Neue Studien zur Amblyopie

Die Amblyopie ist in den letzten Jahren wieder verstärkt in das Blickfeld wissenschaftlichen Interesses gerückt. Eine große Anzahl von Arbeiten beschäftigt sich mit Grundlagenwissenschaft, insbesondere der Darstellung des Seheindrucks anhand von Gittermustern und Texten (Barrett et al. 2003, Sireteaneau 2007). Priv.-Doz. Dr. Gabriele C. Gusek-Schneider fasst neuere Daten zur Amblyopietherapie zusammen.

Die Prävalenz der Amblyopie in Europa liegt derzeit zwischen 1,6 und 3,6 Prozent. Der Grund für diese große Schwankung besteht einmal durch die Abhängigkeit von durchgeführten staatlichen Screeningprogrammen: Die Prävalenz ist aufgrund dieser Programme sehr niedrig zum Beispiel in den skandinavischen Ländern. In Ländern ohne Screeningprogramme ist sie bei der sozial schwächeren Bevölkerung überdurchschnittlich hoch.

Zum anderen sind die unterschiedlichen Literaturangaben durch die unterschiedlichen Definitionen der Amblyopie erklärbar: Während in Mitteleuropa bereits Sehschärfen unter 1,0, eine Reihe unter Altersnorm oder zwei Reihen Seitendifferenz als Amblyopie gelten, wird im angloamerikanischen Sprachraum die Grenze bei 0,5 für die Ferne gelegt. Da die Nahsehschärfe bei nahe aneinander liegenden Zeichen im Schnitt zwei Reihen tiefer liegt, würde erst eine Nahsehschärfe von 0,3 als Amblyopie angesehen werden.
Sozioökonomisch ist der Kosten-Nutzen-Effekt von Screeningprogrammen und der resultierenden Maßnahmen nicht eindeutig belegt. Hierfür gibt es aber in der Regel nur Studien, die einschneidende Lebensveränderungen untersuchen: Studien von Tommila und Tarkkanen von 1981 und Rahi et al. 2002 zeigen im Verlauf des Arbeitslebens eine deutlich höhere Verletzungsgefahr des gesunden Auges bei Amblyopie des anderen Auges. Demgegenüber hält eine britische Studie (BMJ 2006) nur ein höheres Risiko für einen Verkehrsunfall bei mäßiger bis schwerer Amblyopie fest. Die bessere Seh- und damit Lebensqualität in allen Bereichen bei vollem Visus beider Augen ist an und für sich selbsterklärend.

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Abb. 1: Amblyopie durch Suppression des schielenden Auges.

Mehr dazu im AUGENSPIEGEL 02-2008.

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