Augenuntersuchungen verbessern Früherkennung von Multipler Sklerose und Alzheimer

Untersuchungen des Auges sollen künftig die Diagnose und Therapie neurodegenerativer Erkrankungen verbessern. Denn die Netzhaut liefert schon früh Hinweise auf krankhafte Veränderungen des zentralen Nervensystems. Wie bildgebende Untersuchungen des Auges Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Morbus Alzheimer aufdecken, diskutieren Experten auf dem 109. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG.

Bei den meisten Krankheiten verändern sich Zellen und Zellbestandteile bereits viele Jahre vor dem Auftreten erster Symptome. „Moderne bildgebende Verfahren können solche Prozesse schon früh sichtbar machen“, sagt Professor Dr. Frank G. Holz, Präsidiumsmitglied der DOG und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. „Und bei einer frühzeitigen Diagnose steigt die Chance, die jeweilige Erkrankung erfolgreich behandeln zu können.“ Bislang kommen bildgebende Techniken wie die optische Kohärenztomografie (OCT) oder die konfokale Scanning-Laser-Ophthalmoskopie noch vor allem bei Augenerkrankungen wie der Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) zum Einsatz.

Doch Untersuchungen der Netzhaut oder der Hornhaut können nach neuesten Erkenntnissen auch früh auf degenerative Erkrankungen des Nervensystems wie Multiple Sklerose oder Morbus Alzheimer hinweisen. Bei der schwierigen Diagnose der Alzheimer-Erkrankung stützen sich Ärzte bislang auf Untersuchungen des Gehirns mithilfe aufwendiger radiologischer Verfahren wie der Computer- oder Magnetresonanztomografie. Auch Berichte von Angehörigen und Gedächtnistests geben hier Hinweise. Doch damit ist eine frühe Diagnose der Krankheit derzeit kaum möglich.

Ein typisches Alzheimer-Merkmal sind Ablagerungen des Proteins Beta-Amyloid in Nervenzellen des Gehirns. Bei den Patienten findet sich dieses Eiweiß jedoch auch vermehrt in Augenlinse und Netzhaut. Hochauflösende Bildgebungsverfahren können es nachweisen. Wie sich dadurch künftig die Früherkennung der Krankheit verbessern lässt, untersuchen Wissenschaftler derzeit im Rahmen eines vom Bundes¬ministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes.

Bereits stärker etabliert ist die Diagnostik am Auge bei Multipler Sklerose (MS). Auch hier können Augenuntersuchungen mit bildgebenden Verfahren frühzeitig auf krankhafte Veränderungen hinweisen. Bei der Autoimmunerkrankung MS zerstört die körpereigene Abwehr die schützenden Hüllen der Nervenfasern. Per optischer Kohärenztomografie (OCT) lassen sich die Nervenfasern der Netzhaut sehr gut abbilden und analysieren. „Studien an MS-Patienten zeigen, dass sich so selbst minimale Verdünnungen der Nervenfasern in der Netzhaut präzise messen lassen“, berichtet Holz. „Damit könnte die OCT die Früherkennung der Krankheit künftig deutlich erleichtern. Zudem könnten Ärzte so den Erfolg einer Therapie oder den Nutzen neuer Medikamente besser beurteilen.“

Quelle: http://www.dog.org

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