Aus der aktuellen Ausgabe

70 Jahre Intraokularlinsen

Harold Ridley und sein Traum von der Heilung der Katarakt
Sir Harold Ridley, der die Intraokularlinse (IOL) erfand, implantierte vor 70 Jahren die erste seiner Linsen in ein menschliches Auge und veränderte damit das Leben von Millionen von Kataraktpatienten auf der ganzen Welt entscheidend. Viele Jahre lang wurde Ridley für seine Erfindung vom akademischen Establishment ignoriert. 
Erst im hohen Alter erhielt er alle die Ehrungen und Auszeichnungen, die er für seine Leistungen verdient hatte. Heute ist die IOL-Implantation nach einer Kataraktoperation ein allgemein akzeptierter Routineeingriff, obwohl Ridleys Operationen, vermutlich auf Grund seiner OP-Technik zu vielen Infektionen und Explantationen führten, und deshalb als sehr umstritten galten. Von Dr. Sibylle Scholtz und Prof. Achim Langenbucher.

69. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte in Rostock

Die diesjährige Versammlung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte (VNDA) wurde von ihrem Präsidenten, Prof. Johann Roider (Kiel), eröffnet und stand im Zeichen der 600-Jahr-Feier der Universität Rostock. So führte Prof. Emil C. Reisinger, Dekan der Universitätsmedizin Rostock, in seinem Festvortrag durch die Geschichte der ältesten Universität im Ostseeraum. Dr. Udo Hennighausen (Hamburg) fasst die Tagung zusammen.

Steuerliche Abzugsfähigkeit der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer

Die steuerliche Anerkennung der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer führen häufig zu Streitigkeiten mit dem Finanzamt. Unzählige Urteile des obersten Finanzgerichts zu diesem Themenbereich sind ergangen. Dipl.-Volkswirt Dr. Hans L. Dornbusch (St. Augustin) erläutert, was bei der steuerlichen Berücksichtigung des häuslichen Arbeitszimmers zu beachten ist.

Multiparametrische strukturelle und funktionelle Ultrahochfeld-MRT beim Glaukom

Das Krankheitsbild Glaukom wird heute durch die Erkenntnisse aus der Untersuchung dieser Patienten mittels funktioneller Kernspintomographie anders wahrgenommen als noch vor einigen Jahren. Lange Zeit wurde das Glaukom nur als eine rein ophthalmologische Erkrankung verstanden. Erst die Etablierung der Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) und die Anwendung dieser Methode bei Patienten mit verschiedenen Subtypen des Glaukoms hat Erkenntnisse geliefert, das Glaukom heute nicht nur als eine okuläre Erkrankung, sondern als Manifestation weitreichender neurodegenerativer Prozesse zu sehen. Dr. Manuel Schmidt (Erlangen) stellt die multiparametrische strukturelle und funktionelle Ultrahochfeld-MRT beim Glaukom dar und erläutert die sich daraus ergebenden neuen Möglichkeiten zur Diagnostik des Glaukoms.

Standardisierte Narkose bei Kindern mit Glaukom

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist für eine exakte Glaukomdiagnostik und auch für die Verlaufskontrolle nach Operation eine Narkose notwendig. Nur so kann die augenärztliche Untersuchung in Ruhe durchgeführt werden. Schreien oder störendes Augenkneifen können den Augeninnendruck kurzfristig erhöhen und so zu falsch hohen Messwerten führen. Zudem ist eine umfassende Untersuchung aller Augenabschnitte, insbesondere die Achsenlängenmessung und die Beurteilung des Sehnervenkopfes, bei kleineren Kindern nur in Narkose möglich. Dr. Nina Pirlich (Mainz) gibt einen Einblick in die Komplexität des Managements bei Neugeborenen und Kindern mit Glaukom.

Selbsttonometrie: Fiktion oder Wirklichkeit?

