Erstmals Marfan-Sprechstunden am HDZ NRW

Als erste Einrichtung in Ostwestfalen-Lippe erfüllt das HDZ NRW alle Voraussetzungen für die Teilnahme an der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung von Menschen mit Marfan-Syndrom und verwandten Bindegewebserkrankungen. Der erweiterte Landesausschuss der Ärzte, Krankenkassen und Krankenhäuser für Westfalen-Lippe bestätigte dies mit Beschluss vom 22. Januar. „Das Marfan-Syndrom ist eine seltene erbliche Bindegewebserkrankung, die durch einen Gendefekt verursacht wird und fast alle Organsysteme betreffen kann. Deshalb ist ein interdisziplinäres Behandlungsteam erforderlich“, erläutert Prof. Yskert von Kodolitsch, Kardiologe und Oberarzt der Abteilung Gefäßchirurgie am HDZ NRW. „Herz, Augen und Skelett sind besonders häufig betroffen. Dank medikamentöser Therapie und modernen Operationen ist die Erkrankung heute so gut behandelbar, dass die durchschnittliche Lebenserwartung über 70 Jahre beträgt.“

In Deutschland leben schätzungsweise 8.000 bis 16.000 Menschen mit Marfan-Syndrom. Häufig wird die Erkrankung erst entdeckt, wenn die Gefäßwände bereits geschwächt sind und gefährliche Komplikationen wie eine Erweiterung einer Schlagader im Brustkorb (Aneurysma) oder ein Riss der Hauptschlagader (Aortendissektion) auftreten – Situationen, die eine sofortige herz- oder gefäßchirurgische Behandlung erfordern.

„Eine frühe und spezialisierte Diagnostik ist entscheidend, um schwere Verläufe zu verhindern“, betont Prof. von Kodolitsch. Das kardiogenetische Labor unter der Leitung von Prof. Cornelius Knabbe, Laboratoriumsmedizin MVZ am HDZ NRW, führt dazu die genetischen Analysen durch. Als ausgewiesener Marfan-Experte, der an der Entwicklung der ersten bundesweiten Leitlinien mitgewirkt hat, übernimmt von Kodolitsch die genetischen Beratungsgespräche und leitet das interdisziplinäre Behandlungsteam. „Unser Kernteam vereint Expertinnen und Experten aus Kardiologie, Herzchirurgie, Augenheilkunde, Orthopädie und Unfallchirurgie, Kinderkardiologie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Gefäßchirurgie sowie Humangenetik. Gemeinsam stellen sie die umfassende ambulante Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Marfan-Syndrom, verwandten Bindegewebserkrankungen oder Verdachtsdiagnose sicher. Damit bieten wir erstmals in Ostwestfalen-Lippe eine spezialisierte Marfan-Sprechstunde an – mit einem erfahrenen Team, das die oft komplexen Auswirkungen dieser Erkrankung auf verschiedene Organsysteme optimal behandelt.“ Die Spezialambulanz ist ab sofort erreichbar unter Tel. 05731 97-2060.

Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, mit 40.500 Patientinnen und Patienten jährlich, davon 14.300 in stationärer Behandlung, sowie 1.300 ambulanten Operationen zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa. Weitere Informationen: www.hdz-nrw.de

Quelle: HDZ NRW

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