Autor: Ulrike Lüdkte

Photopharmakologie – Lichtschalter gegen Schmerz und Blindheit

Von LMU-Wissenschaftlern entwickelte molekulare optische Schalter können Nervenzellen gezielt beeinflussen. Dies eröffnet der Medizin auf vielen Gebieten neue Chancen – etwa in der Schmerztherapie oder auch bei bestimmten Sehstörungen. Gleich zwei neue Studien berichten nun über wichtige Fortschritte auf diesem Weg, teilt die Ludwig-Maximilians-Universität München mit.

Augenhornhautspende bleibt in der Organspende annährend stabil

Der dramatische Rückgang in der Organspende ist auch an der Gewebespende nicht spurlos vorbeigegangen. Die Zahl der Gewebespenden im gemeinnützigen Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) ist 2013 nach mehreren Jahren des Wachstums leicht um 1,1 Prozent zurückgegangen. Insgesamt haben 1.774 Menschen Gewebe gespendet. Die Zahl liegt damit nach Angaben der DGFG um 20 Spender niedriger als 2012, teilt die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation gGmbH mit. „Wir sind froh, dass wir die Spendezahlen trotz zurückgehender Organspenden annährend auf Vorjahresniveau halten konnten“, sagt Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. „Der Rückgang konnte nur durch neue Spendeprogramme, deutlich mehr Spendermeldungen und verbesserte Aufbereitungstechniken in den Gewebebanken aufgefangen werden.“ Trotz der Rückgänge in der Organspende habe sich die Gewebespende und insbesondere die Augenhornhautspende in vielen Kliniken in Deutschland etabliert. 3.368 Augenhornhäute wurden im Jahr 2013 nach Informationen der DGFG gespendet. Das waren etwa 100 weniger als im Vorjahr. Mit diesem Rückgang wurde nach Angaben der DGFG der steigende Trend der vergangenen Jahre erstmals seit über fünf Jahren unterbrochen.

Neuer Vertrag zum Amblyopiescreening in Westfalen-Lippe

Die DAK-Gesundheit und die Kassenärztlichen VereinigungWestfalen-Lippe (KVWL) haben mit Wirkung zum 1. Januar2014 einen Vertrag über eine augenärztliche Vorsorgeuntersuchung bei Kleinkindern vereinbart. Die Vorsorgeuntersuchung umfasst dabei u.a. eine ausführliche Anamnese, eine Sehschärfenmessung sowie eine Refraktionsbestimmung. Darüber hinaus erhalten die versicherten Kinder innerhalb von sieben Werktagen einen Untersuchungstermin.

Forschungsförderung für innovatives Projekt zur AMD-Früherkennung

In dem neuen Verbundprojekt „Innovative Imaging & Intervention in early AMD (I-cube)“ werden Verfahren erforscht und entwickelt, die es ermöglichen sollen, Veränderungen an der Netzhaut frühzeitig zu detektieren und mit neuen Therapieoptionen bereits im Frühstadium zu behandeln, bevor es zu einem Visusverlust kommt. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 3,95 Millionen Euro gefördert.

Von der Form zur Funktion: Die Sehgrube im Visier

Gestochen scharf sieht der Mensch nur mit einer Stelle der Netzhaut: der Fovea centralis, auch Sehgrube genannt. Doch warum das so ist, darüber konnten Wissenschaftler bislang nur Vermutungen anstellen. Forscher der Universität Leipzig und des Universitätsklinikums Leipzig haben nun ein neuartiges mathematisches Modell entwickelt, das die Grundlage zu einem tiefergehenden Verständnis der Struktur und Funktionsweise der Sehgrube legt. Vorgestellt wurde das Modell in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Experimental Eye Research“.
Bisherige mathematische Modelle gehen von der vereinfachten Annahme eines gleichmäßig-symmetrischen Aufbaus der Sehgrube aus. Das neue Leipziger Modell berücksichtigt eine anatomische Besonderheit: Weil zwischen Sehgrube und Sehnerv die Fasern der Nervenzellen zusammenlaufen, ist die Nervenfaserschicht auf der zur Nase gewandten Seite der Sehgrube dicker als im übrigen Bereich. Diese asymmetrische Struktur lässt sich nun erstmals mit nur vier charakteristischen und einfach zu ermittelnden Parametern abbilden. „Rechnen wir diese Daten hoch, können wir die gesamte Oberfläche der Sehgrube in einem sehr präzisen 3D-Modell realisieren“, erläutert Projektleiter Patrick Scheibe. „Das ermöglicht uns, die Sehgrube als Linse nachzubauen und experimentell auf ihre Funktionsweise hin zu untersuchen.“ So lässt sich künftig prüfen, ob einfallendes Licht durch die Grubenform der Sehgrube einen Lupeneffekt erzeugt, der besonders scharfe Bilder hervorbringt. Oder ob die Grubenform – wie bislang vermutet – wirklich nur dazu dient, dass kein störendes Gewebe den Weg des Lichts zu den empfindlichen Photorezeptoren behindert.

Schlaganfall: Visuelle Stimulation zur Wiederherstellung der Sehfunktion

Wissenschaftler wissen, dass Patienten mit Beeinträchtigungen ihres Sehvermögens durch Glaukom, Schädigung des Sehnervs oder durch einen Schlaganfall mit Hilfe einer visuellen Restitutionstherapie (Vision Restoration Therapy, VRT) visuelle Funktionen teilweise wiedererlangen, teilt die Universitätsklinikum Magdeburg mit. Jedoch sei bisher nicht bekannt, welche Faktoren den Grad der visuellen Erholung bestimmen.

Im interdisziplinären Journal „Restorative Neurology and Neuroscience“ wurden aktuell Ergebnisse veröffentlicht, dass die Wiederherstellung der visuellen Funktionen vor allem von der Aktivität der nach Schädigung verbliebenen Bereiche mit Restsehfähigkeit abhängen. Dabei hätten sowohl die lokale neuronale Aktivität als auch die Aktivität in der unmittelbaren Umgebung Einfluss auf die Wiederherstellung visueller „Hot Spots“, so der Bericht der Universität. Somit könne gezeigt werden, dass die Wiederherstellung der visuellen Funktionen durch teilweise überlebende Nervenzellen vermittelt wird.

Auseinzelung: Landgericht Hamburg entscheidet zugunsten Novartis

In der Auseinandersetzung zwischen dem Pharmaunternehmen Novartis und dem pharmazeutischen Hersteller Apozyt um das Auseinzeln von Lucentis in Fertigspritzen hat das Landgericht Hamburg zugunsten von Novartis entschieden und Apozyt den Umfüllprozess und Vertrieb von Fertigspritzen ohne eigene arzneimittelrechtliche Zulassung untersagt (AZ 416 HKO 78/11). Während Novartis in einer Stellungnahme die Entscheidung begrüßt, kündigt Apozyt an, in Berufung zu gehen.

Primäre Sehrinde komprimiert redundante Sinnesinformation

Zehn Millionen Bits – das ist die Information, die das Auge bei schnellen Blickbewegungen in jeder Sekunde an das Großhirn übermittelt. Wie die primäre Sehrinde, die Eingangsstation für Informationen des Sehsinns im Gehirn, diese Daten weiterverarbeitet, beschreiben Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Universität Osnabrück in der Fachzeitschrift „Cerebral Cortex“. Mit einem neuen optischen Verfahren wiesen sie nach, dass das Gehirn nicht immer die vollständige Bildinformation überträgt. Stattdessen bedient es sich der Unterschiede zwischen aktuellen und zuvor gesehenen Bildern.