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Vorschau auf den Kongress der International Uveitis Study Group (IUSG) in Konstanz

Internationaler Austausch zur Uveitis-Forschung
Vom 8. bis 12. September 2008 werden sich im Konzil-Haus in Konstanz Mitglieder der International Uveitis Study Group (IUSG) zu einem internationalen Austausch über intraokulare Entzündungen treffen. Der IUSG, ein Zusammenschluss von Ärzten, die sich auf entzündliche Erkrankungen spezialisiert haben, gehören derzeit weltweit etwa 80 Mitglieder an. Neben jährlichen kleinen Treffen, meist angebunden an internationale Kongresse, veranstaltet die IUSG alle vier Jahre einen großen Kongress, der den Teilnehmern einen Überblick über den aktuellen Wissensstand und zugleich einen Ausblick auf die nächsten Jahre bietet. Prof. Dr. Manfred Zierhut fasst Schwerpunkte und die Ziele des kommenden internationalen Kongresses, der erstmals in Deutschland stattfindet, zusammen.

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Während in einer kürzlich publizierten Arbeit die Inzidenz der Uveitis mit etwa 50 Patienten pro 100.000 Personen (Kalifornien, Zahlen erstellt aus Krankenkassenunterlagen) angegeben wird, konnten Entwicklungen der letzten Jahre im Bereich Diagnostik und Therapie die Zahl der schweren Verläufe reduzieren. Der Kongress wird einerseits versuchen, das brisant Aktuelle vorzustellen. Dies wird innerhalb von drei Blöcken freier Vorträge, im Wesentlichen aber auch durch tägliche Postervorträge gewährleistet. Für drei Tage werden aus allen eingereichten Postern jeweils acht Beiträge ausgewählt, um das Thema in einer fünfminütigen Präsentation (mit nachfolgenden zwei Minuten Diskussion) vorzustellen.
Den überwiegenden Teil des Kongresses aber werden zu Symposien zusammengefasste Vorträge bilden, die sich mit diagnostischen und therapeutischen Themen beschäftigen. Die meisten Symposien werden aus vier bis fünf Vorträgen bestehen, an die sich dann eine Round-Table-Diskussion anschließen wird.

Diagnostik der Uveitis

Nicht selten stellt sich die Frage: Hat mein Uveitis-Patient eine Sarkoidose oder benötige ich dafür eine entsprechende positive Biopsie? Die Formulierung von Nomenklatur-Kriterien stellt eine der wichtigen Entwicklungen im Bereich der Medizin, somit auch in der Uveitis-Diagnostik dar. Leider sind wir hiermit gerade erst am Anfang, validierte Kriterien existieren nicht. In Konstanz werden die neuesten Nomenklaturen für die Sarkoidose und das weltweit sehr häufig anzutreffende Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom vorgestellt. Im April wird die Universitäts-Augenklinik Tübingen, zusammen mit der IUSG und der DOG-Sektion Uveitis im Kloster Ettal über eine neue Nomenklatur der okulären Vaskulitis diskutieren: Auch diese Ergebnisse werden in Konstanz erstmals öffentlich vorgestellt. Der Quantiferon-Test, mit dem Interferon gemessen wird, welches von gegen Tuberkulosebakterien gerichteten T-Lymphozyten gebildet wird, scheint einen immer höheren Stellenwert bei der Tuberkulose-Bestimmung zu erhalten. Die derzeitigen Erfahrungen werden zusammengefasst.

Einen weiteren Schwerpunkt wird das OCT (Optische Kohärenz Tomographie) bilden. Die Diagnostik, aber auch die Verfolgung des Therapiefortschrittes eines Makulaödems (besonders des leicht ausgeprägten) wäre heute ohne OCT nicht denkbar. Noch konkreter: Während man im Vor-OCT-Zeitalter das Makulaödem bis zum Erreichen einer ausreichenden Sehschärfe therapiert hat, ist bei uns heutzutage nicht nur die gute Sehschärfe, sondern auch das möglichst vollständige Verschwinden eines Makulaödems das Behandlungsziel. Neben dem derzeitigen Wissensstand wird auch ein Ausblick auf die neueren Generationen der OCT gegeben.

Zweifelsohne wird sich das IUSG-Meeting mit überwiegend klinischen Aspekten der Uveitis beschäftigen. Jedoch gibt es mittlerweile hervorragende experimentelle Modelle, die es erlauben, aus dem Modell sehr wohl gute Schlüsse auf den Verlauf der humanen Uveitis zu ziehen. Das Symposium „Translational Studies“ wird versuchen, hier die heißesten Themen vorzustellen, bei denen primär in experimentellen Modellen gewonnene Vorstellungen anhand der humanen Uveitis überprüft werden. So sind Vorträge zu den Themen: Interferon alpha, Autoinflammation versus Autoimmunität, Autoimmunität versus Infektion sowie auch zu dem wichtigen Thema „Genetik und Uveitis“ geplant.

Gelenk und Uveitis

Ein Symposium ist den HLA-B27 assoziierten Uveitiden gewidmet. Auch wenn etwa 50 Prozent aller Patienten mit einer akuten anterioren Uveitis HLA-B27 positiv sind, kommt es doch noch häufig zu einer verspäteten Diagnose. Auch hier spielt der Komplex „Immunsystem, Infektion und Genetik“ eine wichtige Rolle. Die hoch effektive Therapie ist bei diesen Erkrankungen an eine möglichst schnelle Diagnose geknüpft. Ein weiteres Symposium beschäftigt sich mit einem der am schwersten verlaufenden Uveitis Krankheitsbilder: der kindlichen Uveitis, die sehr oft (aber nicht immer) mit einer Mono- oder Oligoarthritis im Rahmen einer juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA) einhergeht. Neben der Diagnostik von Uveitis und JIA wird auch versucht werden zu analysieren, weshalb gerade Gelenk und Auge zusammen erkranken. TNF-alpha Blocker stellen für diese Kinder einen großen therapeutischen Gewinn dar und der derzeitige Erkenntnisstand, aber auch das Problem, diese hochwirksamen Medikamente gegen den oft massiven Widerstand mancher Krankenkassen zur Verordnung zu bringen, wird dargestellt.

