Kurznachrichten

Experten geben Entwarnung: LED-Displays sind keine Gefahr für Augen oder Schlaf

Filter für Smartphones, Computerbrillen für Kinder, Kontaktlinsen für PC-Arbeit: Viele Produkte werben mit dem Schutz vor Blaulicht, das von Bildschirmen und Handydisplays ausgeht. Doch ist blaues Licht wirklich schädlich für unsere Augen, beeinträchtigt es den Schlaf? Nein, sagen Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Warum wir vor dem Einschlafen die Helligkeit elektronischer Geräte dennoch reduzieren sollten und welches Licht tatsächlich Netzhautschäden verursachen kann, erläutern Ophthalmologen auf der Vorab-Pressekonferenz zur DOG 2021 online. Der Kongress findet vom 30. September bis 3. Oktober 2021 virtuell statt.

BGH bestätigt IGeL zur Glaukomfrüherkennung: Untersuchung „augenärztlich geboten“

Augenärzte empfehlen allen Personen ab dem Alter von 40 Jahren regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen zum Ausschluss einer Glaukomerkrankung. Eine Patienteninformation des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) hatte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen beanstandet – zu Unrecht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschieden hat. Der erste BVA-Vorsitzende Dr. Peter Heinz sagt dazu: „Es ist wirklich erfreulich, dass der BGH unsere ärztliche Empfehlung und die bisherige Rechtsauffassung mit dem Urteil eindeutig bestätigt. Dies wird uns helfen, Verunsicherung bei Patienten gegenüber der Vorsorgeuntersuchung abzubauen und stärkt unseren Kampf gegen die tückische Glaukomerkrankung.“

Hirnorganoide entwickeln Sehschalen, die auf Licht reagieren

Menschliche induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs) können verwendet werden, um Hirnorganoide zu erzeugen, die eine Augenstruktur, den so genannten Sehnapf, enthalten. Dies geht aus einer Studie hervor, die am 17. August in der Fachzeitschrift Cell Stem Cell veröffentlicht wurde. Die Organoide entwickelten spontan beidseitig symmetrische Sehschalen an der Vorderseite der hirnähnlichen Region, was die Fähigkeit der iPSCs zur Selbstorganisation in einem hochkomplexen biologischen Prozess zeigt. Darauf macht die
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf aufmerksam.

Trockene Augen: Zwei Drittel der Frauen in den Wechslejahren betroffen

In den Wechseljahren verändert sich das Gleichgewicht der Hormone im weiblichen Körper – mit bekannten Folgen für die Fruchtbarkeit, den Stoffwechsel, den Schlaf und die Psyche. Weniger bekannt ist, dass auch die Augen auf die hormonellen Veränderungen reagieren: Nahezu zwei Drittel aller Frauen haben in und nach den Wechseljahren mit trockenen Augen zu kämpfen, wie eine aktuelle Studie mit fast 2.000 Teilnehmerinnen aus Spanien zeigt (1). Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) nimmt dies zum Anlass, auf den Zusammenhang zwischen Hormonhaushalt und dem Auftreten des Trockenen Auges aufmerksam zu machen und Therapiemöglichkeiten aufzuzeigen.

Optik: Menschen fixieren neben dem Netzhautzentrum, um besser zu sehen

Knick in der Optik: Wenn Menschen ein Objekt fixieren, kommt sein Bild nicht an der Stelle der Netzhaut zu liegen, an der die Zellen am dichtesten sind. Stattdessen ist seine Position etwas in Richtung Nase und nach oben verschoben. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Bonn in der Zeitschrift Current Biology. Die Forschenden untersuchten insgesamt 20 gesunde Versuchspersonen und spekulieren, dass dieses Fixationsverhalten hilft, insgesamt besser zu sehen.

AMD: Durchbruch bei der Erforschung

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass Entzündungen am Augenhintergrund eine Rolle bei der Entstehung von AMD spielen. Studien haben eine Reihe von Genen identifiziert, die die Aktivität des Komplementwegs regulieren – ein Schlüsselakteur in unserer Immunabwehr gegen Krankheitserreger – und die das Risiko einer Person für die Entwicklung der Krankheit beeinflussen. Diese Daten lassen vermuten, dass AMD zumindest teilweise durch ein Versagen der Komplementregulation im Auge verursacht wird. Doch die Rolle dieser Gene – Complement Faktor H (CFH) und Faktor H-Related 1 bis 5 (FHR1-5) – war bisher unklar. Jetzt haben Forschende in Tübingen, Manchester und London neue Methoden entwickelt, um die Proteinprodukte dieser Gene mit Hilfe der Massenspektrometrie zu messen.

DOG: “Augenkliniken sind unverzichtbar in der Aus- und Weiterbildung”

Die Augenkliniken in Deutschland behandeln ihre Patientinnen und Patienten ambulant, stationär und intersektoral – von der Volkskrankheit bis hin zur seltenen Erkrankung. Aus Sicht der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e.V. (DOG) spielen die Augenkliniken deshalb eine zentrale Rolle für die Aus- und Weiterbildung des augenärztlichen Nachwuchses. Dort können angehende Augenärztinnen und -Ärzte entsprechend der neuen Weiterbildungsordnung alle notwendigen Kompetenzen erwerben, auch und gerade in allen Subspezialitäten, betont die DOG und widerspricht damit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die in einem Konzeptpapier das Gegenteil behauptet hatte.

Der Quantensinn in der Netzhaut

Während Menschen die Welt mit fünf Sinnen – Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten – wahrnehmen, orientieren sich viele Tiere auch am Erdmagnetfeld. Schon seit längerem hat ein interdisziplinäres Team der Universitäten Oldenburg und Oxford (Großbritannien) Hinweise dafür gesammelt, dass der Magnetsinn von Zugvögeln wie beispielsweise Rotkehlchen auf einem bestimmten lichtempfindlichen Eiweiß im Auge beruht. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Nature zeigen die Forschenden, dass das Eiweiß Cryptochrom 4, das sich in der Netzhaut von Vögeln befindet, empfindlich auf Magnetfelder reagiert und somit höchstwahrscheinlich der gesuchte Magnetsensor ist.

Reizweiterleitung im visuellen Thalamus

Der visuelle Thalamus ist klassischerweise dafür bekannt, die von der Netzhaut kommenden visuellen Reize an die Großhirnrinde weiterzuleiten. Ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie zeigt nun, dass Nervenzellen im visuellen Maus-Thalamus zwar in Kontakt mit beiden Augen stehen, starke funktionale Verknüpfungen aber nur mit einer Netzhaut aufbauen. Damit vereinen die Wissenschaftler nach Angaben des MPI teils widersprüchliche Ergebnisse früherer Studien und verdeutlichen, wie wichtig es sein könne, strukturelle Daten mit funktionellen Untersuchungen zu ergänzen, so das MPI.