Einschätzungsverfahren für Menschen mit Taubblindheit
Geschätzte 10.000 Menschen leben in Deutschland mit Taubblindheit. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht, ebenso wenig wie einheitliche Diagnoseverfahren, um die komplexe Beeinträchtigung festzustellen.
Mit einem neuen Forschungsprojekt wollen Prof. Andrea Wanka von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (PHHD), Amadea Hofstötter und ihre Kooperationspartnerinnen und -partner nun die diagnostische Situation nachhaltig verbessern. „SinnVoll lernen“ wird von der Doris Leibinger Stiftung und der Stiftung taubblind unterstützt und hat sich vorgenommen, diese „zentrale Versorgungslücke“ zu schließen. Das dreijährige Vorhaben baut auf langjährigen Vorarbeiten zum Screening von Hörsehbeeinträchtigungen und zur Kommunikation mit Betroffenen auf.
Viele klassische Tests aus der Diagnose-Praxis funktionieren nicht, weil sie visuelle oder auditive Zugänge voraussetzen und das dadurch erworbene „Wissen von Welt“. Betroffene Kinder und Erwachsene wurden deshalb beispielsweise oft diagnostisch dem Autismusspektrum zugeordnet, obwohl ihr Thema der eingeschränkte Zugang zu Sinnesinformationen ist.
Ein Ziel des neuen Projekts ist deshalb ein standardisiertes Screeningverfahren für Taubblindheit/Hörsehbehinderung, das flächendeckend in Deutschland eingesetzt werden kann. Dafür entwickelt das PHHD-Team ein Screeningtool weiter, das es im Forschungsprojekt IKI-TAU (Identifizierung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Taubblindheit/Hörsehbehinderung) etablierte. Einrichtungen bundesweit sollen mit „IKI-Tau-Koffern“ ausgestattet und Fachkräfte dafür geschult werden.
Mit den standardisierten Testmaterialien könnten Fachleute künftig frühzeitig Taubblindheit erkennen und dokumentieren. Um Forschung und Praxis hier gut zu verzahnen, kooperiert das Team eng mit spezialisierten Einrichtungen und der „Arbeitsgemeinschaft der Einrichtungen und Dienste für Menschen mit Taubblindheit/Hörsehbehinderung“ (AGTB).
Quelle: Pädagogische Hochschule Heidelberg (PHHD)