Die Reduktion des Augeninnendruckes um einen einzelnen mmHg-Punkt führt zur Reduktion der Glaukomprogressionsrate um 12 bis 13 Prozent. Deshalb sind möglichst engmaschige Augeninnendruckmessungen nötig. Die klinische Praxis ist bei Glaukompatienten die Messung des Augeninnendrucks routinemäßig nur ein Mal pro Quartal. Als Lösungsansatz für die derzeitige klinische Problematik wird das telemedizinische integrierte Behandlungssystem SmartTonoTracker für die Selbsttonometrie bei Glaukompatienten erprobt. Prof. Georg Michelson, Dr. med. Dipl.-Mol.Med. Bettina Hohberger und Priv.-Doz. Dr. Robert Lämmer stellen Ergebnisse der­ telemedizinisch-assistierten Selbsttonometrie dar.

Implantierbare Medikamententräger – Zukunft der medikamentösen Glaukomtherapie?

Was bei Steroiden mit Implantaten bereits erfolgreich umgesetzt werden konnte, ist derzeit auch für Antiglaukomatosa in der klinischen Erprobung. In naher Zukunft erscheint der Einsatz von so genannten ­Slow-Release- oder Sustained-Release-Systemen (SR-Systemen) realistisch. SR-Systeme setzen aus einem ­Medikamententräger bekannte antiglaukomatöse Substanzen allmählich über einen längeren Zeitraum frei. Dadurch kann eine wesentlich seltenere Applikation im Vergleich zu herkömmlichen Augentropfen eine ­vergleichbare Wirkung entfalten. Priv.-Doz. Dr. Florian Rüfer (Kiel) stellt die in klinischer Erprobung befindlichen Ansätze implantierbarer Medikamententräger dar.

Die permanente Augeninnendruckmessung

Die potenziell permanente Augeninnendruckmessung mittels des Eyemate-IO-Implantates erfreut sich wachsender Anwenderzahlen und verspricht aus ärztlicher Perspektive die Möglichkeit einer früheren und substantielleren Intervention. Die Einbindung des Patienten in den technischen Vorgang der Befunddatenerhebung führt nachweislich zu einer erhöhten Patientencompliance und damit wiederum zu einer Erhöhung der Kontrollfrequenz durch häufig wiederholte Messungen. RA Michael Zach (Mönchengladbach) erörtert, inwieweit die Implantation und die Behandlung mit dem Medizinprodukt zu einem Paradigmenwechsel bei den Kostenträgern führen kann.

Die Brille des Fliegers

Serie zur Sammlung Roth (Folge 99)
Augenverletzungen sind Teil der Geschichte der Menschheit. Bereits kleine Splitter bei der Herstellung und Bearbeitung von Faustkeilen oder Pfeilspitzen, Funken beim Entfachen eines Feuers mit dem Feuerstein, selbst harmlose Verletzungen durch Späne bei der Holzbearbeitung konnten zur Entzündung der vorderen Augenabschnitte und schlimmstenfalls zum Verlust eines Auges führen. Schon früh machte man sich daher Gedanken wie man hier das Auge schützen könnte. In den Steinbrüchen der Antike trug man dünne Tücher aus Stoff, die um den Kopf gewickelt wurden, später waren es dünne Metallgeflechte, die man vor dem Auge befestigte. Nach der Erfindung der Brille erkannte man bald die schützenden Eigenschaften von ihren Gläsern.

Fluoreszenz-Lebzeitenmessung (FLIO) in Netzhautdystrophien

Die Fluorescence lifetime imaging ophthalmoscopy (FLIO) eröffnet eine neue Dimension der Fundusautofluoreszenz-Messung, indem zusätzlich zur Intensität der retinalen Fluorophore deren Zerfallszeit erfasst wird. Mittels FLIO als nicht-invasives bildgebendes Verfahren konnten bereits in verschiedenen retinalen Pathologien zusätzliche Informationen gewonnen werden. Damit besteht ein gutes Potenzial zum Einsatz der FLIO-Messungen zur Früherkennung von Netzhautveränderungen und zur Verlaufskontrolle von subtilen Veränderungen. Dr. Chantal Dysli, Dr. Muriel Dysli, Prof. Sebastian Wolf und Prof. Martin S. Zinkernagel (Universitätsklinik für Augenheilkunde, Inselspital Bern, Schweiz) stellen die Erkenntnisse und möglichen Anwendungsbereiche bei Netzhautdystrophien zusammen.