Nachweis von Sehnerventzündungen erlaubt frühere MS-Diagnosen
Bei der Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose (MS) ist eine schnelle Diagnose wichtig, um Nervenschädigungen in Schach zu halten. Hilfreich dabei sind die 2024 überarbeiteten McDonald-Kriterien. In einer Studie hat ein Forschungsteam aus der Klinik für Neurologie mit Klinischer Neurophysiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nun die alten und die neuen Diagnosekriterien verglichen. Das Ergebnis: Die neu mit aufgenommenen Diagnosepunkte führten dazu, dass mehr MS-Betroffene, die zuvor unentdeckt geblieben wären, frühzeitig identifiziert werden konnten. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift
„eClinicalMedicine – The Lancet Discovery Science“ veröffentlicht worden.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die 2024 überarbeiteten McDonald-Kriterien den Anteil der Erstdiagnosen erheblich erhöhen und zwar um fast zehn Prozentpunkte“, sagt Studienleiter Prof. Thomas Skripuletz, Oberarzt an der Klinik. Bisher unklare Fälle ließen sich jetzt schneller und zuverlässiger einordnen. Die meisten zusätzlichen Diagnosen resultierten aus der Berücksichtigung des Sehnervs als fünftem Ort für Entzündungsherde, in der Fachsprache Läsionen genannt. Bislang wurden per MRT-Bildgebung Läsionen in vier betroffenen Bereichen in den Blick genommen: direkt um die mit Nervenwasser gefüllten Hirnkammern, in der Hirnrinde, im Hirnstamm oder Kleinhirn sowie im Rückenmark. „Die Einbeziehung des Sehnervs ist wichtig, weil dieser durch Entzündungen des zentralen Nervensystems ebenfalls geschädigt wird“, betont der Neurologe. Erste Anzeichen für eine MS seien daher oft Schleiersehen, Schmerzen bei der Augenbewegung und eine verminderte Farbwahrnehmung. „In unserer Studie war die Einbeziehung der Sehnervenbeteiligung der Hauptgrund für die frühere Diagnose.“
Quelle: Medizinische Hochschule Hannover

