Augenverletzungen beim Kontaktlinsenträger

Zu Ätiologie, Pathogenese und Therapie
Augenverletzungen sind keineswegs selten. Da weltweit immer mehr Kontaktlinsen getragen werden, sind auch immer mehr Kontaktlinsenträger von Unfällen am Auge betroffen. Dabei kann die Linse am Unfallgeschehen unbeteiligt sein, dieses erschweren oder die Folgeschäden auch einmal mildern. Linsen haben allerdings generell keine besondere Schutzfunktion für das Auge, des Weiteren können sie selbst auch einmal zur Unfallursache werden. Dr. Hans-Walter Roth gibt einen Überblick zu Ätiologie, Pathogenese und Therapie von Augenverletzungen beim Kontaktlinsenträger.

Die diagnostischen Schwierigkeiten nach Unfällen des Kontaktlinsenträgers, insbesondere aber die Notwendigkeit, dass nach jedem Unfall als erstes die Linse ohne jede weitere Schädigung von Lidern, Bindehaut und Hornhaut vom Auge genommen werden muss, erfordert generell das augenfachärztliche Konsil. Wegen des hohen Risikos von Folgeschäden bedarf ohnehin jede Augenverletzung der ophthalmologischen Kontrolle und Therapie.

Zur Problematik

Etwa drei bis vier Prozent aller Verletzungen des menschlichen Körpers betreffen das Auge. Meistens sind es Fremdkörper, Flüssigkeiten oder Gase, die im Rahmen eines Unfallgeschehens direkt oder indirekt von außen auf das Auge einwirken. Dies gilt für den Normalsichtigen wie für den Träger einer Brille und den Patienten, der Kontaktlinsen trägt, in gleichem Maße.

In etwa 25 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um kombinierte Verletzungen, dies heißt dass weitere Körperteile oder Organe am Unfallgeschehen mitbeteiligt sind. Erinnert sei an das Multitrauma des Autofahrers bei dem außer der perforierenden Augenverletzung weitere Teile des Körpers wie knöcherner Schädel, Extremitäten oder die Wirbelsäule betroffen sein können. Hier wird in der Regel die Mitverletzung des Auges zu spät erkannt oder es steht primär die Wiederherstellung der Vitalfunktion im Vordergrund, so dass der Ophthalmologe meist erst spät in das Geschehen fachärztlich eingreifen kann.

Trägt der Patient während des Unfalls Kontaktlinsen, so können die Unfallfolgen maskiert oder kaschiert sein, die Linsen können selbst zur Verschlimmerung eines Schadens beitragen und es bedarf besonderer Erfahrung, Augenverletzungen beim Linsenträger zu differenzieren und zu therapieren. Dies gilt vor allem dann, wenn während eines Unfalls sich eine Linse am Auge befand, die beispielsweise von einem Fremdkörper durchschlagen wurde. Eine darunter liegende versteckte Hornhautperforation kann ohne sorgfältige Spaltlampenuntersuchung nicht sicher ausgeschlossen werden, zumal die Kontaktlinsen eine Perforationsstelle oft wie eine Bandage abdichten. Das augenfachärztliche Konsil ist daher bei jedem Unfall im Zusammenhang mit einem Kontaktlinsentragen zwingend erforderlich.

Fallbeispiel

So erlitt eine 21-jährige Patienten im Rahmen eines Frontalzusammenstoßes ein Schädelhirntrauma. Sie war im Fahrzeug eingeklemmt und wurde im irrigen Glauben, sie sei tot, von der Feuerwehr mittels Trennschleifer ohne Schutz des Gesichts aus den Fahrzeugtrümmern befreit. Dem später eintreffenden Notarzt gelang die Reanimation. Das Gesicht war von multipel verteilten feinen Metallsplittern übersät. Bei geöffneten Augen fanden sich die gleichen Splitter auf dem gesamten sichtbaren Teil des Bulbus. Konjunktiva und Kornea schienen verletzt. Nachdem ein hinzugezogener Augenarzt erkannte, dass die Patientin noch in beiden Augen weiche Kontaktlinsen trug, entfernte er diese noch am Unfallort. Die Linsen, auf ihrer Oberfläche von Splittern übersät, hatten beide Augen vor einer Verletzung durch die Metallsplitter geschützt.

Die häufigsten Befunde in der ophthalmologischen Unfall- beziehungsweise Notfallsprechstunde sind stumpfe Traumata, Fremdkörperverletzungen, Verbrennungen oder Verätzungen (Tab. 1). Dies gilt in hohem Masse auch für den Kontaktlinsenträger. Im Gegensatz zu ihm ist der Brillenträger vor Augenverletzungen durch Fremdkörper jeglicher Art relativ gut geschützt, vor allem dann, wenn er eine spezielle Schutzbrille am Arbeitsplatz trägt. Beim Kontaktlinsenträger entfällt diese Schutzfunktion, es sei denn er folgt, was leider meist nicht der Fall ist, dem ärztlichen Rat, zusätzlich zur Linse eine Schutzbrille zum Beispiel mit Plangläsern zu tragen.

Häufige Ursachen von Augenverletzungen beim Kontaktlinsenträger:
| Metallsplitter
| Holzsplitter
| Erosio durch Pflanzenteile
| Windschutzscheibensplitter
| Explosionstrauma
| Verbrennung durch Stichflammen
| Laborverätzungen
| Verätzungen durch Haushaltsreiniger
| Tragen defekter Linsen
| Fehlerhafte Handhabung
| Verwechseln der Hygienemittel

Mehr dazu im AUGENSPIEGEL 10-2007.

Ähnliche Beiträge