Die Brille des Chauffeurs
Serie zur Sammlung Roth (Folge 175) – Die ersten motorgetriebenen Fahrzeuge, auch Automobile genannt, erforderten besondere Schutzmaßnahmen für den Fahrer. Während das Pferdefuhrwerk mit einer recht bescheidenen Geschwindigkeit unterwegs war, schafften die ersten Autos immerhin schon Spitzengeschwindigkeiten bis zu 20 Kilometer die Stunde, mehr waren im Übrigen wegen Gefährdung des Fußgängers nicht erlaubt und auch noch nicht erreichbar. Trotzdem waren Staub und Split der noch nicht asphaltierten Straßen ein Problem. Der Platz des Fahrers lag wie bei der Pferdekutsche im Freien, Windschutzscheiben kannte man nicht. Das Outfit des Fahrzeuglenkers, vor allem seine Augen, erforderten jetzt besondere Schutzmaßnahmen. Von Dr. Hans-Walter Roth (Ulm)
Dafür waren die Brillen der Zeit, man denke da an den Zwicker oder gar die Lorgnette, nicht geeignet. Dringend erforderlich war vor allem auch ein Seitenschutz. Die erste Schutzbrille des Chauffeurs bestand mehr oder weniger aus dem mittleren Teil einer Lederhaube, so wie sie 30 Jahre später auch der Pilot im Doppeldecker trug. Eingepasst waren in der Lederfassung in Augenhöhe zwei runde Metallfassungen, in die man beliebige Brillengläser einklemmen konnte. Die Gläser waren im Gegensatz zu späteren Schutzbrille des Rennfahrers üblicherweise nur aus billigem Fensterglas. Sie hatten keinerlei brechende Wirkung, sie nahmen also auf eine Refraktionsbeobachtung keine Rücksicht, wobei der heute obligatorische Sehtest für den Fahrer ohnehin noch nicht gefordert wurde. Bei Fahrten in hellem Sonnenlicht konnte man sie, um eine Blendung zu vermeiden, ohne fremde Hilfe selbst ganz einfach durch dunkelbraune lichtabsorbierende Scheiben austauschen.