Makula und Uveitis

Vom einem großen Problem zum nächsten: Die häufigste zur Funktionsminderung führende Komplikation ist das Makulaödem. Diesem ist eine weitere Session gewidmet, in der neben Pathophysiologie und Präventionsmöglichkeiten auch die heutigen Therapien diskutiert werden. Die Ergebnisse der derzeit noch laufenden Posurdex-Studie werden vorgestellt.

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass auch der Altersbedingten Makuladegeneration immunologische Probleme zugrunde liegen. Ein weiteres Symposium, geleitet von John Forrester (Aberdeen) und Bob Nussenblatt (National Eye Institute, Bethesda), dem derzeitigen Präsidenten der IUSG, wird sich mit den Ähnlichkeiten, aber auch Unterschieden beider Erkrankungen beschäftigen.

Uveitis und Operation

Der Operation kommt bei der Therapie der Uveitis ein immer geringerer Wert zu, während sie für die Diagnostik immer wichtiger wird. Im Mittelpunkt dieses Symposiums wird der derzeitige Stand der Katarakt- und Glaskörperchirurgie stehen. Die photodynamische Therapie bekommt kräftige Konkurrenz durch den Einsatz von intravitreal applizierten VEGF-Blockern. Auch die Behandlungsindikationen für Laser im Rahmen intraokularer Entzündungen werden aktuell analysiert. Neben der Kataraktbildung und dem Makulaödem ist zweifelsohne auch heute noch die schwerste Komplikation das Sekundärglaukom, dem sich ein weiteres Symposium widmet. Stichpunkte hierbei werden die Pathogenese des Steroid-induzierten Glaukoms, jedoch auch der Stellenwert von Prostaglandinen bei dem uveitischen Glaukom und selbstverständlich ein Überblicksreferat zum Thema der Sekundärglaukom-Chirurgie sein.

Mikrobiell induzierte Uveitis

Einen zunehmenden Diskussionsraum nehmen auch virale und bakterielle Infektionen des Auges ein, denen jeweils ein eigenes Symposium gewidmet ist. Die Diagnostik ist durch Anwendung der PCR-Technik in den letzten Jahren revolutioniert worden. Es mehren sich die Hinweise darauf, dass einigen bisher ätiologisch unklaren Krankheitsbildern wie der Fuchs´schen Uveitis (Rubella Virus) und dem Posner-Schlossman-Syndrom (Zytomegalie Virus) direkte oder indirekte virale Auslöser zugrunde liegen. Es gibt sogar klare Hinweise dafür, dass eine viral induzierte Uveitis am Spaltlampenbefund diagnostizierbar ist. Im Mittelpunkt der infektiösen Uveitiden stehen weltweit weiterhin führend Toxoplasmose und Tuberkulose, wobei wir möglicherweise derzeit neue Erscheinungsbilder kennen lernen. Ein Überblick über die Probleme in Entwicklungsländern beschließt dieses Symposium.

Therapie und Uveitis

Die American Uveitis Society, die neben der SOIE (Society for Ophthalmo-Immunoinfectiology in Europe) und der IOIS (International Ocular Inflammation Society) eine der eingeladenen Expertengruppen ist, widmet sich in ihrem Symposium der lokalen Therapie der Uveitis. Hierbei wird beispielsweise untersucht werden, von welchen histologischen und pharmakologischen Faktoren eine gute lokale Therapie abhängig ist. Schließlich werden neue lokale entzündungshemmende Medikamente vorgestellt, die sich kurz vor dem Einsatz in Studien befinden. Ein weiteres Symposium wird sich mit den neuen systemischen Medikamenten befassen, wobei insbesondere der Stand des Einsatzes von neuen Immunsuppressiva und Antikörpern beleuchtet wird. Eine Erkrankung, die mittlerweile viel von ihrem Schrecken verloren hat, ist der Morbus Behçet. Ein weiteres Symposium wird untersuchen, wo die Probleme dieser Erkrankung heute liegen und welcher aktueller Stellenwert den Biologica (TNF-alpha-Blocker und Interferon alpha) zukommt.

Kontroverse Diskussion

Meinungsvielfalt und Diskussion werden gefragt sein. Um diese weiter zu stärken, wird auch ein Konfrontationstreffen stattfinden, bei dem fünf derzeit hoch kontrovers diskutierte Themen von zwei konträren Standpunkten aus verfochten werden sollen.

Und eine weitere Neuerung liegt uns sehr am Herzen: Alle derzeit bestehenden Uveitis-Patientengruppen werden anlässlich des Konstanz-Meetings eingeladen, um sich kennen zu lernen, um einen Interessensaustausch zu starten und voraussichtlich auch, um die europäische Uveitis-Patientengruppe (EUPIA) aus der Taufe zu heben.

Hiermit möchte ich, auch im Namen der IUSG, alle interessierten Kolleginnen und Kollegen ganz herzlich zunächst auf unsere Homepage, dann aber natürlich auch im September nach Konstanz einladen.

http://www.IUSG2008.org

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