Aus der aktuellen Ausgabe

Kongress DOC 2021 online

Interview mit DOC-Präsident Dr. Armin Scharrer
Der 33. Internationale Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgen (DOC) tagt vom 17. bis 19. Juni als „DOC 2021 digital“ nun erstmals auch im virtuellen Format. Die Zielvorgabe für das neue Tagungskonzept lautete, „den Charakter des DOC-Kongresses zu erhalten“. DER AUGENSPIEGEL sprach mit DOC-Präsident Dr. Armin Scharrer über die diesjährige Tagungsstruktur und einige der Programm-Highlights der Jahrestagung der Ophthalmochirurgen.

Auswirkungen der AHA-Regeln auf die Kommunikation

Herausforderungen und Hürden in Praxis- und Klinikalltag
Die Covid-19-Pandemie hat Einfluss auf unser gesamtes Leben. Auch unser Arbeitsalltag, wie wir ihn bisher kannten, hat sich verändert. Die Art und Weise unserer Kommunikation, die auch ein wesentlicher Bestandteil des Praxismarketings ist, hat sich massiv gewandelt. Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz trägt maßgeblich zu diesem Wandel bei. Tobias Kesting (Köln) führt aus, wie sich die coronabedingten Maßnahmen auf die Kommunikation in der Augenarztpraxis auswirken und welche Möglichkeiten sich bieten, um eine optimale Gesprächsituation zu gewährleisten.

Refraktive Chirurgie bei Glaukom

Optionen zur Korrektur der Fehlsichtigkeit
Für fehlsichtige Glaukompatienten gibt es verschiedene Möglichkeiten der refraktiven Chirurgie wie Laser, IOL-Implantation oder auch refraktiver Linsenaustausch. Bei einer Laserbehandlung der Hornhaut stellt sich die Frage, ob postoperativ der Intraokulardruck noch zuverlässig bestimmt werden kann. Die Implantation einer phaken Intraokularlinse (pIOL) bei Glaukompatienten ist eine weitere Möglichkeit zur Korrektur der Fehlsichtigkeit, doch auch hier ist eine vorherige gründliche Prüfung der Eignung des Patienten erforderlich. Auch ein refraktiver Linsenaustausch kann in Betracht gezogen werden. Priv.-Doz. Dr. Suphi Taneri, FEBOS-CR (Münster) erläutert Aspekte, die bei der Auswahl des geeigneten Verfahrens berücksichtigt werden müssen.

Präoperative Risikoevaluation in der Kataraktchirurgie

In einer prospektiven Untersuchung in der Augenklinik Berlin-Marzahn wurde ein Bewertungssystem für die Erkennung von Patienten mit erhöhtem Risiko für intraoperative Komplikationen entwickelt und überprüft. Dabei wurden bei der präoperativen Untersuchung mehrere Risikofaktoren evaluiert, die den Operationsverlauf erschweren können. Die Summe aller zutreffenden Punkte mit entsprechender Gewichtung ergab einen Risikowert. Die Einführung eines Systems zur Risikostratifizierung der Kataraktoperationen zeigt viele Vorteile. Dobrin Kolarov und Priv.-Doz. Dr. Christopher Wirbelauer (Berlin) stellen das Bewertungssystem und die Risikofaktoren dar.

Restfehler bei torischen Linsen

Einfluss verschiedener Parameter auf den postoperativen Astigmatismus
Obwohl die Verwendung von torischen Intraokularlinsen bei Hornhautastigmatismus als sicher eingestuft wird, kommt es dennoch immer wieder zu nicht zufriedenstellenden postoperativen Refraktionen. In einer rezenten Studie wurden die Fehlerquellen für torische IOL quantifiziert. Dafür wurden Daten aus verschiedenen Studien gesammelt (4.949 Augen) und unter der Fragestellung ausgewertet, welchen Einfluss verschiedene Parameter auf den postoperativen Astigmatismus haben. In einem zweiten Schritt wurde dieser Einfluss quantifiziert. Priv.- Doz. Dr. Nino Hirnschall, PhD, MhBA, FEBO (Wien) stellt anhand der Daten die Fehlerquellen für torische IOL dar.

