jüngsten Studien konnten POWG-Patienten von nicht glaukomatösen Probanden bereits mit guter Präzision anhand veränderter Autoantikörper-Level klassifiziert werden. Dr. Vanessa M. Beutgen (Mainz) berichtet über die Forschungsansätze zu Veränderungen im serologischen IgG-Antikörper-Repertoire gegen Trabekelmaschenwerk-Proteine als potenzielle Biomarker beim Glaukom.

Synthetische Antikörper-Peptide bei Glaukom

Forschung zu neuroprotektiven Therapiestrategien
Zukünftige Behandlungsoptionen des Glaukoms zielen darauf ab, nicht mehr nur den Augeninnendruck zu senken, sondern in die pathophysiologischen molekularen Mechanismen beim Glaukom einzugreifen. In einer Mainzer Forschungsarbeit konnte das neuroprotektive Potenzial der synthetischen glaukomassoziierten komplementaritätsbestimmenden Regionen (CDR) auf retinale Ganglienzellen in einem Ex-vivo-Modell bereits gezeigt werden. Eine spezifische Peptid-Protein-Interaktion führte zu signifikant geringeren zellulären Stressreaktionen und zu einer erhöhten Aktivierung der antiapoptotischen und antioxidativen Signalwege in den CDR- behandelten Netzhautexplantaten. Dies belegt, dass mit spezifischen synthetischen Peptiden auf molekularer Ebene eine erhöhte Überlebensrate von retinalen Ganglienzellen möglich ist. Dr. rer. nat. Carsten Schmelter (Mainz) stellt den Forschungsansatz zur Verwendung synthetischer Antikörper-Peptide als innovative Therapieform bei der Glaukomerkrankung dar.

Lasertherapie oder IVOM beim Neovaskularisationsglaukom?

Das Neovaskularisationsglaukom (NVG) ist unter den therapierefraktären Glaukomformen häufig anzutreffen. Kausal beteiligt an seiner Entstehung sind Prozesse, die mit einer retinalen Ischämie und mit einer Ausschüttung von Wachstumsfaktoren (VEGF) einhergehen. Vor allem der ischämische Zentralvenenverschluss als auch die proliferative diabetische Retinopathie führen oftmals zu einem NVG. Die mit der Laserkoagulation und der Anti-VEGF-Injektion zur Verfügung stehenden therapeutischen Optionen in ihren Vor- und Nachteilen beim Neovaskularisationsglaukom erläutern Prof. Matthias Lüke und Prof. Julia Lüke (Köln).

Neue Entwicklungen bei viskoelastischen Substanzen

Der Einsatz von Vitalfarbstoffen in der Augenheilkunde als effektives und nützliches Hilfsmittel setzt voraus, dass der Farbstoff keine toxischen Auswirkungen auf die Zellstrukturen des Auges hat. Dabei spielt neben der Konzentration auch die Expositionszeit des Farbstoffes eine Rolle. In einer Laborstudie wurde mittels Raman-Spektroskopie die Rückstandsmenge des Farbstoffes Trypanblau ermittelt, die bei der routinemäßigen Anwendung zweier kommerzieller Produkte auf einem Objektträger verbleibt, von denen eines Mischung von Viskoelastikum und Farbstoff kombiniert. Prof. Achim Langenbucher und Dr. Andreas F. Borkenstein berichten über die Ergebnisse.

Die Taschenapotheke

Serie zur Sammlung Roth (Folge 117)
Arzt und Apotheker ergänzten sich stets ideal auf dem Gebiet der Heilkunde. Während die Aufgabe des Mediziners darin bestand, eine Erkrankung anhand der Anamnese, an ihren Symptomen und des Untersuchungsbefundes zu diagnostizieren, war es die Aufgabe des Apothekers, hierzu eine adäquate Medikation zu liefern. Beide Berufsgruppen haben letztlich die Aufgabe übernommen, in enger Zusammenarbeit den Patienten zu heilen. Dabei ist es wichtig, dass bei Bedarf die notwendige
Medikation für den Kranken auch möglichst kurzfristig zur Verfügung steht.

Paradoxa im Bauplan des menschlichen Sehorgans (Teil 2)

Das „Gehirn im Auge“ und die Sehnervenbahn als „Gleichgewichtsorgan“
Bildverarbeitung und visuelle Orientierung im Raum stellen zwei unterschiedliche, aber für das menschliche Sehorgan gleichermaßen bedeutsame Funktionalitäten dar. Die Zusammenarbeit von Gehirn und Augen in gekoppelten Koordinatensystemen wird in der vorgeburtlichen Entwicklung des Sehsystems angelegt, wobei sich hinter paradoxen Entwicklungsschritten durchwegs intelligente Lösungen verbergen. Nach der Analyse einiger Paradoxa im Bauplan des Auges und ihrer Beiträge zum Sehen im ersten Teil, stellt Dr. Norbert Lauinger (Wetzlar) im zweiten Teil zum Bauplan des menschlichen Sehsystems das komplette so genannte Gehirn im Auge und das Sehsystem als Gleichgewichtsorgan dar.

Fallbericht: Plattenepithelkarzinomdes Unterlides

Eine 33-jährige Patientin stellte sich mit gerötetem und gereiztem Unterlid des linken Auges erstmals beim Augenarzt vor. Sie gab an, seit etwa acht Wochen vermehrt Beschwerden zu haben, nachdem zuvor eine Therapie mit antibiotischen Augensalben über einen Zeitraum von etwa einem dreiviertel Jahr durch den Hausarzt stattgefunden habe. Dr. M. Cumhur Vardarli, Dr. Peter Press und Dr. Karl Rudolf Berret berichten über ein als Entzündung behandeltes Plattenepithelkarzinom des Unterlides.