Hydrogelbasierter Glaskörperersatz

In den letzten Jahren fand angesichts der bestehenden Limitierungen klinisch eingesetzter Tamponaden ein Paradigmenwechsel statt. Es wurden Glaskörperersatzstoffe auf Hydrogelbasis entwickelt, die die natürlichen Eigenschaften eines gesunden, menschlichen Glaskörpers nachahmen. Eine Vielzahl hydrogelbasierter Glaskörperersatzstoffe wurde bereits in präklinischen Tests positiv bewertet und besitzt das Potential, in naher Zukunft in die klinische Phase einzutreten und dort die Ablatiochirurgie grundlegend zu revolutionieren. Dr. André Schulz und Prof. Peter Szurman (Sulzbach) fassen den Forschungsstand zusammen und berichten über einen individuellen Heilversuch bei Patienten mit fortgeschrittener Phthisis bulbi an der Augenklinik Sulzbach mit einem verträglichen Hydrogel-Glaskörperersatz, für den eine Multizenterstudie geplant ist.

Kongress AAD 2021 online

„Gelungene Premiere“, aber „keine Neuauflage“ mehr
Die Veranstalter zeigten sich mit dem Ergebnis der ersten Online-Tagung der Augenärztlichen Akademie Deutschlands (AAD) sehr zufrieden und meldeten zum Abschluss der viertägigen Fortbildungsveranstaltung von BVA und DOG insgesamt 4.373 Teilnehmer, davon jeweils täglich etwa 3.500 auf der Kongressplattform eingeloggt. Die Tagungsthemen wurden in 225 fachwissenschaftlichen Sessions referiert, aktuelle Informationen aus der Industrie boten 47 Aussteller und 24 Firmensymposien. Aber ungeachtet der positiven, fast schon erleichtert wirkenden Bilanz wurde auch die deutliche Hoffnung erkennbar, dass zur AAD 2022 der Zusatz „online“ entfällt und eine Rückkehr zum früheren Tagungsformat möglich ist. Ulrike Lüdtke M.A. berichtet über die diesjährige Fortbildungstagung.

Autoantikörper als neues Ziel der Glaukomtherapie

Neue Erkenntnisse zur Pathogenese und Pathophysiologie des Glaukoms weisen auf eine Beteiligung des Immunsystems und Entzündungsprozesse als kausaler Faktoren hin. In klinischen Studien wurden Veränderungen verschiedener Autoantikörper bei Glaukompatienten nachgewiesen. Dr. Bettina Hohberger (Erlangen) zeigt das Potential der Autoantikörper als neues Ziel der Glaukomtherapie auf.

Trabekelmaschenwerk-Proteine als Ziele serologischer Antikörper

Immunologische Aspekte der Glaukomerkrankung
Trotz des ungeklärten Ursprungs und der ungelösten Wirkung von glaukomspezifischen Autoantikörpern könnten sie als wertvolle Krankheitsbiomarker dienen und die Glaukomdiagnostik unterstützen. In jüngsten Studien konnten POWG-Patienten von nicht glaukomatösen Probanden bereits mit guter Präzision anhand veränderter Autoantikörper-Level klassifiziert werden. Dr. Vanessa M. Beutgen (Mainz) berichtet über die Forschungsansätze zu Veränderungen im serologischen IgG-Antikörper-Repertoire gegen Trabekelmaschenwerk-Proteine als potenzielle Biomarker beim Glaukom.

Synthetische Antikörper-Peptide bei Glaukom

Forschung zu neuroprotektiven Therapiestrategien
Zukünftige Behandlungsoptionen des Glaukoms zielen darauf ab, nicht mehr nur den Augeninnendruck zu senken, sondern in die pathophysiologischen molekularen Mechanismen beim Glaukom einzugreifen. In einer Mainzer Forschungsarbeit konnte das neuroprotektive Potenzial der synthetischen glaukomassoziierten komplementaritätsbestimmenden Regionen (CDR) auf retinale Ganglienzellen in einem Ex-vivo-Modell bereits gezeigt werden. Eine spezifische Peptid-Protein-Interaktion führte zu signifikant geringeren zellulären Stressreaktionen und zu einer erhöhten Aktivierung der antiapoptotischen und antioxidativen Signalwege in den CDR- behandelten Netzhautexplantaten. Dies belegt, dass mit spezifischen synthetischen Peptiden auf molekularer Ebene eine erhöhte Überlebensrate von retinalen Ganglienzellen möglich ist. Dr. rer. nat. Carsten Schmelter (Mainz) stellt den Forschungsansatz zur Verwendung synthetischer Antikörper-Peptide als innovative Therapieform bei der Glaukomerkrankung dar.